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Zwei Männer, zwei Meinungen: Christian Stückl (l.) und Gerhard Polt erläuterten bei einer Matinee ihre Sicht auf Ludwig Thoma.

Matinée zum Thoma-Geburtstag

Gerhard Polt: „Ich finde das Werk wichtig“

Rottach-Egern - Er war ein unbequemer Dichter in mehrerlei Hinsicht. Mit Ludwig Thoma und seiner Rezeption befassten sich drei bekannte Gesichter: Gerhard Polt, Christian Stückl und Hansi Kraus.

Das wissenschaftliche Kolloquium „Enfant Terrible und Bayerndichter“ anlässlich des 150. Geburtstags von Ludwig Thoma in Tegernsee (wir berichteten) fand nun seinen Abschluss im anfänglich voll besetzten Seeforum. Die Gäste erläuterten ihre Beziehung zu Ludwig Thoma, musikalisch begleitet von Steffi Baier (Geige), Roland Metzner (Gitarre) und Sepp Hornsteiner (Kontragitarre). Sie spielten, abgesehen von der Schoßgeige, in derselben Besetzung und auch jene Stücke wie einst das Trio Holl-Reiter-Kiem – die der Wahl-Tegernseer Thoma so schätzte. 

Der Oberammergauer Theaterintendant und Regisseur Christian Stückl machte sehr unterhaltsam deutlich, dass Thoma, „der Heimatdichter, der dem deutschen Volk und dem bayerischen Vaterland“ geschenkt worden sei, ihn seit seiner Kindheit begleite. Auch Thoma kam in Oberammergau auf die Welt. „Thoma war schon früh ein Konservativer, ein Verfechter der Tradition“, so Stückl. „Seine Stücke stehen so in ihrer Zeit, dass man heute keines mehr aufführen kann. Man kann sie nicht in die heutige Zeit bringen“, findet er. Einzige Ausnahme sei die „Magdalena“, aber auch der hätte man bei der Inszenierung einen modernen Dreh gegeben.

„Unerbittlich suchen sich die Preise ihre Träger“, kommentierte Kabarettist, Autor und Schauspieler Gerhard Polt aus Neuhaus die Verleihung der Thoma-Medaille, die er 1981 erhielt. Er sei erschüttert gewesen, als 1989 bekannt wurde, dass Thoma der Autor jener antisemitischen Hetz-Artikel im Miesbacher Anzeiger war. Mit dem Journalisten Herbert Riehl-Heyse, ebenfalls Thoma-Medaillen-Träger, habe er sich 1989 beraten. Während Riehl-Heyse seine Medaille zurückgab, behielt Polt sie. „Thoma hat in Deutschland einen literarischen Meilenstein hinterlassen: Er hat die Bauern als Menschen, als Individuen und Persönlichkeiten dargestellt. Sie bekamen durch ihn eine Gestalt“, würdigte Polt den Bayerndichter. „Ich finde das Werk wichtig. Das Private interessiert nicht. Man sollte seiner Vita, seinen Frauengeschichten und Freundschaften, die zwar interessant sind, nicht so viel Beachtung schenken“, findet Polt. Wenn man Wagner als Antisemit sehe, was würde das aus dem „Thannhäuser“ machen? „Bei vielen Menschen lassen sich Werk und Vita nicht vereinen.“ 

Auch Schauspieler Hansi Kraus, der den Verfilmungen von Thomas „Lausbubengeschichten“ ein Gesicht gab, stellte das Werk des Autors in den Mittelpunkt. Unkommentiert, aber sehr vergnüglich las Kraus aus einigen von Thomas Werken, während sich Schauspielerin Laura Maire vor allem Thomas Liebesbriefen an Maidi von Liebermann widmete. Wahre Thoma-Fans waren fasziniert. Der literarische Hunger anderer war schneller gestillt: Sie verließen die Matinee, die drei Stunden dauerte, schon früher.

Alexandra Korimorth

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