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Baustelle nervt Geschäftsleute

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Von: Gerti Reichl

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Nur einspurig und in Richtung Norden kann der Verkehr über die Mangfallbrücke fließen. die Geschäftsleute leiden unter der Maßnahme.
Nur einspurig und in Richtung Norden kann der Verkehr über die Mangfallbrücke fließen. die Geschäftsleute leiden unter der Maßnahme. © Thomas Plettenberg

Die halbseitige Sperrung der B 307 in Gmund und die damit verbundene Umleitung einmal rings um den See nervt nicht nur die Autofahrer. Geschäftsleute klagen über Umsatzeinbußen und über mangelnde Informationen.

Gmund – Salvatore Rizzo, Betreiber der italienischen Enotec „Rosso“ gleich an der Mangfallbrücke, ist gerade nicht gut auf die Gemeinde zu sprechen. Vor Kurzem wurde ihm der Bau einer stabilen Markise verweigert, jetzt hat er auch noch die Baustelle vor der Türe, die ihn das Mittagsgeschäft kostet. „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich anders mit meinem Personal geplant“, sagt Rizzo. „So lange waren wir im Lockdown, und jetzt, wo die ganze Welt wieder aufmacht, machen sie die Straße zu.“ Er sei im Vorfeld nicht informiert worden, behauptet er. Auch Peter Bayerschmidt von der Parfümerie schräg gegenüber, berichtet, dass er nicht informiert worden sei. Aus unserer Zeitung habe er von der Baumaßnahme und der nötigen Einbahnregelung erfahren, die seit knapp einer Woche tagsüber nur ein Durchkommen von Süden nach Norden erlaubt. „Ausgerechnet jetzt, wo wir unsere Angebotswochen mit 20 Prozent Rabatt haben, ist es sehr ruhig“, bedauert Bayerschmidt, fügt aber hinzu: „Ganz ab vom Schuss sind wir aber nicht.“

Was Fabian Palese, Inhaber der erst im vergangenen Sommer eröffneten Pasta-Manufaktur „Pastificio Palese“ ärgert, ist der späte Zeitpunkt, zu dem er informiert wurde. „Erst an dem Tag, an dem es losgehen sollte, habe ich einen Brief vorgefunden“, kritisiert Palese. Um 60 Prozent seien seine Umsätze eingebrochen. Um dennoch das Beste daraus zu machen, bietet er nun mittwochs und freitags einen Lieferservice für Kunden im Tal an.

Georg Mayer, der als einziger am Tegernsee auch noch Passbilder in seinem Fotogeschäft anfertigt, spricht ebenfalls von Umsatzverlust. „Das müssen wir jetzt aber auch noch durchstehen“, sagt er und rät seinen Kunden, an der Sparkasse zu parken und ein paar Schritte zu Fuß zum Laden zu gehen.

Weitaus weniger entspannt reagiert Martina Drexlmaier („Puro“) auf die Baumaßnahme. „Ich denke über eine Klage nach“, sagt die Geschäftsfrau.

Baustelle auf der B 307 in Gmund: Arbeiten kommen gut voran

Viel Kritik, auf die nicht nur Bürgermeister Alfons Besel auf Nachfrage reagiert, sondern auch Josef Harraßer vom Technischen Bauamt der Gemeinde: „Jeder Briefkasten hat einen Einwurf bekommen“, versichert Harraßer zum Thema Vorab-Info. An rund hundert Betroffene seien Briefe verteilt worden. Warum manche Geschäftsleute offenbar doch nichts wussten, könne er sich also nicht erklären.

Zum Baufortschritt äußert sich Harraßer jedoch vorsichtig optimistisch: „Es läuft gut, die Firma kommt gut voran.“ So gut, dass parallel zu den Arbeiten entlang der B 307 mit der Unterquerung der Bahntrasse in der Max-Obermayer-Straße begonnen wurde. Die Anwohner werden bereits per Ampelregelung über die Seestraße zur Bundesstraße geleitet. Dass es dort Ende dieser Woche zu zusätzlichen Einschränkungen kommt, will Harraßer nicht verheimlichen. Dann nämlich muss für das Einziehen neuer Kabel die Bundesstraße auf Höhe der Mannhardtstraße unterquert werden.

Dennoch: Nicht die Gemeinde Gmund, sondern das E-Werk Tegernsee ist Auftraggeber. „Diese Maßnahme dient der Versorgungssicherheit der ganzen Gemeinde“, sagt Frank Thinnes, Technischer Leiter des E-Werks Tegernsee. „Es werden Mittelspannungskabel ausgetauscht, die 40 bis 50 Jahre alt und in schlechtem Zustand sind.“ Dies alles geschehe im Vorfeld des Ausbaus der Seestraße, der dann ab 1. August geplant ist. Zu einem früheren Zeitpunkt, etwa während des letzten Corona-Jahres, sei die Maßnahme nicht spruchreif gewesen. Um die Belastungen für alle Beteiligten „so komprimiert“ wie möglich zu halten und auch die Durchführung des Volksfestes ab 12. Mai zu ermöglichen, werde nun sogar parallel in der Max-Obermayer-Straße gearbeitet.

Baustelle auf der B 307 in Gmund: Auch Schleichweg ist jetzt Einbahnstraße

Offiziell bis 29. April werden sich die Bauarbeiten mit Straßensperrung hinziehen. Nachts, an Wochenenden und bereits freitags ab 14 Uhr ist die B 307 offen. Weil viele Ortskundige inzwischen einen Schleichweg über Schwärzenbach nehmen, wurde auch diese Straße zur Einbahnstraße erklärt.

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gr

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