zwei Bücher stehen auf einem Pult
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Ein Münchner musste sich jetzt wegen mehrerer Straftaten vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten (Symbolbild).

Mann hatte schon einiges auf dem Kerbholz

Beifahrer verletzt zurückgelassen: Münchner (53) nach Unfall in Gmund vor Gericht

Weil er nach einem Unfall in Gmund seinen Beifahrer verletzt im Auto zurückließ, musste sich ein 53-Jähriger jetzt vor Gericht verantworten. Es war bereits das 30. Vergehen des Münchners. Die Reue war groß.

Gmund – Zwei Männer lernen sich in einer Wirtschaft kennen und verstehen sich gut. Anschließend nimmt der eine den anderen mit seinem Auto auf dem Nachhauseweg mit. Heil kommen die beiden jedoch nicht an. In einer scharfen Rechtskurve bremst der Fahrzeuglenker zu spät ab und kollidiert geradeaus fahrend mit einem Erdwall. Der Wagen überschlägt sich und prallt gegen einen Zaun. Verletzt bleibt der Beifahrer im Wagen zurück, während der Fahrer aussteigt und davonläuft.

Eine grausame Vorstellung, die im Mai 2019 auf der Kaltenbrunner Straße in Gmund-Finsterwald Wirklichkeit wurde. Der Fahrer des Wagens, ein 53-Jähriger aus München, saß wegen dieses Vorfalls nun auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts und musste sich gleich wegen drei Straftaten verantworten: unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, fahrlässige Körperverletzung und Fahren ohne Fahrerlaubnis – denn seit 2014 besitzt der Mann keinen Führerschein mehr.

Angeklagter zeigt sich geständig und voller Reue

Der Angeklagte gestand ohne Umschweife. Ob bei seiner Unfallfahrt auch Alkohol im Spiel war, wollte der 53-Jährige allerdings nicht sagen. Reuig entschuldigte er sich zudem bei seiner Kneipen-Bekanntschaft, der er durch sein Geständnis eine Aussage vor Gericht ersparte. Erspart blieb dem Mann aus Gmund hingegen nicht der Aufenthalt im Krankenhaus, der ein Resultat des Unfalls war. Er musste wegen eines Armbruchs operiert werden.

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Für Staatsanwaltschaft und Richter Walter Leitner stellte sich letztlich die Frage, wie der Angeklagte zu bestrafen sei. Denn: Der 53-Jährige war alles andere als ein Ersttäter. In seinem Bundeszentralregister stehen satte 29 Einträge zu Buche – der erste stammt aus den 80er-Jahren, den letzten erhielt er heuer. Diebstahl, Betrug, Urkundenfälschung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – der Angeklagte hat einiges auf dem Kerbholz. Auch im Gefängnis saß er bis Juni 2018 bereits.

Fahren ohne Fahrerlaubnis: Allein hier gab‘s elf Einträge

Was bei der Verlesung seines Bundeszentralregisters aber besonders hervorstach: vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis. Leitner: „Ich habe alleine bei diesem Delikt elf Stricherl gemacht.“ Negativ ins Gewicht fielen zudem die hohe Rückfallgeschwindigkeit, der Schaden von 4000 Euro am Zaun und laut Staatsanwalt ganz erheblich, „dass ein Mensch verletzt wurde“. Dennoch erkannte der Jurist auch Positives beim 53-Jährigen: „Sie haben heute in beeindruckender Weise gezeigt, dass Sie sich bessern wollen, haben einen Job und waren geständig.“

Staatsanwalt erachtet Geldstrafe als nicht ausreichend

Eine Geldstrafe erschien dem Staatsanwalt für das insgesamt 30. Vergehen dennoch nicht ausreichend, weshalb er darauf plädierte, den 53-Jährigen zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe mit Bewährung zu verurteilen. Ein Schmerzensgeld für den Gmunder von 2000 Euro sowie eine weitere Sperre der Fahrerlaubnis bis April 2021 seien zudem erforderlich.

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Auch Verteidigerin Julia Weinmann wusste, „dass mein Mandant bei diesem Vorfall wieder einen Rückfall hatte“. Dennoch habe der 53-Jährige seither vieles in den Griff bekommen. „Er hat einen Job, eine Lebensgefährtin, steht in gutem Kontakt zu seiner Bewährungshelferin und steht auch zu dem, was er getan hat“, erklärte Weinmann. Dass eine Freiheitsstrafe angebracht sei, erkannte die Anwältin. Die Höhe dieser legte sie ins Ermessen des Gerichts, fügte aber hinzu: „Sie kann deutlich unter zwei Jahren liegen.“

Richter verurteilt Münchner zu Freiheitsstrafe auf Bewährung

Tatsächlich schraubte Richter Leitner die vom Staatsanwalt geforderte Höhe der Freiheitsstrafe erheblich nach unten: ein Jahr und sieben Monate – mit Bewährung. Seine Fahrerlaubnis erhält der Angeklagte im April 2021 wieder, ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro muss er an seinen damaligen Beifahrer bezahlen. „Sie haben wilde Zeiten hinter sich“, fasste Leitner zusammen. „Nach Ihrer Haftentlassung sind Sie wirklich verbrecherisch durchs Land gezogen.“ Wenn man aber betrachte, was der Angeklagte alles unternehme, um sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen, „dann haben Sie noch mal eine Chance verdient“, meinte der Richter.

Philip Hamm

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