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Bei der Gründungsversammlung war der Saal voll besetzt. Lars Hülsmann (stehend) referierte.

Bürger formieren sich

Gegen Umgehung - und doch für Entlastung 

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Waakirchen - Die Waakirchner Bürgerbewegung hat den Nerv getroffen. Die klare Botschaft: Waakirchen braucht keine Umfahrung. Waakirchen braucht die Holzkirchner Südspange.

Zur Gründung der Bürgerbewegung Entlastung der B 472 war der Saal im Waakirchner Pfarrheim voll, es gab viel Applaus. Die klare Botschaft: Waakirchen braucht keine Umfahrung. Waakirchen braucht die Holzkirchner Südspange und den dortigen Ausbau des Autobahnzubringers.

„Wir kommen spät aus der Deckung. Aber wir kommen“, meinte Lars Hülsmann. Gemeinsam mit acht weiteren Mitstreitern – Verena Weihbrecht, Gabi Königbauer, Sonja Rauscher, Xaver März, Hubert Hinterholzer, Georg Obermüller, Daniel Kasper und Werner Thamm – hat Hülsmann die „Bürgerbewegung Entlastung der B472“ ins Leben gerufen. Bei der bestens besuchten Gründungsversammlung im Pfarrheim trugen sich 53 Besucher als neue Mitglieder ein. Gekommen waren auch Bürgermeister Sepp Hartl (FWG), viele Gemeinderäte und Vertreter der Gruppierung, die sich bisher des Themas Verkehr angenommen hat: der Bürgerinitiative Verkehr. Deren Engagement ist es zu verdanken, dass die Waakirchner Ortsumfahrung im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans (BVWP) die höchste Priorität bekommen hat. Den offiziellen Antrag hat die Gemeinde Waakirchen gestellt. Dass das ein Segen ist, sagte gestern niemand. 

Für Hülsmann und seine Mitstreiter ist klar: Sowohl eine Umfahrung im Süden als auch eine im Norden würde die Situation für Waakirchen noch viel schlimmer machen. Dass es ein Verkehrsproblem in Waakirchen gibt, steht auch für die Bürgerbewegung außer Frage. Die B472 sei zur Ersatz-Autobahn geworden, erklärte Hülsmann. Und zwar eine wenig effiziente. Denn eigentlich hätte der Schwerlastverkehr zwischen München und Bad Tölz eine kürzere Strecke, würde er über die B 13 rollen. „Wir haben hier viel Verkehr, der nicht zu uns gehört“, machte Hülsmann deutlich. Mit vielen Zahlen untermauerte er, was Waakirchen in den Augen der Bürgerbewegung helfen würde: Der Bau der Holzkirchner Südspange, die in Holzkirchen allerdings sehr umstritten ist, und der Ausbau der B318 vor der Autobahn-Anschlussstelle Holzkirchen. Vor allem brauche es ein landkreisübergreifendes Verkehrskonzept, erklärte Hülsmann. 

„So etwas haben wir bis jetzt ja nicht.“ Im Fokus sollen die Verkehrsströme zwischen Bad Tölz, Holzkirchen und Miesbach sowie die Zufahrten zur Autobahn stehen. Zusätzlich fordert die Bürgerbewegung Maßnahmen, um die B 472 zumindest sicherer zu machen. Dazu zählen eine Temporeduzierung und der Einbau intelligenter Bodenschwellen. Auch Flüsterasphalt könnte helfen. Richtig schlimm wäre die Lage nach Meinung der Initiative, wenn die Holzkirchner Südspange nicht gebaut wird, die Waakirchner Umfahrung aber schon. Bis zu 4000 Fahrzeuge pro Tag könnte die neue Straße nach Waakirchen ziehen, meinte Hülsmann. 

Er forderte alle Waakirchner vor, im Rahmen der Bürgerbeteiligung, die noch bis zum 2. Mai läuft, eine Stellungnahme abzugeben. Und zwar nicht nur gegen die Ortsumfahrung Waakirchen, sondern auch für die Holzkirchner Südspange und den Ausbau des Holzkirchner Autobahnzubringers. Je mehr Argumente gegen die Waakirchner Umfahrung, desto besser. Schließlich, so Hülsmann, fallen von den 1840 Projekten, die im BVWP-Entwurf als vordringlich eingestuft sind, viele aus finanziellen Gründen wieder heraus. Hülsmanns pointierter Vortrag kam gut an. „Großes Kompliment“, meinte Bürgermeister Hartl. Dass Bürger sich der Sache annehmen, entspreche ganz dem Wunsch der Gemeinde. 

Für eine Umgehung plädierten nicht einmal die Vertreter der Bürgerinitiative Verkehr. Sie hatten auch zuvor nie eine Trasse vorgeschlagen, sondern sich darauf beschränkt, eine Entlastung vom Verkehr zu fordern. Die im BVWP enthaltene Südtrasse hat das Staatliche Bauamt Rosenheim eingereicht. Aber eine Entlastung brauche es unbedingt, erklärte Anton Doll von der Bürgerinitiative. Hülsmanns Angebot zur Zusammenarbeit nahm er an: „Wir müssen hier in Waakirchen alle Kräfte bündeln.“

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