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Umbau des Hotels „Bussi Baby“: Klares Veto in Bad Wiessee

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Hotel „Bussi Baby“ in Bad Wiessee
Auf dem Hotel „Bussi Baby“ in Bad Wiessee soll ein zehn Meter hoher Funkmast angebracht werden. © Gernböck

Bad Wiessee – Der Umbau des Hotels „Bussi Baby“ in Bad Wiessee läuft. Ein Antrag zu einem Funkmast für Vodafone sorgte nun jedoch für Kritik.

Das Hotel „Bussi Baby“ bekommt ein neues Antlitz. Die Gemeinderäte in Bad Wiessee haben dem im Oktober zugestimmt. Das Dachgeschoss wird in einen Wellnessbereich mit Panoramafenster umgebaut. Auf der Südseite des Gebäudes entsteht ein Swimmingpool mit Panoramaterrasse.

Nachdem Kreisbaumeister Christian Boiger den ursprünglichen Plänen nicht zugestimmt hatte, waren diese kurzfristig überarbeitet worden. Demnach wird nun die bisherige dunkle Holzfassade mit hellem Lärchenholz verkleidet und damit der Optik des neu errichteten Personalhauses angeglichen. Das Schleppdach auf dem südseitigen Anbau wird durch ein Flachdach ersetzt.

Hotel „Bussi Baby“ eingerüstet

Mittlerweile haben die Arbeiten begonnen. Das „Bussi Baby“ ist rundherum eingerüstet. Nun befassten sich die Mitglieder des Bauausschusses erneut mit dem Projekt. Diesmal stand ein Ergänzungsantrag auf der Tagesordnung, der im Gremium wenig Begeisterung auslöste.

Zusätzlich zu den bisherigen Änderungen soll demnach die Mobilfunkanlage auf dem Dach des Hotels durch eine neue Antenne ersetzt werden. Die bisherige besteht aus drei niedrigen Masten. Diese sollen einer einzigen, knapp zehn Meter hohe Antenne weichen, führte Bauamtsleiter Anton Bammer aus. Das Blitzfangsystem würde den Funkmasten überragen, sodass die gesamte Höhe rund zehneinhalb Meter betragen würde. Die neue Anlage wäre zudem wesentlich massiver als der bisherige Bestand, erklärte der Bauamtschef.

Kontakt zu Vodafone suchen

Prinzipiell dürften Antennen und Masten mit einer freien Höhe von maximal zehn Metern sogar verfahrensfrei aufgestellt werden, erläuterte Bammer die baurechtlichen Grundlagen. In Außenbereichen wäre sogar eine Höhe von bis zu 15 Metern verfahrensfrei. Im Zuge des Bauantrags werde die Angelegenheit aber Teil des Genehmigungsverfahrens.

Von einem sensiblen Punkt sprach Florian Sareiter (CSU) und verwies auf die Vorgeschichte: Das Projekt sei architektonisch nicht ganz eindeutig befürwortet worden. Die bestehenden drei Masten seien visuell unauffällig. Vielleicht könne man mit dem Betreiber Vodafone einen anderen Standort finden. Das Dach des Hotels ist nach Sareiters Sicht ein ungeeigneter Standort. Er verwies zudem auf die Strahlungsemissionen einer solchen Anlage in unmittelbarer Nähe zu Grundschule und Kita.

Strahlenbelastung sensibles Thema

Auch Benedikt Dörder (SPD) hielt einen Funkmasten dieser Größe direkt neben der Kirche Maria Himmelfahrt für zu wuchtig. Baurechtlich werde die Anlage wohl genehmigt, erklärte Bammer.

Viele Bürger seien in puncto Strahlenbelastung sensibel, sagte Kurt Sareiter (CSU) und betonte, dass er den Antrag ablehnen werde. Deutliche Worte fand Klaudia Martini (SPD), denn von Anfang an sei sie gegen das Mammutprojekt gewesen: „Zuerst ein Bussi Baby an der Kirche, dann ein Saunabereich mit einem riesigen Guckkastenfenster zum See, jetzt noch ein Funkmast, wohl mit 5G-Strahlung: Es reicht jetzt.“

Parodie im nächsten Faschingszug?

Einen Stab als Schaugerüst anzubringen, schlug Georg Erlacher (CSU) vor, der befand, durch den Umbau werde der Charme des Hotels verspielt. Das sah Johann Zehetmeier (FWG) anders: „Wir brauchen mal etwas Neues, Frisches, nicht nur den Zillertaler Alpenstil.“ Zehetmeier wies darauf hin, dass Bauherr Korbinian Kohler durch einen Vertrag mit Vodafone gebunden sei: „Wenn wir verweigern, machen sie das trotzdem.“ Bei den Proportionen des Riesenhauses werde der Mast optisch kaum ins Gewicht fallen, versuchte er zu vermitteln.

„Zehn Meter, das sprengt einfach alles“, fand Johannes von Miller (Grüne). Man wolle hier kein Empire State Building. Er riet, durch Ablehnung ein Zeichen zu setzen, „auch wenn wir nichts zu melden haben“. In einem war sich Korbinian Herzinger (CSU) sicher: Bad Wiessee werde mit seinem neuen Funkmasten im nächsten Faschingszug an erster Stelle parodiert werden. Mit 7:2 wurde der Antrag schließlich abgelehnt. ger

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