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Auf Tuchfühlung mit dem Fuchs: Katzenfutter und Lebensmittelreste locken Wildtiere an

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Von: Alexandra Korimorth

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Wilder Besuch im Garten: Ein Fuchs schaute immer wieder im Garten einer Moosrainer Familie vorbei und ließ sich sogar fotografieren.
Wilder Besuch im Garten: Ein Fuchs schaute immer wieder im Garten einer Moosrainer Familie vorbei und ließ sich sogar fotografieren. © Privat

„Der Fuchs geht um, der Fuchs geht um. Es geht ein wildes Tier herum…“, so heißt es in einem alten Kinderlied. Und ja, in vielen Orten, beispielsweise in Moosrain, gehen Füchse um. Nur wild sind sie nicht, sondern ziemlich zutraulich.

Gmund - Die Moosrainer Exemplare von Vulpes Vulpes sind seit Mai am liebsten tagsüber in den Gärten zwischen Wald und Bahnhalt unterwegs.Sie nähern sich Menschen bei der Gartenarbeit bis auf etwa zwei Meter, laufen ungehemmt über Terrassen, betreiben dort entspannt Fellpflege und bedienen sich gerne an Kinderschuhen, die vergessen rumstehen.

Eltern und Großeltern von Kindern im Krabbelalter und auch Besitzern kleiner Haustieren macht das Angst. Schließlich gilt der Fuchs als Raubtier. Ist er auch. Veronika Koch, Anbieterin der Finsterwalder Freilandeier, verliert pro Jahr rund 70 Hühner an den Fuchs, das sind fünf Prozent ihres Bestands im Moosrainer Freilaufgehege.

Der Fuchs ist ein Kulturfolger

„Der Fuchs ist ein typischer Kulturfolger des Menschen“, sagt Antonie Kozemko, die auch für Moosrain zuständige Jagdaufseherin. Füchse seien sehr intelligent und anpassungsfähig. Immer mehr von ihnen ziehe es in Siedlungen, Dörfern und Städte: „Sie finden hier alles, was sie zum Leben und für die Aufzucht ihrer Jungen brauchen.“

Denn viele Leute ließen leider Katzenfutter oder auch Igelfutter auf ihren Terrassen stehen oder werfen Lebensmittelabfälle auf den Kompost. „Das hat der schlaue Fuchs schnell als Nahrungsquelle heraus und kommt dann immer öfter vorbei“, berichtet Kozemko. „Normal“ sei es nicht, dass Füchse tagsüber und völlig ungeniert durch die Gärten spazieren, aber mittlerweile alltäglich.

Laut neuen Studien von Wildbiologen (Konstantin Börner, Humboldt-Universität) sind es die besonders schlauen und neugierigen Füchse, die sich die neuen Lebensräume erschließen, inklusive oberirdischen Bauten auf Garagendächern oder sogar Bäumen.

Abschreckung mit der Wasserspritze

Möchte man die Tiere vertreiben, rät Kozemko dazu, den Fuchs im Garten mal so richtig zu erschrecken, anzuschreien oder mit einer Wasserspritze anzuspritzen. Denn Jäger können nichts unternehmen: In Siedlungen und Wohngebieten dürfen grundsätzlich keine Tiere geschossen werden, auch keine Füchse. Erst recht nicht, wenn sie völlig gesund aussehen. Und auf keinen Fall, wenn es sich um Füchsinnen in der Brut- und Setzzeit handelt. Diese ist zwischen März und Ende Juli. In dieser Zeit – und weil man die Geschlechter auf Distanz in der freien Wildbahn nicht unterscheiden kann – gibt es so etwas wie eine Schonzeit für Füchse. Aber an und für sich dürfen Füchse – außerhalb von Ortschaften – per Bundesjagdgesetz jederzeit geschossen werden.

Füchsin kommt regelmäßig zu Besuch

Bei einer Moosrainer Familie schaute eine sehr ansehnliche und offenbar tragende Füchsin regelmäßig vorbei, was diese aber kein bisschen störte. Im Gegenteil. Die Füchsin stand sogar mal in der Küche und inspizierte den Kachelofen. Sie ergriff aber die Flucht, als die Hauskatze ihr Revier und ihr Futter verteidigte. „Der Fuchs war keine Bedrohung. Wir finden, dass man Wildtiere tolerieren muss, wenn man so nah am Wald wohnt wie wir“, sagt der Familienvater. Es sei vielmehr ein nettes Erlebnis gewesen, ein Tier so unmittelbar kennenzulernen. „Auch für unsere Kinder war das interessant“, meint der Moosrainer. Man praktiziere eine friedliche Nachbarschaft.

Bei seinem letzten Besuch hat sich das Tier sogar fotografieren lassen. Seither ward es nicht mehr gesehen. Die Familie vermutet, dass die Füchsin wohl doch erschossen wurde oder Opfer des Straßenverkehrs wurde.

„Falsch verstandene Tierliebe“

Für Jagdaufseherin Kozemko ist es „falsch verstandene Tierliebe“, wenn man die Wildtiere bewusst anfüttert. „Ihre Zutraulichkeit und Neugier wird ihnen so nicht selten zum Verhängnis“, bedauert sie. Am besten schützte man die Tiere und sich selbst, indem man die Füchse nicht nur nicht anfüttere, sondern auch Küchenabfälle im Kompost vermeide und die offenbar schmackhaften Schuhe von der Terrasse räume.

Kampagne zum Schutz der Wildtiere

Diese Tipps unterstreicht Landratsamtssprecherin Sophie Stadler: „Grundsätzlich geht von einem Fuchs keine pauschale Gefahr aus. Füchse sind grundsätzlich wenig aggressiv und Krankheiten wie Tollwut gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr.“ Aber wie bei jedem Wildtier seien ein gesunder Respekt und Abstand ratsam. Wie bereits in den vergangenen Sommerferien startet das Landratsamt auch dieses Jahr wieder eine Wildtierschutz-Kampagne für Kinder, um auf ein friedliches Zusammenleben zwischen Wildtieren und Menschen hinzuwirken.

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