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Als Spüler arbeitet Anthony Michael Godsent in der Kaltenbrunner Küche.

Serie: Asylbewerber in Arbeit

Anthiny Godsent ist Tellerwäscher auf Gut Kaltenbrunn

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Sie arbeiten als Spüler, helfen in der Küche, schrubben Böden: Gut Kaltenbrunn beschäftigt zwölf Asylbewerber. Einer von ihnen ist Anthony Michael Godsent (22) aus Nigeria. Er hat große Träume.

Gmund – Seit Juli 2015 schon arbeiten Flüchtlinge auf Gut Kaltenbrunn. Dass die in Gmund untergebrachten Asylbewerber ihre Tage nicht nur mit Warten verbringen, sondern eine Beschäftigung haben, ist vor allem auch dem Engagement des örtlichen Helferkreises zu verdanken. „Es läuft bestens“, findet Fritz Wax, der sich im Helferkreis besonders um den Bereich Arbeit kümmert. Zum Glück, so Wax, seien viele Unternehmen in der Region bereit, Asylbewerbern eine Beschäftigung zu geben, trotz der hohen bürokratischen Hürden. „Und Kaltenbrunn ist unser größter Arbeitgeber.“

Der Betrieb von Michael Käfer arbeite eng mit dem Helferkreis zusammen, berichtet Hannah Mergner, Assistentin der Geschäftsleitung. Eigentlich passt ja auch alles bestens zusammen. Wie alle gastronomischen Betriebe sucht Kaltenbrunn ständig nach Arbeitskräften. Und die jungen Männer, geflüchtet aus Krisenländern, suchen Jobs, eine Zukunft.

So wie der 22-Jährige aus Nigeria, der den Namen Anthony Michael Godsent führt. Seit zwei Jahren ist er in Deutschland, seit September 2016 arbeitet er in der Kaltenbrunner Küche. Nach seiner Ankunft hat er einen Deutschkurs belegt, ein Zertifikat bekommen. Sein Deutsch ist passabel, sein Zukunftsplan definiert. „Ich will Krankenpfleger werden“, sagt Anthony. Krankenpfleger werden gebraucht. Und Anthony will bleiben. Er wartet noch auf die Entscheidung über seinen Asylantrag.

Das gilt auch für seine Kollegen. Die Stimmung ist angespannt, die Angst vor der Abschiebung präsent.

Mit der Arbeit der Geflüchteten ist man in Kaltenbrunn „im Großen und Ganzen sehr zufrieden“, meint Mergner. Nicht alles lief immer reibungslos. Acht Stunden Arbeit und an den Wochenenden frei – das war den jungen Afrikanern anfangs fremd. „Sie wären lieber jeden Tag gekommen, aber dafür kürzer“, berichtet Mergner. Pünktlichkeit war ein Problem, das Engagement wechselnd. Es braucht viele Erklärungen, was anstrengend sein kann. Aber insgesamt, findet Mergner, läuft es gut.

Wirklich mühsam für den Betrieb ist das ständige Ringen um Arbeitsgenehmigungen. „Das ist viel aufwendiger als bei einem deutschen Arbeitnehmer“, schildert Mergner. Immer wieder seien für dieselbe Kraft neue Anträge auszufüllen, immer wieder müsse der Arbeitgeber nachhaken, erklärt Mergner: „Asylbewerber zu beschäftigen, wird uns nicht leicht gemacht.“

Zur Serie

In dieser Woche stellen wir Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge und ihre Tätigkeit vor. Als erstes hatten wir einen Apotheker-Helfer aus Syrien, der jetzt Bayrisch lernt. Aber so gut läuft es längst nicht bei allen. Im nächsten Teil kommen wir zur negativen Seite. 

jm

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