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Tierschützerin demonstriert mit Almbauern: „Wolf darf sich hier nicht ansiedeln“

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Von: Christina Jachert-Maier

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Der Wolf ist inzwischen in acht Regionen Bayerns dauerhaft heimisch geworden. Die Zahl der Rudel wächst. 
Der Wolf ist inzwischen in acht Regionen Bayerns dauerhaft heimisch geworden. Die Zahl der Rudel wächst.  © dpa

Tierschützerin Johanna Ecker-Schotte ist nicht gegen den Wolf. Sie will nur nicht, dass er sich in der Alpenregion ansiedelt. Damit steht sie im Widerspruch zu anderen Organisationen.

Tegernsee - Almbauern sagen: Im bayerischen Voralpenland hat der Wolf keinen Platz. Johanna Ecker-Schotte (60), Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tals, teilt diese Meinung. Sie hat mit den Bauern demonstriert.

Frau Ecker-Schotte, als Tierschützerin haben Sie an der Seite von Bauern demonstriert, die eine Allianz gegen den Wolf fordern. Wie kam es dazu?

Ecker-Schotte: Ich bin vom BBV Holzkirchen eingeladen worden, nachdem ich die Position der Landwirte schon bei einer Pressekonferenz in der Roten Valepp unterstützt habe. Es ist nicht meine Art, auf einen hysterischen Zug aufzuspringen, aber wir haben hier mit Berg und Tal sehr beengte Lebensräume. So wie in Österreich und in Südtirol, wo es in der Almwirtschaft bereits wahnsinnige Probleme mit dem Wolf gibt. Mir gefällt es, dass unser BBV Holzkirchen die Situation so besonnen betrachtet. Das unterstütze ich. Der Wolf darf durchziehen, aber er soll sich hier nicht ansiedeln. Wir brauchen die Weideschutzflächen für unsere kleinbäuerliche Landwirtschaft.

Der Bund Naturschutz und auch der Deutsche Tierschutzbund begrüßen die Rückkehr des Wolfes und werben für Maßnahmen zum Herdenschutz.

Ecker-Schotte: Es empört mich immer wieder aufs Neue, dass der Bund Naturschutz in Bayern den Wolf bewirbt und behauptet, dass er hier in die Region besonders gut passt. So steht’s sogar auf der Homepage. Aber für unsere Region ist der Vorschlag, Zäune zu errichten, viel zu kurz gedacht. Wenn auf der Alm Zäune gezogen werden, trennen sie Felsen, Wald, Wiesen und Wasserläufe, das ist eine regelrechte Zerstörung der Landschaft. Die Zäune sind schnell gebaut, aber sie müssen auch gepflegt und eigentlich jeden Tag begangen werden. Es kann sich leicht ein Tier darin verfangen, egal ob es ein Kalb, eine Ziege, ein Raufußhuhn oder auch ein Hirsch oder Reh ist. Die Zäune sind eine massive Störung und werden Schäl- und Verbissschäden zur Folge haben.

Johanna Ecker-Schotte
Tierschützerin Johanna Ecker-Schotte. © Thomas Plettenberg

Interview mit Tierschützerin Ecker-Schotte: Herdenschutzhunde sind nicht die Lösung

Könnte der Einsatz von Herdenschutzhunden eine Lösung sein?

Ecker-Schotte: Herdenschutzhunde brauchen eine spezielle Ausbildung, die viel Sachkenntnis erfordert. Und was passiert mit den Hunden nach dem Almabtrieb? Ein Herdenschutzhund kann im Winter nicht einfach fünf oder sechs Monate Pause machen und zum Haushund werden. Er braucht Arbeit und sein Gelände. Ich sehe nullkommanull Chancen, dass das funktioniert. Auch wegen des Tourismus. Es sind so viele Wanderer mit Hund hier, da kann es leicht zu sehr problematischen Situationen kommen.

Ihre Position deckt sich nicht mit der Ihres Verbands.

Ecker-Schotte: Ich denke, es ist sehr wichtig, die Situation regional zu betrachten. Das gilt für den Umgang mit dem Wolf, aber auch für die Anbindehaltung, die der Dachverband ablehnt. Ich hingegen befürworte in unserer Region die Kombi-Haltung, also konventioneller Stall mit Weide- und Almbegang. Dass die Tiere raus dürfen, ist das Wichtigste. Was nützen die großen Laufställe, wenn die Kühe nur noch auf die Wiesen rausschauen dürfen? Es gibt viele Bauern bei uns, die könnten unter anderem aufgrund der beengten Lage des Hofes keinen Laufstall, den Anforderungen entsprechend, bauen. Der immense Druck der landwirtschaftlichen Ämter, die Tierbestände zu erhöhen, kommt noch erschwerend hinzu. Wachsen oder Weichen, da habe ich meine rosarote Brille schon lange abgesetzt.

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Der Wolf ist ein schützenswertes Tier und nicht zur Jagd freigegeben

Zurück zum Wolf: Sind Sie also für den Abschuss?

Ecker-Schotte: Nein, ich bin klar gegen den Abschuss. Mag meine Vorstellung, einen Wolf zu betäuben und umzusiedeln naiv sein, doch der Wolf ist nach europäischem Recht geschützt und nicht im Jagdrecht. Das sollte auch so bleiben. Nur in begründeten Ausnahmefällen sollte eine einzelne Entnahme möglich sein. Hier ist die Regierung von Oberbayern gefordert, sie muss die Voraussetzungen schaffen. Ich will den Wolf auch schützen, er ist ein wunderschönes wildes Tier. Deshalb müssen wir in irgendeiner Form gewährleisten, dass der Wolf sich nicht bei uns ansiedelt. Regelmäßige runde Tische und auch der Austausch mit anderen betroffenen Regionen sind notwendig. Mit Rücksicht auf die rund 150 Almen alleine in unserem Landkreis sollte vielleicht über eine Anpassung des Schutzstatus nachgedacht werden. Wir brauchen die Beweidung.

Es dürfte nicht leicht sein, einem Wolf zu vermitteln, dass er nur als Durchreisender geduldet ist.

Ecker-Schotte: Agieren können wir erst, wenn wir hier wirklich einen Wolf haben. Das ist aktuell nicht der Fall. Im Frühjahr wurde zwar bei Großseeham ein Wolf gesichtet, aber der ist offenbar nur durchgezogen. Dass es bei uns schon Entnahmen gegeben hätte, ist mir nicht bekannt. Aber Gerüchte gibt’s natürlich viele und vielleicht ist auch was dran. Und die Panik ist vereinzelt da. Sie ist auch verständlich, aber wir müssen jetzt ruhig und überlegt handeln und das ist in unserem Landkreis offensichtlich gut möglich, was mich wirklich freut.

Das Interview führte Christina Jachert-Maier.

Lesen Sie auch: In Großseeham wurde ein Wolf gesichtet - Almbauern sind in Angst

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