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Kritische Worte zum Hochwasserausgleich

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Von: Gerti Reichl

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Hochwasserausgleich Tegernsee Mangfall Gmund
Bisher noch unberührte Natur: Die Mangfall bei Gmund. © Thomas Plettenberg

Das Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee war wieder Thema im Gemeinderat. Es fielen kritische Worte. Was das Wasserwirtschaftsamt dazu sagt.

Gmund Rathauschef Alfons Besel (FWG) hat seine Meinung zum Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee schon gesagt: „Da wir unsere Ortsmitte neu auf die Füße stellen, wäre diese irrsinnige Baustelle eine Katastrophe.“ Jetzt im Gemeinderat fielen wieder kritische Worte.Seit vielen Jahren feilt das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim (WWA) an dieser „irrsinnigen Baustelle“, die mit einem Einlaufwerk in der Mangfall, dem Bau einer Druckleitung einen halben Meter unter der Mangfallsohle sowie der Erneuerung des Schuhmacherwehr verbunden ist. Wenn extreme Regenfälle im Anmarsch sind, soll der See-Pegel so abgesenkt werden. Die anlaufende Hochwasserwelle könnte dann durch den zusätzlich gewonnenen Rückhalt im See verzögert über die Mangfall abgegeben werden.

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Die Pläne befinden sich derzeit im Stadium des Vorentwurfs, die Regierung von Oberbayern hat diesen Vorentwurf bereits geprüft und weitere Nachbesserungen gefordert.

Wie Besel jetzt am Rande der Gemeinderatssitzung berichtete, wurden Gmunder Fraktionssprecher kürzlich von WWA-Vertretern auf den neuesten Stand der Dinge gebracht. „Dass der See künftig nur um 20 Zentimeter reduziert werden soll, ist mir neu“, berichtete der Rathauschef.

Hochwasserausgleich Tegernsee: Neue Berechnungen

Auf Nachfrage wird WWA-Chef Paul Geisenhofer konkret: „Die Vorabsenkung des Sees wird sich weiter bei etwa 30 Zentimetern bewegen. Allerdings haben die genaueren Berechnungen ergeben, dass der Hochwasserscheitel um maximal 20 Zentimeter reduziert werden kann.“ Die Steuerung sei „unter Berücksichtigung verschiedener Interessen und auch vorgegebener Randbedingungen aus dem Raumordnungsverfahren, nach Erörterung des Für und Wider und nach Diskussion im Arbeitskreis auf Hochwasservorhersagen zum HW 20 festgelegt worden“, so Geisenhofer. Wesentliches Argument dafür sei, dass bereits bei einem 20-jährlichem Ereignis Schäden an der Bebauung reduziert werden könnten.

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Ebenfalls neu war für Besel die Position des Einlaufwerks, dem „Staubsauger“: Dieses ist nun nördlich des Mangfallstegs geplant und nicht südlich, wie bisher. Auch hierzu hat Geisenhofer eine Erklärung: „Die Position war bisher noch offen. Kriterien für diese Variante waren unter anderen das Landschaftsbild, Auswirkung auf die Natur, Untergrundverhältnisse und auch die erforderliche Länge der Leitung. Aus der Bewertung ging eindeutig die Variante mit dem Einlaufwerk nördlich des Stegs hervor.“

Bauprojekt zum Hochwasserausgleich im Tegernsee: Neues Gutachten von Geologen in Arbeit

Inzwischen wird auch von Geologen am Landesamt für Umwelt der steile Hang unterhalb von Kirche und Friedhof untersucht. Experten müssen prüfen, ob die Druckleitung, die auf Höhe der beiden Brücken ans südliche Mangfallufer wechselt, einen negativen Einfluss auf die Stabilität hat. „Ob danach weitere Untersuchungen notwendig sind, bleibt abzuwarten“,so Geisenhofer. Die zusätzlichen Untersuchungen sollen bis Anfang 2020 abgeschlossen sein. Anschließend werde es eine erneute Prüfung des Vorentwurfs durch die Regierung von Oberbayern und gegebenenfalls durch das Umweltministerium geben. Dann werde zunächst der Arbeitskreis, in dem alle Gemeinden vertreten sind, informiert, anschließend die Gemeindegremien und die Öffentlichkeit.

Besel zeigte sich erneut kritisch: „Das wird uns enorm wehtun“. Er habe den WWA-Vertretern mit auf den Weg gegeben, dass das Aufstauen und Absenken des Sees aus Sicht des Naturschutzes nicht richtig sei.

Hochwasserschutzprojekt im Tegernsee: Gmund will nun agieren und nicht reagieren

Barbara von Miller (SPD) fand ebenso klare Worte: „Der Flurschaden wäre irreparabel“, sagte von Miller, die befürchtet, dass es nach dem Bau „nie mehr so sein wird wie vorher.“ Außerdem hat sie Bedenken, was die Unabhängigkeit der Geologen in Sachen Hangsicherheit betrifft. „Die sind vom Wasserwirtschaftsamt engagiert.“ Und für die sei das Vorhaben ein „Prestigeprojekt“. Von Miller war dringend dafür, zu „agieren und nicht zu reagieren“. Besel sicherte dies zu.

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Gmund solle seine Bedenken zur Ökobilanz des Projekts dringend bei der Regierung von Oberbayern äußern. „Wenn wir warten, dann könnte es zu spät sein.“

gr

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