Gemeinwohl-Ökonomie
+
Nachhaltiges Bauen spielt auch eine Rolle bei Gemeinwohlökonomie, wie Gmund sie nun umsetzen will.

Neues Konzept am Tegernsee

Gelebte Nachhaltigkeit: Gmund entscheidet sich für Gemeinwohlökonomie

Gmund – Gmund will das Konzept der Gemeinwohlökonomie am Tegernsee etablieren. Das bringt in Zukunft verschiedene Entwicklungen im Ort.

Die Gemeinderäte in Gmund haben vor Kurzem nichtöffentlich und einstimmig beschlossen, dass sich die Gemeinde auf Basis des Konzepts der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) weiter entwickeln soll. Bereits bei einer Klausurtagung im März 2021 war dies als Ziel formuliert worden.

Kommunen komme eine wichtige Funktion zu, wenn es um gelebte Nachhaltigkeit gehe, teilt die Verwaltung mit, denn Gemeinden und Städte würden innerhalb der vielfältigen Aufgabenbereiche, für die sie zuständig sind, maßgeblich die Zukunft ihres Ortes entwickeln. Damit dies erfolgreich sein könne, müssten Kommunen neben wirtschaftlichen auch ökologische und soziale Herausforderungen wie Klimawandel, wachsende Ungleichheiten oder Demografie berücksichtigen.

Wirtschaftsreformer Christian Felber

Seit seinem Amtsantritt sei es ein erklärtes Ziel von Bürgermeister Alfons Besel, Gmund nachhaltig zu entwickeln. „Nachhaltig bedeutet für mich, faires, generationengerechtes, ressourcenschonendes und partizipatives Handeln – oder einfach ausgedrückt: So zu entscheiden und handeln, dass die Ergebnisse auch in Zukunft gut sind für unseren Ort, unsere Bürger und das Allgemeinwohl“, sagt er.

Um zu bewerten, was langfristig gut ist, brauche es jedoch ein durchdachtes Handwerkszeug. In Gmund soll künftig eine Methodik angewendet werden, die sich in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen, Organisationen und vereinzelt auch Kommunen bereits bewährt hat: die Gemeinwohlökonomie (GWÖ). Das Konzept, das auf den österreichischen Wirtschaftsreformer Christian Felber zurückgeht, baut auf der Annahme auf, dass das Wohl von Mensch und Umwelt das oberste Ziel des Wirtschaftens sein muss.

Kompass, Werkzeug und Management-Tool

Ganz konkret beinhaltet die GWÖ eine Matrix, die als Hilfestellung für Entscheidungen herangezogen werden kann und anhand derer sich das eigene Handeln bilanzieren lässt. Sie dient somit gleichermaßen als Kompass, Werkzeug und Management-Tool für enkeltaugliches Wirtschaften.

Immer mehr Unternehmen würden ihr Handeln nach der GWÖ ausrichten und auch für Kommunen sei das Konzept ein ideales Instrument, um die Erfolge der eigenen Gemeindeentwicklung und -gestaltung ganzheitlich messen und bewerten zu können, erklärt die Verwaltung.

Kirchanschöring als Vorbild

So könne auch in Gmund in Zukunft ein Gemeinwohlbericht an die Seite des Haushaltsplans rücken wie er beispielsweise bereits in der GWÖ-Gemeinde Kirchanschöring im Landkreis Traunstein regelmäßig erstellt wird. Wie die GWÖ umgesetzt werden soll, müsse jedoch für jede Organisation individuell aufgebaut werden und dabei vorhandene Strukturen sowie Gegebenheiten berücksichtigen.

Dazu sei, so die Erfahrung und Empfehlung bereits bestehender GWÖ-Gemeinden, externe Beratung nötig, damit das Konzept nachhaltig und wirkungsorientiert etabliert werden kann.

Erster Schritt Ende 2021

In einem ersten Schritt soll daher in Gmund bis Ende 2021 ein Förderantrag für die externe Begleitung des Vorhabens gestellt werden. Im Anschluss folgen eine Orientierungsphase mit Bestandsaufnahme der bisherigen Nachhaltigkeitsaktivitäten der Gemeinde, Auftakt-Workshops und eine Bürgerbeteiligung in Form einer Zukunftswerkstatt.

„Wir führen schon sehr viele Projekte mit nachhaltigem Nutzen durch – sei es unser Weg zur fahrradfreundlichen Kommune, die Erstellung eines Energienutzungsplans oder unsere Aktivitäten im Bereich Baukultur, bei denen es um nichts anderes geht, als die nachhaltige, also sozial, wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Ausrichtung von Bauvorhaben“, erklärt Alfons Besel. „Mit der Etablierung der GWÖ wird der Fokus auf Nachhaltigkeit nun künftig weiter an Bedeutung gewinnen und die Aktivitäten, Projekte sowie Entscheidungen in Verwaltung und Gemeinderat in einen strategischen Rahmen eingebettet.“

Quelle: DasGelbeBlatt

Auch interessant

Kommentare