Wie ein Parkdeck am Gmunder Bahnhof aussehen könnte, hat das Ingenieurbüro Schütz in einer Animation dargestellt.
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Wie ein Parkdeck am Gmunder Bahnhof aussehen könnte, hat das Ingenieurbüro Schütz in einer Animation dargestellt.

Auch Tiefgarage untersucht

Bahnhofsareal Gmund: Parkdeck hat die Nase vorn

Tiefgarage oder Parkdeck am Bahnhof? Diese Frage beschäftigte den Gmunder Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Der endgültige Beschluss soll in vier Wochen fallen.

Gmund – Die Neugestaltung des Gmunder Bahnhofsareals ist beschlossene Sache. Das Bahnhofsgebäude bleibt erhalten, im Anschluss daran soll auf der Südwestseite ein Busbahnhof (ZOB) entstehen. Doch wie soll die Parksituation für Autofahrer künftig aussehen? Zu diesem Punkt hatte die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen, die in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorgestellt wurde.

Bahnhofsareal Gmund: Parkdeck hat die Nase vorn 

Karl Schütz vom gleichnamigen Planungsbüro in Kempten stellte die Varianten Parkdeck und Tiefgarage unter den Aspekten Finanzen, Ortsbild und Mobilität gegenüber. Eine Tiefgarage mit zwei Ebenen würde Platz für 53 Autos bieten. Die Zufahrt würde auf der Südwestseite des Areals bei den bestehenden Gemeindehäusern liegen, auf der Nordostseite (Richtung ZOB) wäre ein Aufzug mit Abgang vorgesehen. Im unteren Geschoss würden durch zusätzliche fünf Parkplätze unter der Abfahrtsrampe 29 Autos Platz finden. Auch Ladestationen für E-Autos sieht der Plan vor.

Der derzeitige P+R-Parkplatz soll baulich überplant werden. Für eine Tiefgarage zeichnet sich im Gemeinderat derzeit keine Mehrheit ab. Die Bürger können sich aber noch einbringen.

Diese Option hätte einen klaren optischen Vorteil – sie würde einfach „im Boden verschwinden“, so Schütz. Der Ingenieur und Professor wies aber zugleich auf ein altbekanntes Problem hin: den instabilen Untergrund aus Seeton. „Eine Tiefgründung wäre extrem teuer und hier ausgeschlossen.“ Allenfalls eine „schwimmende Gründung“ wäre denkbar, bei der eine dicke Bodenplatte auf dem lockeren Untergrund liegen würde. Auch die Verbauung der Baugrube wäre entsprechend aufwendig.

Das schlägt sich in der Kostenrechnung nieder: Insgesamt etwa 1,98 Millionen Euro wäre der Preis für diese Variante, wovon alleine 660 000 Euro Mehrkosten infolge des ungünstigen Baugrunds anfallen. Eine Million Euro würde die Garage an sich kosten, 270 000 Euro die Erschließung der oberen Parkebene. 50 000 Euro müssten für die Ladestationen aufgewendet werden. Pro Parkplatz würde die Gemeinde damit etwa 37 300 Euro zahlen.

In fast jeder Hinsicht günstiger schnitt ein mögliches Parkdeck ab. Hier könnten 61 Autos parken, acht mehr als in der unterirdischen Variante. Die Gründung würde mittels Beton-Rammpfählen erfolgen, eventuell müsste ein Teilbereich zur Wiesseer Straße mittels Spundwandverbau stabilisiert werden. Der Entwurf sieht zwei Abgänge vor – einen auf der Straßenseite, den zweiten Richtung Busbahnhof. Schütz wies hier auf die Notwendigkeit eines barrierefreien Ausgangs hin. Außerdem könnten die zwischen der fraglichen Parkfläche und dem ZOB geplanten Fahrradstellplätze wettergeschützt unter dem Dach des Parkdecks untergebracht werden.

Diese zweite Option würde – ebenfalls mit Ladestationen – mit etwa 1,16 Millionen Euro zu Buche schlagen, wovon der Bau des Parkdecks an sich 630 000 Euro ausmacht, die Baugrube 215 000 Euro. Neben Optik und Kosten sprächen auch die Bauzeit, Unterhaltskosten und die bequemere Nutzbarkeit durch mehr Raum bei der Einfahrt für diesen Entwurf.

Dass als Minuspunkt die Sichtbarkeit gegenüberstünde, räumte Schütz ein. Zwar würde das Deck Richtung Südwesten „immer mehr in die Landschaft eintauchen“, von der Straße aus bliebe immer die Betonbrüstung sichtbar. Als Alternative schlug er ein Geländer mit Glasfüllung vor. Auch andere Veränderungen seien durchaus möglich, etwa eine Verkürzung des Parkdecks. „Wir haben hier nur einen Vorentwurf unter maximaler Nutzung des Baufensters vorgelegt“, schloss er seine Präsentation.

Die anschließende Diskussion zeigte ein überwiegendes „Ja“ zum Parkdeck, zugleich aber auch, dass wohl noch die eine oder andere Überarbeitung erforderlich sein dürfte. In vier Wochen soll dann der Beschluss gefasst werden. Ab morgen, Freitag, sind die Pläne auf der Homepage der Gemeinde für alle Bürger einsehbar. „Bitte schauen Sie sich die Pläne an und schreiben Sie uns ihre Meinung dazu“, appellierte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) nicht nur an die Zuhörer im Saal.

von Stefan Gernböck

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