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Zweitwohnsitze für Flüchtlinge? Klares Votum bei Antrag in Bad Wiessee

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St. Josefsheim am Löblweg in Bad Wiessee
Das St. Josefsheim am Löblweg in Bad Wiessee wurde von der Gemeinde unentgeltlich als Flüchtlingsheim gepachtet. © Gernböck

Bad Wiessee – Auf der Suche nach weiteren Unterkünften für Geflüchtete aus der Ukraine will Bad Wiessee nun auch Besitzer von Zweiwohnungen anschreiben.

Vor mittlerweile rund einem halben Jahrzehnt sahen sich Städte und Gemeinden vor die Aufgabe gestellt, Flüchtlingen aus Krisengebieten Unterkunft zu gewähren. Nun gilt es angesichts des Kriegs in der Ukraine erneut, zahlreichen Menschen Obdach zu verschaffen, die ihr Land aufgrund der Geschehnisse verlassen mussten. In Bad Wiessee haben derzeit rund 135 Flüchtlinge Zuflucht gefunden. Einen Vorschlag, wie weitere – zumindest vorübergehend – untergebracht werden könnten, präsentierte nun die SPD-Fraktion im Gemeinderat.

Sie stellte den Antrag, alle Zweitwohnungsbesitzer in der Gemeinde anzuschreiben, ob diese aktuell nicht genutzten Wohnraum als Flüchtlingsunterkunft bereitstellen würden. Bereits vorab hatten sich SPD-Vertreter aller Talgemeinden getroffen und den Vorschlag erarbeitet, erläuterte Bernd Kuntze-Fechner, der den Antrag im Wiesseer Gremium vorbrachte.

Asyl für Mütter und Kinder aus Ukraine

Mit der Aufnahme von 135 Geflüchteten leiste man einen erheblichen Teil, um diese im Landkreis Miesbach unterzubringen, erklärte Bürgermeister Robert Kühn, der zugleich hervorhob, dass man diesen Beitrag sehr gerne leiste. Die Interimslösung, Flüchtlinge in Ferienwohnungen einzuquartieren, stoße jedoch mit Saisonbeginn an ihre Grenzen – die Leute müssen die Wohnungen nun räumen. „Das ist ein großes Problem“, machte Kühn deutlich. Mit dem Abwinkler Hof und dem St. Josefsheim am Löblweg konnten Übergangslösungen gefunden werden. Beide Gebäude wurden von den Eigentümern unentgeltlich an die Gemeinde verpachtet und stehen damit als Wohnraum zur Verfügung.

Das St. Josefsheim dient seit Kurzem Müttern mit Kindern aus der Ukraine als Asyl, nachdem sich der Plan zerschlagen hat, ein Waisenhaus einzurichten. „Hier waren die Hürden zu hoch“, bedauerte Kühn. Mitarbeiter des Bauhofs statteten die Zimmer mithilfe von Möbelspenden aus und erhöhten die Balkonbrüstungen den Vorschriften entsprechend.

Ergreifende Hilfsbereitschaft vor Ort

„Die Menschen wollen hier leben und arbeiten. Sie zeigen so große Dankbarkeit“, schilderte Kühn. Ergreifend sei auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, unterstrich der Rathauschef, der allen Helfern seinen Dank ausdrückte. Die Frage, ob auch Zweitwohnungen als Quartier zur Verfügung stehen würden, solle einfach einmal in den Raum gestellt werden, falls weiterer Wohnraum notwendig werden sollte, stellte er klar.

Es gehe zuerst nur um die Anschreiben, aber die Gemeinde müsse vorbereitet sein: „Wir müssen uns hier der Realität stellen: Keiner von uns weiß, was auf uns zukommt.“ Natürlich werde kein Druck ausgeübt, betonte Kühn, Eigentum bleibe Eigentum. Man wolle aber ein Zeichen aussenden, um die Leute zum Nachdenken zu bringen.

Klopfzeichen als Signal der Zustimmung

Der Gedanke sei durchaus nachvollziehbar, fand Florian Sareiter (CSU): „Es ist unser Ziel, den Menschen die Situation so einfach wie möglich zu machen.“ Momentan herrsche eine große Spendenbereitschaft, sagte er, warf aber zugleich die Frage auf, wie lange diese anhalten werde. Die Kommunen könnten nicht alle Belastungen allein auf ihre Schultern laden, weshalb die Kooperation mit dem Landkreis wichtig sei, betonte Sareiter. Wenn von dort ein Signal komme, könne man den Schritt unterschreiben.

Ob die Zweitwohnungssteuer entfalle, wenn die Wohnung von Flüchtlingen genutzt werde? Diese Frage stellte Zweiter Bürgermeister Rolf Neresheimer (FWG). Sie blieb an diesem Abend aber offen. Da der Antrag aus Termingründen vor Sitzungsbeginn nicht mehr offiziell gestellt werden konnte, wie der Rathauschef bedauerte, bat er die Gemeinderäte um ein Klopfzeichen als Signal der Zustimmung – das schließlich von keinem verweigert wurde. ger

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