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Hat seine Fischzucht Louisenthal geschlossen: Alfred Lick aus Gmund.

Warum der Ex-Polizist nach 16 Jahren Betrieb schließt

Das tragische Ende der Fischzucht Louisenthal

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Die Fischzucht war der Lebensinhalt des Wiesseer Ex-Polizisten Alfred Lick, der 1989 von einem Einbrecher niedergeschossen wurde. Doch jetzt ist Schluss. Dabei hätte Licks Tochter gerne weitergemacht.

Gmund „Geschlossen“, steht auf einem Zettel am Eingang. Und: „Wir bedanken uns bei allen Kunden und Partnern für die jahrelange Treue“. Darunter der Hinweis auf geräucherte Forellen und Saiblinge – zugeklebt mit einem roten Klebeband. Alfred Lick (76) sperrt den Metallzaun zu dem etwa 2000 Quadratmeter großen Gelände in Louisenthal an der Mangfall auf. Das Grundstück ist eingerahmt von einem bewaldeten Hang auf der einen und dem Firmengelände der Papierfabrik auf der anderen Seite. Frisches Quellwasser, das durch Rohre den Hang hinab fließt, speist die Becken. 16 Jahre hat Lick hier verbracht, tagaus, tagein. Fünf Tonnen Fisch schwammen hier in den zehn Becken – Regenbogen- und Lachsforellen, Saiblinge und sogar Aale. Sie wurden frisch und geräuchert verkauft, an private Kunden ebenso wie an Gastronomen. 

Seit 1. Juni ist Schluss. In den betonierten Becken sind nur noch vertrocknete Reste zu sehen, die Folien haben Löcher. Spinnweben überziehen die Holzbalken der Hütten, modriger Geruch macht sich breit. 

Der Verkaufsraum der Fischzucht.

Im Verkaufshaus ist alles noch wie immer: die Theke mit der Waage, die Edelstahl-Spülbecken, ein Kühlschrank, Behälter mit Räuchergewürzen von Dill bis Wacholder. Nebenan der Schlachtraum, ein Räucherofen, ein Notstromaggregat, das Nötigste an Geschirr, um sich tagsüber verpflegen zu können.

„Alles kommt weg“, sagt Lick und deutet auf das Aufzuchthaus, das nur noch als Gerippe dasteht. „Ich hab’s verkauft, jetzt wird es zerlegt.“ Möglichst alles soll zu Geld gemacht werden, die Dachziegel sind auch schon weg. „Ich hab’ mindestens 250.000 Euro investiert“, sagt Lick. Die Verbitterung über das Ende ist dem hageren Gmunder deutlich anzusehen. Nach 16 Jahren ist der Pachtvertrag zum 31. Juni ausgelaufen. Vor zwei Monaten hatte Lick daher mit dem Ausverkauf begonnen.

Mit 50 Mark fing alles an

Das Gelände gehört dem Gmunder Carl Pfannenberg, dessen Familie einst Mitbegründerin der Büttenpapierfabrik Gmund war. 2001 hat er es an Lick verpachtet, anfangs für 50 Mark. Dann stieg diese Summe auf zuletzt 500 Euro monatlich. Als Lick vor über zwei Jahren den Betrieb seiner Tochter Nina (28) übertrug, wollte die einen neuen Vertrag, in dem die Erhöhung der Pacht begrenzt sein sollte. „Herrn Pfannenberg ließ sich nicht darauf ein“, berichtet Lick. Vor einem Jahr, an einem Juni-Sonntag, sei dann ein Interessent am Zaun gestanden, erinnert sich Lick. „Die dachten, ich überlasse die Fischzucht einfach einem anderen, aber da hab’ ich nicht mitgemacht.“ Inzwischen verhandeln die Anwälte beider Parteien, wer was bis wann zu tun oder zu lassen hat. Für Lick steht fest, dass er alles abreißen und das Gelände wieder in seinen Urzustand versetzen wird.

Davon geht auch Carl Pfannenberg aus. „Bis 31. Juni ist Zeit dafür“, sagt der Besitzer auf Nachfrage. Die laufende Erhöhung der Pacht begründet Pfannenberg mit dem gestiegenen Stromverbrauch. Die Kosten dafür seien in der Pacht enthalten gewesen und hätten 90 Prozent der Pacht ausgemacht. Dass es keine Zukunft gibt für seine Fischzucht, liegt Lick arg im Magen. Dabei hätten seine Tochter und ihr Mann das Geschäft übernommen. „Ich selbst hab’ keine Kraft mehr für die schwere Arbeit.“

Als Polizist niedergeschossen

Dabei war die Fischzucht anfangs Therapie gegen sein tägliches Leiden, das ihn seit eines Einsatzes als Polizist plagte. Es war der 21. Mai 1989, der sein Leben veränderte: Um 3 Uhr nachts stellte Lick damals einen Einbrecher in Finsterwald und wurde niedergeschossen. Seine Eingeweide wurden zerfetzt, ein Projektil bohrte sich in die Nervenstränge des Rückgrats. Edmund Stoiber, damals Vize-Chef der CSU, spendete medienwirksam Trost am Krankenbett, doch in Folge musste Lick um Schmerzensgeld, Pension und Versorgungsausgleich kämpfen. Ausgerechnet von ihm verlangten die Ämter Beweise einer chronischen Krankheit.

4000 Fische trieben leblos im Becken

Eine Tätigkeit als Lektor lenkte den gelernten Schriftsetzer, der erst in den 1970er-Jahren Polizist geworden war, von seinen seelischen und physischen Leiden ab. Dann bot sich dem passionierten Angler die Möglichkeit, vier Fischteiche in Louisenthal zu pachten. Im August 2004 passierte das nächste Unglück: 4000 Fische trieben eines Morgens leblos in den Becken. Lick glaubte an eine Gift-Attacke, die Polizei ermittelte. Es stellte sich heraus, dass ein ungewöhnliches Wetter-Phänomen zu dem Fischsterben geführt hatte.

Jetzt ist auch der Lebensabschnitt Fischzucht beendet. Wie der Streit mit dem Besitzer ausgeht, ist ungewiss. Der Rückbau ist aufwändig und teuer. „Sicher ist“, sagt Lick mit einer gehörigen Portion Sarkasmus im Tonfall, „dass ich das Unglück offenbar mächtig anzieh’“.

gr

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