Luxuriöse Ferienwohnung in Tegernsee.
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Luxuriöse Ferienwohnungen vermietet ein Anbieter trotz Corona-Lockdown in Tegernsee.

„Die finden doch immer ein Schlupfloch“

Trotz Lockdown: Anbieter vermietet Luxus-Ferienwohnungen am Tegernsee - und verwirrt damit

  • Veronika Mahnkopf
    vonVeronika Mahnkopf
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„Gesund durch den Lockdown“ - und das in purem Luxus am Tegernsee. Damit wirbt aktuell ein Appartementhaus. Früher nannte man das Ferienwohnung, sagen Kritiker. Recht haben sie nicht.

  • In einem Appartementhaus am Tegernsee werden im Corona-Lockdown neun Luxus-Wohnungen vermietet - trotz Beherbergungsverbot.
  • Kritiker sagen: „Früher hieß sowas Ferienwohnung.“
  • Doch der Betreiber ist im Recht: Alle Mieter wohnen dort zwar auf Zeit, aber nicht zu touristischen Zwecken.

Bad Wiessee - Es klingt perfekt: Ein Rückzugsort vor der Corona-Pandemie, die ganze Familie dabei, das Laptop fürs Homeoffice in der Tasche, vor der Tür der Wald und der Tegernsee. Und drinnen: Luxus pur. Boxspringbetten, edle Bäder, Frühstücksservice, Privatkoch, Chauffeur. Und ein Concierge, der jederzeit hilft, wenn das WLAN spinnt.

Genau das bieten die „Luxury Apartments R6 Tegernsee“ in Bad Wiessee. Unter dem Motto „Gesund durch den Lockdown“ wirbt der Betreiber mit Einsamkeit, Luxus, geringster Ansteckungsgefahr - und natürlich dem Sehnsuchtsort Tegernseer Tal. Wer 300 Euro für die Nacht (das ist das günstigste Angebot) zur Verfügung hat, ist beim vom Anbieter beschriebenen „temporären Wohnen“ am Tegernsee dabei, darf die „Zweitwohnung auf dem Land“ beziehen.

Luxus-Appartements am Tegernsee: Vermietung im Lockdown sorgt für Verwunderung

Aber Moment mal: Sind touristische Reisen nicht verboten? Gilt nicht ein Beherbergungsverbot im zweiten Lockdown der Corona-Pandemie in Deutschland? Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen. Eigentlich alles zu.

Als das Angebot in der Facebook-Gruppe „Wohnungsmarkt Tegernseer Tal und Umgebung“ auftaucht, tauchen auch genau diese Fragen auf. „Wundert mich, dass dies überhaupt vermietet werden darf“, schreibt einer. „Früher hieß sowas Ferienwohnung“, eine andere. Und: „Die finden doch immer ein Schlupfloch. Geld regiert die Welt.“

Tegernsee: Luxus-Wohnungen werden zum Homeoffice

Schaut man sich den Belegungsplan zum Beispiel für Appartement 5 an, kommt schon so ein Gefühl auf, dass es sich um stinknormale Ferienwohnungen handelt, die da angeboten werden. Über Silvester ist diese Wohnung eine Woche belegt. Wozu?Um den Jahreswechsel im Luxus-Homeoffice zu verbringen?

„Das ist alles in Ordnung so“, sagt Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Er ist quasi der Chef-Touristiker am Tegernsee. Aktuell seien geschäftliche Reisen erlaubt, ebenso solche mit medizinischem Hintergrund. Und um solche Gründe wird es sich bei den Buchenden der Luxus-Appartements auch handeln, ist er sich sicher. „Natürlich muss man sich immer den Einzelfall anschauen“, sagt Kausch. Aber nach touristischem Hintergrund sehe es für ihn in diesem Fall nicht aus.

Luxus-Wohnen am Tegernsee: Bürgermeister findet Wortwahl „ungeschickt“

Genauso sieht es auch Robert Kühn. Der Bürgermeister von Bad Wiessee geht auch davon aus, dass die Appartements beispielsweise für geschäftliche Zwecke genutzt werden. Und auch, dass es sich bei den Appartements nicht um Zweitwohnsitze handelt, für die ja eine Steuer fällig wäre. Allerdings sei das Ganze „missverständlich beworben“, sagt Kühn. Eine Wortwahl wie „Zweitwohnung auf dem Land“, mit der Möglichkeit für „Wellness und „eine Massage mit Jod-Schwefelbad in der nahegelegenen Therme“, die ja tatsächlich während des Lockdowns geöffnet hat, findet er mindestens „ungeschickt“.

Homeoffice in Luxus-Wohnung: Angebot am Tegernsee macht stutzig

Geschickt findet die Idee mit den Luxus-Wohnungen auf Zeit in der Corona-Pandemie dagegen Tobias Pezolt. Er verwaltet das Appartementhaus für den Bertreiber. Man habe eine Möglichkeit gesucht, die Wohnungen im Lockdown weiter zu vermieten. So sei der Einfall mit der Lockdown-Zweitwohnung entstanden. Man nutze dafür die drei Ausnahmen, die eine Beherbergung ermöglichen: gesundheitliche Gründe (ein Gast ist beispielsweise Patient in einer nahen Klinik) oder berufliche Gründe. Und wenn jemand zum Beispiel Verwandte besucht. „Wir hatten eine Frau als Gast, die ihre Eltern am Tegernsee besucht hat und in der Zeit bei uns gewohnt hat.“ Rechtlich ist das kein Problem.

Und man habe zum Beispiel reisende Vertreter - zuletzt für Luxusgegenstände wie Uhren und Schmuck - , die in den Appartements residieren. Und auch Manager, die ihr Homeoffice an den Tegernsee verlegen und dann gleich auch die Nächte dort verbringen. „Wir haben dafür extra beim Gesundheitsamt nachgefragt, ob es ein Problem ist, wenn jemand aus dem Hotspot München sein Homeoffice hier macht.“ Kein Problem, habe es geheißen.

Am Tegernsee kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten wegen des Ausflugsverkehrs und der Urlauber in der Corona-Pandemie - manchmal eskaliert die Situation auch. Lange Staus und Verkehrschaos sind in der Corona-Pandemie im Tegernseer Tal die Regel.

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