Jubiläum im Blick: Schriftführerin Priska Büttel und Vize-Vorsitzender Peter Rummel sowie die Gmunder Heimatfreunde freuen sich auf den Aktionstag. Die Obermayer-Ausstellung wurde pünktlich erweitert.
+
Jubiläum im Blick: Schriftführerin Priska Büttel und Vize-Vorsitzender Peter Rummel sowie die Gmunder Heimatfreunde freuen sich auf den Aktionstag. Die Obermayer-Ausstellung wurde pünktlich erweitert.

Ausstellung zum Leben des Vaters der Fleckviehzucht

200. Geburtstag von Max Obermayer: Heimatfreunde laden zu Aktionstag

  • VonKatrin Hager
    schließen

Er war Viehhändler, Tafern- und Almwirt – und er begründete die Miesbacher Fleckviehzucht: Am Freitag vor 200 Jahren wurde Max Obermayer geboren. Das Heimatmuseum im Gmunder Jagerhaus widmet ihm einen Aktionstag mit sonst nie gezeigten Exponaten.

Gmund – Schon in jungen Jahren hatte Max Obermayer kühne Ideen, Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen. Noch keine 16 war er, als er 1837, fünf Jahre nach dem Tod seines Vaters, seinen väterlichen Freund Johann Fischbacher überzeugte, am 25. August von daheim in Gmund am Tegernsee in die Schweiz auszuziehen, um von dort zu Fuß stattliches Simmentaler Fleckvieh heimzutreiben und ins weniger leistungsstarke heimische braune Vieh einzukreuzen. Damit hat Obermayer die Zucht des Oberbayerischen Alpenfleckviehs begründet – eine Erfolgsgeschichte, die fortdauert. Am 3. September 1821, am Freitag vor genau 200 Jahren, wurde der Vater der Fleckviehzucht geboren. Das Heimatmuseum im Gmunder Jagerhaus begeht das Jubiläum mit einem Aktionstag.

Erst eineinhalb Jahre ist es her, als eine Ururenkelin Obermayers es möglich machte, im Jagerhaus eine Ausstellung mit originalen Exponaten des legendären Viehhändlers einzurichten. Sie überließ dem Museum vier Kuhglocken, die ihr Vorfahr 1837 bei seiner ersten Reise in die Schweiz für den Viehtrieb zurück nach Gmund gekauft hatte. Eine ganze Reihe weiterer Erinnerungsstücke zeichnet seither das Leben des Viehhändlers nach, der auch Tafernwirt des Gmunder Gasthofs Herzog Maximilian war, wo Bauern ebenso verkehrten wie adlige Sommerfrischler. Pünktlich zum runden Geburtstag Obermayers haben die Heimatfreunde Gmund die Ausstellung mit Bildern und Gegenständen erweitert und ergänzt. Neu ist auch eine Schautafel, berichtet Priska Büttel, Schriftführerin der Heimatfreunde Gmund.

Landkarte mit den Routen Obermayers ist am Aktionstag zu sehen

Die Tafel macht nachvollziehbar, was zwar im Besitz des Museums ist, aber aus raumklimatischen Gründen nicht in der Ausstellung zu sehen ist. „Wir haben nicht die richtige Beleuchtung und keine speziellen Vitrinen“, erklärt Büttel, „wir können die Dokumente deshalb nicht im Original ausstellen.“ Normalerweise. Denn am Freitag wird eine einmalige Ausnahme gemacht: An diesem Tag ist etwa der Kaufvertrag zu sehen, mit dem Obermayers Vater den Gasthof Herzog Maximilian in Gmund kaufte. Und die Landkarte, auf der Max Obermayer seine Routen in die Schweiz und zurück einzeichnete. „Eine Sensation“, erklärt Büttel, die sich schon lange mit dem Leben Obermayers befasst. Aber: „Sie ist ziemlich zerfleddert.“ Kein Wunder, denn sie muss einiges mitgemacht haben.

Die Reise 1837 war die erste. Der Viehtrieb aus der Schweiz zurück an den Tegernsee erfolgte zu Fuß. Damit das Vieh den langen Marsch aus dem Berner Oberland ins hiesige Oberland überstand, wurde es in Langenthal mit Eisen beschlagen. Trotz der Beschwernisse blieb die Reise aber bei Weitem nicht die einzige. Obermayer holte im Laufe seines Lebens – er starb 1898 – mehr als 50 Mal Tiere aus der Schweiz, oftmals auch Pferde. Dass Simmentaler Vieh in die Region nördlich der Alpen geholt wurde, war schon vor 1837 immer mal wieder vorgekommen, es blieb aber bei Einzelaktionen. Erst Obermayers Beharrlichkeit bei regelmäßigen Viehtrieben und seine geschäftlichen Beziehungen zum Gut Kaltenbrunn als landwirtschaftlichem Musterbetrieb, wo auch gezüchtet wurde, begründeten die neue Rinderrasse, die sich schnell großer Beliebtheit erfreute.

Der Viehtreiber belieferte sogar den Zaren

Bis Böhmen, Kärnten und Norddeutschland handelte Obermayer das Vieh. Selbst die russischen Zaren Alexander II. und Nikolaus I. belieferte der Gmunder: Zweimal trieb er Vieh nach St. Petersburg. Sogar im Winter und mangels Bahnverbindungen wieder zu Fuß. „Man kann sich das heute kaum vorstellen“, sagt Büttel. Dass man es nachvollziehen kann, ist ein Verdienst einer Tochter Obermayers: 1904 schrieb Therese Kray ein Bücherl über das Leben ihres Vaters. „Wir verdanken ihr wesentliche Einblicke in sein Leben“, berichtet Büttel.

Obermayer zählte auch zu den bedeutendsten Almwirten der Gegend. „An die 20 Almen und Hofstellen waren in seinem Besitz“, berichtet Büttel, aber vieles sei nicht genau belegt: „Hier wurde gekauft, da getauscht.“ Wie auf dem Viehmarkt, ist man fast versucht zu glauben.

Auch für kleine Besucher wird am Jagerhaus was geboten

Der Aktionstag im Jagerhaus zum 200. Geburtstag von Max Obermayer findet am Freitag, 3. September 2021, von 14 bis 17 Uhr statt. Neben der erweiterten Ausstellung zum Leben Max Obermayers sind ausnahmsweise für den einen Tag einige Dokumente im Original zu sehen. Für die kleinen Besucher wird eine Kuhattrappe am Jagerhaus aufgestellt, an der sie das Melken selbst versuchen können. Für die Mühen gibt es eine kleine Belohnung. Die aktuellen Hygienevorschriften inklusive 3G sind zu beachten.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen.

ag

Das Landkreiswetter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare