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Buschige Augenbrauen, Samt-Schleife, fröhliches Gemüt: So wartet der Bader Babl tagaus tagein auf seine Stammkunden.

Die Geschichte eines Friseurmeisters

Warum der Bader Babl auch mit 85 nicht aufhören will

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Gmund - Spitzbübisches Grinsen, Samt-Schleiferl um den Hals: Das sind die Markenzeichen von Konrad Babl. Am Sonntag wird der Friseurmeister aus Gmund 85 - ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Wer den kleinen Friseursalon in der Wiesseer Straße in Gmund betritt, den verschlägt es in eine andere Zeit: kein schickes Design, kein zarter Duft von Haarspray, keine Spur von Wellness-Feeling. Das Inventar beim Bader Babl hat viele Jahrzehnte auf dem Buckel – so wie der Meister selbst.

Warum auch etwas ändern?, fragt der bald 85-Jährige. Die beiden schon mehrfach mit Klebeband reparierten Kundenstühle – die sind noch pfenningguad. „Die Leute wollen einen anständigen Haarschnitt, keine Show“, weiß Konrad Babl, der schon 68 Jahre lang in seinem Beruf arbeitet, seit 50 Jahren im eigenen Laden in Gmund.

Jeden Tag pendelt der Bader mit dem Auto von München an den Tegernsee. Dabei hat er auch eine Wohnung in Gmund. Aber da ist dem Friseurmeister zu wenig geboten: „In Gmund kriegst nicht einmal eine Wurstsemmel“, stellt er lakonisch fest. Aber warum tut er sich die Arbeit in seinem Alter überhaupt noch an? Die Antwort ist so einfach wie einleuchtend: Weil’s ihm Freude macht. „Das ist schöner wie jeder Stammtisch.“

Tagtäglich sitzt der Babl Konrad ist seinem Salon vor dem großen Spiegel mit den Erinnerungsstücken und wartet auf seine Stammkunden. Die kennt er zum Teil schon aus der Lehrzeit. Der älteste Kunde ist 96 – jeden Samstag lässt er sich vom Meister persönlich rasieren. Im Zimmer nebenan kümmern sich zwei Mitarbeiterinnen auch ums weibliche Klientel, „damit ich Zeit für meine Männer habe“, sagt Babl und setzt sein spitzbübisches Grinsen auf.

Zeit. Davon hat der Friseurmeister reichlich. Oder besser: Er nimmt sie sich. „Du musst jeden Tag bewusst leben, sonst bleibst Du auf der Strecke.“ Terminvereinbarungen gibt es in dem Gmunder Friseurgeschäft nicht. Wer kommt, wird frisiert, muss ein bisserl warten oder eben wieder gehen. „Meine Leute sind tolerant“, erzählt der Senior mit den buschigen grauen Augenbrauen. Und wie zum Beweis nimmt soeben ein Kunde auf einem der beiden Stühle Platz und lässt sich geduldig das Haar stutzen, während Babl immer wieder unterbricht, um unserer Zeitung seine Anekdoten zu erzählen.

Eindrücke aus dem Jahrhundert-Salon

Und davon gibt es jede Menge. Viele bekannte Persönlichkeiten – darunter Politiker, Akademiker und Geschäftsleute aus dem Tegernseer Tal und weit darüber hinaus – haben sich schon unter Babls Fittiche begeben. Davon zeugen die unzähligen Andenken, die den Gmunder Salon bis in den hintersten Winkel schmücken. Postkarten, Familienfotos, Porträts von Ludwig II., Gamskrickerl – ein bisserl ähnelt der Friseurladen einem verstaubten Heimatmuseum. Mittendrin: ein Mann, der in seinem Beruf ganz offensichtlich seine Berufung gefunden hat.

Gut verdient habe er als Friseur noch nie, meint der Babl Konrad nachdenklich. Dafür sei er dank seiner Kunden immer voll im Leben gestanden. Wer sonst erfährt schon in wenigen Minuten von den neuesten Erbstreitigkeiten der örtlichen Bauern?

Freilich könnte Babl, der sogar Franz Josef Strauß und Ludwig Erhard persönlich kannte, längst auch gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau den Ruhestand im geliebten München genießen. „Aber die ist froh, wenn ich aus dem Haus bin“, meint der Friseurmeister und grinst. Seinen morgigen Geburtstag wird der Bader Babl – wie es seinem Naturell entspricht – ganz unspektakulär begehen. Bei einem Essen im Augustiner in München. Dort, wo der Friseurmeister sein Leben lang schon am Stammtisch sitzt.

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