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Fastenprediger Florian „Flickä“ Oberlechner holte beim Starkbierfest im Gasthof Am Gasteig einmal mehr zum Rundumschlag aus. Keine der fünf Tal-Gemeinden wurden dabei verschont.

Voll besetzter Saal zum Starkbierfest am Gasteig

Fastenprediger schenkt den Wiesseern kräftig ein: Per Flüsterpost zur Kurtaxen-Erhöhung

Am Gmunder Gasteig wurde den Kommunalpolitikern rund um den See wieder kräftig eingeschenkt: Fastenprediger Florian „Flickä“ Oberlechner holte beim Starkbierfest zum Rundumschlag aus. Hart traf es die Wiesseer.

Gmund Der Saal war voll besetzt, als Fastenprediger Oberlechner ans Rednerpult trat. Stoff bot sich dem Redner auch heuer zur Genüge. „Derfts ruhig tringa, in dem Bier is zwar aa a Wasser drin, das aber mit nachweislicher Sicherheit nicht aus Gmund stammt.“ Mit diesen Worten prostete Oberlechner zu Beginn seiner Ansprache den Anwesenden zu, unter ihnen auch Herzogin Helene von Bayern und Gmunds Bürgermeister Alfons Besel. Letzterem wolle man den Aufenthalt so angenehm wie möglich machen: „Wir bellen nur a bisserl, beißen aber ned – wir zwicken höchstens a bisserl…“, sagte Oberlechner. Das falle nicht schwer, denn das neue Gemeindeoberhaupt habe noch „keine richtigen Erdbeben ausgelöst“. Die Leute würden nach dem ersten Amtsjahr sagen: „Ein neuer Besel kehrt halt gut.“

Lesen Sie hier den Bericht zum Starkbierfest 2018 im Tegernseer Bräustüberl: Ein nachdenklicher Bruder Barnabas 

Leichter würde es für den Satiriker nicht, bedauerte der langjährige Fastenprediger: Durch den Wegfall der „Konfliktsubstrate“ Peter Janssen, Georg von Preysing und die vorübergehende Auszeit von Peter Höß werde der Nährboden für das Derblecken nicht fruchtbarer: „Das waren die Saat-Tiere der Satire.“

Dann ging es nach Kreuth, wohin derzeit alle wollten – „der Biber, die Bergsteiger, die AfD…“ Oberlechner richtete seinen Blick auch auf das verwaiste Wildbad. In einem Ort, „wo die Grundschüler dieses CSU lange vor dem ABC auswendig kenna ham“. Jetzt versinke das Dorf in der politischen Bedeutungslosigkeit. Dafür aber sei es zum Bergsteigerdorf aufgestiegen, was pro Kraxler fünf E-Biker zusätzlich bringe.

Das Publikum im voll besetzten Saal amüsierte sich prächtig über die Fastenpredigt.

In Rottach-Egern gebe es einen neuen Begriff für Zweitwohnungsbesitzer: BaZ, also Bürger auf Zeit. „Und ein BaZ hat einen Willen, den er in der Regel nicht nur teilen, sondern auch durchsetzen möchte.“ Widerstand zwecklos. „Fakt ist, wenn ich mir am Tegernsee eine Zweitvilla leisten kann, ist das Wort Kompromiss nicht in meinem Vokabular.“ Hier karikierte Oberlechner auch die exzessive Bautätigkeit und den Zerfall der Infrastruktur: „Nix gibt’s mehr, koa Postamt, koa Sparkassenfiliale, koa Krankenkassen-Niederlassung…“

Hier finden Sie den Bericht: Wiesseer Vermieter wehren sich gegen Erhöhung der Kurtaxe

Für Bad Wiessee wünschte sich der Fastenprediger eine eigene Zeitung: „Dann kriagatn mir des ganze Brimborium da drüben ned mit.“ So etwa, dass die Wiesseer Bürger zu einem Neujahrsempfang nicht ein-, sondern lieber ausgeladen würden, um Kosten zu sparen. Der „Simultan-Bürgermeister“ versuche eben, Geld zu sparen, das er sowieso nicht hat. Auch die diversen Verteuerungen ließ Oberlechner nicht aus: die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer, der Parkgebühren und der Kurtaxe (der „Blattschuss). „Beim Geis Kurt in der Post fragt ein Gast nach einer schönen Surhaxe, im Rathaus verstehen sie ‚erhöht doch die Kurtaxe‘ – das ist die Wiesseer Flüsterpost.“

Tegernsee habe 1270 Jahre auf dem Buckel – „in dieser Zeit gab es fast genauso viele Bürgerbegehren“, stellte der Fastenprediger fest. So sei Tegernsee die einzige Kommune, „wo Bürgerbegehren ein eigenes Schulfach ist“. Auch das Ringen ums Feuerwehrhaus griff Oberlechner auf: „Unterm Janssen Peter daads scho lang ein neues geben: als Pfahlbau vor der Länd.“ Und schließlich griff der Redner den Vorschlag der Tegernseer CSU auf, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: Hier müsste man die Verlandung der Schwaighofbucht etwas forcieren, um die Suche nach erschwinglichem Grund zum Erfolg zu führen, schlug Oberlechner vor.

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Dem Publikum gefiel’s. Am Ende seiner temperamentvollen Predigt erntete „Flickä“ Oberlechner schließlich ausgiebigen Applaus.

Stefan Gernböck


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