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Rund um den Tegernsee: Geht es nach Ex-BOB-Chef Heino Seeger, könnte hier eine Trambahn fahren.

Eine Vision fürs Tal?

Ex-BOB-Chef fordert Tram um den Tegernsee

  • Dirk Walter
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Tegernsee – Rundherum, das ist nicht schwer – oder doch? Der Verkehrsplaner und Ex-BOB-Chef Heino Seeger fordert eine Straßenbahn rings um den Tegernsee. Wie er auch weitere schicke Visionen hat:

Der frühere Chef der Bayerischen Oberlandbahn, Heino Seeger, könnte als Geschäftsführer der kleinen Tegernsee Bahn eine ruhige Kugel schieben. Das Miniunternehmen im Besitz der Gemeinden Tegernsee und Gmund sowie des Landkreises Miesbach kümmert sich um den Betrieb von drei Bahnhöfen und der 12,4 Kilometer langen Strecke Schaftlach-Tegernsee. Viel rührt sich da nicht. Da aber Seeger schon immer gerne über den Tellerrand blickte, wirbt er nun dafür, das Tegernseer Land bahnmäßig flott zu bekommen. Unlängst sprach er in München vor dem Fahrgastverband Pro Bahn.

Die Probleme sind bekannt: „Ganz Tegernsee klagt über die Verkehrslawine, die sich jedes Wochenende bei schönem Wetter über das Tal ergießt“, sagt Seeger. Sein Gegenrezept ist ein Tegernseer Ringschluss – von Tegernsee über Gmund, Rottach und weiter bis nach Wildbad Kreuth. Statt einer herkömmlichen Eisenbahn favorisiert Seeger die vergleichsweise platzsparende Lösung einer Straßenbahn-Linie. Notfalls ginge es sogar ohne Strom-Fahrdraht nur mit Akku-Betrieb. Platz für ein Depot in Tegernsee wäre nach Ansicht von Seeger auch. Eine Straßenbahn außerhalb einer Großstadt ist so ungewöhnlich nicht. Beispielsweise gibt es in Belgien eine Tram, die Küstenorte miteinander verbindet. Die Tegernsee Bahn solle endlich „grünes Licht“ für eine Machbarkeitsstudie bekommen, fordert Seeger. Bis jetzt haben sich die Gesellschafter zu dem wohl mehrere hunderttausend Euro teuren Gutachten jedoch nicht durchringen können.

Eine weitere Vision, die Seeger umtreibt, wäre wohl Aufgabe von Bund und Bahn: Seeger schlägt vor, die vier Städte Weilheim, Penzberg, Bad Tölz und Miesbach über ein Gleis zu verbinden. Das wäre dann ungefähr eine Parallele zur B 472 – aber auf der Schiene. Die Idee hatte der Weilheimer Landrat, der sich eine Kurzstrecke Weilheim-Penzberg wünschte – wer vom einen zum anderen Ort per Bahn will, muss momentan umständlich über Tutzing fahren. „Die Linie hätte Potenzial“, sagt Seeger. Auch hier wäre eine Machbarkeitsstudie ein erster Schritt.

Die Visionen von Heino Seeger wären ohne ein Bündel kleinerer Vorschläge nicht komplett. So schwebt ihn eine Verlängerung der Seilbahnverbindung an der Schliersbergalm bis zum Bahnhof Schliersee vor. Dann wäre das leidige Parkplatzproblem an der Alm gelöst. Seeger hält weiterhin neue Bahnhöfe in Oberlaindern, Thalham, Föching und Otterfing für erforderlich. Auch sollte die BOB-Strecke Holzkirchen-Bayrischzell elektrifiziert werden – die BOB-Züge fahren mit Diesel, müssen aber in rund zehn Jahren ersetzt werden. Dann könnte man in Kooperation mit dem Rosenheimer Meridian auf Strom umstellen.

Dazu müsste der Freistaat die Elektrifizierung der BOB-Strecken aber erst einmal für den Bundesverkehrswegeplan anmelden. Das Problem: Der Plan ist ohnehin mit geplanten Großprojekten überlastet. Intern soll das Ministerium daher abgewunken haben. Denn für eine Finanzierung ist ein konkreter Kosten-Nutzen-Vorteil, etwa eine spürbare Verkürzung der Fahrzeit, eine Voraussetzung. Das sei hier nicht erkennbar, sagen Fachleute. Doch Seeger will weiter werben. „Dass es vom Himmel fällt, hat keiner behauptet.“

Dirk Walter

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