Justitia vor blauem Himmel.
+
Die beiden Frauen mussten sich vor Gericht verantworten (Symbolbild).

Verhandlung vor dem Amtsgericht München

Gastgeber geprellt: Betrügerische Schwestern wandern von Hotel zu Hotel

Die beiden Frauen mieteten sich in Hotels ein, speisten im Restaurant und verschwanden, statt die Rechnung zu zahlen. Vor Gericht erzählten sie ihre Geschichte.

Kreuth/Gmund - Die beiden Frauen, 63 und 60 Jahre alt, waren zu zweit mit Hund und zu Fuß unterwegs. Von Mitte August bis November 2019 wanderten sie weite Strecken und quartierten sich in Hotels, Gasthöfen, Pensionen und Ferienwohnungen ein. Sie zahlten nie, sondern verschwanden einfach. Unter anderem logierten sie in Kreuth und Gmund. Jetzt standen sie wegen Betrugs in 15 Fällen, Urkundenfälschung in 13 Fällen und Unterschlagung in drei Fällen vor dem Schöffengericht am Amtsgericht München.Das Urteil: Die 63-Jährige soll drei Jahre und sieben Monate im Gefängnis absitzen. Sie geht in Berufung. Die 60-Jährige kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten davon.

Hilferuf an die Pflegeschwester

Die Frauen saßen seit ihrer Ergreifung am 11. Mai 2020 in Untersuchungshaft. Den Schaden von 8 937 Euro sollen sie ersetzen. Die beiden fühlen sich wie Schwestern. Die Jüngere, ein Heimkind, hatte in den Ferien und am Wochenende in der Familie der Älteren in München Aufnahme gefunden. Anfang 2019 hatte sich die 60-Jährige hilfesuchend an ihre Pflegeschwester gewandt: Sie möge sie vor einer – nicht näher beschriebenen – Verfolgung schützen. Zu jenem Zeitpunkt lebte die Ältere in Südeuropa. Dorthin war sie 2017 ausgewandert – als gerade aus der Haft Entlassene. Mehr als zehn Jahre hatte die seit den späten 90er Jahren vielfach vorbestrafte Frau hinter Gittern verbracht. Anfang der 90er Jahre habe sie Kind und Partner durch einen Verkehrsunfall verloren, erklärte die Frau vor Gericht.

Gewaltmarsch zu zweit

Die Vorwürfe gaben beide unumwunden zu. „Wir sind wahnsinnig viele Kilometer zu Fuß gelaufen, wir haben uns zeitweise im Wald versteckt“, berichtete die 63-Jährige. Es tue ihr „wahnsinnig leid“. Sie trage die Schuld am Ganzen. Stationen des Marsches waren Germering, Feldafing, Hausham, Krün, Steingaden, Bad Bayersoien, Oberau, Garmisch-Partenkirchen, Kochel, Bad Tölz, Bad Heilbrunn, Dietramszell und Schongau. Die Frauen wählten nicht die günstigsten Unterkünfte, sondern achteten auf einen gewissen Standard und ließen sich Mahlzeiten schmecken. Die Strafe für die – nur geringfügig vorbestrafte – Jüngere wurde zur Bewährung ausgesetzt, weil das Gericht nach dem „ersten und langen Hafteindruck“ davon ausgeht, dass sie keine Straftaten mehr begehen wird.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare