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Fast ganze Arbeit hat der Biber am Apfelbaum im Garten von Heinrich Hafner – hier mit seinen Enkel n (v.l.) Vitus und Quirin – geleistet. Die Drahthose hat der Gartenbesitzer dem Stamm erst später übergezogen.

Gmunder bleibt auf Schaden sitzen 

Biber beißt im Garten zu

Er kam nachts und leistete fast ganze Arbeit: Im Garten von Heinrich Hafner an der Mangfall in Schmerold bei Gmund am Tegernsee hat ein Biber einen Obstbaum beinahe gefällt. Besonders ärgerlich: Trotz Biber-Management wird er auf seinem Schaden sitzen bleiben.

Schmerold– Heinrich Hafner hatte sich schon auf eine reiche Ernte gefreut, auf Apfelkompott und Apfelkücherl. Doch dann tat sich jemand anderes gütlich an seinem Apfelbaum – (noch) nicht an den Früchten, aber am Stamm: Der Biber hat zugebissen. So fleißig, dass der Stamm fast durch ist. Hafner hofft, dass die Gravensteiner-Äpfel wenigstens noch ganz reif werden. Doch der Baum ist nicht zu retten. Andere der zehn Obstbäume in Hafners Garten wurden ebenfalls angeknabbert, aber nicht zerstört.

Hafner lebt abgelegen in Schmerold zwischen Louisenthal und Thalmühle, an der Mangfall, mitten in der Natur. Nur drei Häuser stehen an der Stelle beisammen. Der 71-Jährige wurde hier schon geboren. Ein Biber hat dort lange nicht gelebt. Seit ein paar Jahren hat aber einer dort sein Revier gefunden. Aus Naturschutzsicht ist das ein Erfolg: Der Biber galt in Bayern lange als ausgestorben, bis er ab den 1960ern wieder angesiedelt wurde. Seit 2006 ist der große Nager, der sich an Gewässern Staudämme und Burgen anlegt und sich von Ästen und anderen Pflanzenteilen ernährt, im Landkreis Miesbach wieder nachgewiesen. Und fühlt sich offenbar nicht unwohl, denn der Bestand der streng geschützten Tiere wächst.

Hafner ist das natürlich klar. „Der Biber ist schon öfter gesehen worden, ein Spezl von mir hat ihn sogar mal fotografieren können.“ Doch dass der Biber in seinen Garten spaziert und sich an den Obstbäumen zu schaffen macht, damit hatte er dann doch nicht gerechnet.

Als Hafner am vorigen Sonntag morgens den halb durchgenagten Apfelbaum entdeckte, war er zwar erschrocken. Aber er ging auch davon aus, dass er den Schaden an dem Baum, den er vor sieben Jahren für 345 Euro gekauft hatte, ersetzt bekommt, zumindest teilweise – schließlich gibt es für solche Fälle ja eigens ein Biber-Management im Freistaat, dachte er. Er meldete sich am Montag also am Landratsamt Miesbach. Zwei Mitarbeiter schauten noch am selben Tag vorbei. Doch eine Entschädigung wird Hafner nicht bekommen: Weil er kein Landwirt ist. „Dann haben Sie Pech, hat es geheißen“, erzählt Hafner verärgert.

Auf den Biber ist er nun, gelinde gesagt, nicht mehr gut zu sprechen, ebenso aufs Biber-Management im Freistaat: „Ist man als Privatmann denn ein Bürger zweiter Klasse und als Landwirt einer erster Klasse?“, fragt er sich. „Das kann’s doch nicht sein.“ Da geht‘s ihm ums Prinzip.

Auch interessant: Herr Wolf und der Biber - So arbeitet der Biberberater im Landkreis 

Warum werden Privatpersonen Biberschäden nicht ersetzt? Genau diese Frage ist 2015 schriftlich durch einen SPD-Abgeordneten im Landtag gestellt worden, teilt das Landratsamt in seiner Stellungnahme zu dem Fall mit und verweist auf die Antwort des Bayerischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums darauf: Es gibt grundsätzlich keinen Rechtsanspruch, sondern nur freiwillige Ausgleichsleistungen bei Biberschäden. 450 000 Euro stellt der Freistaat dafür jährlich bereit. „Mithilfe dieser freiwilligen Leistung soll die Akzeptanz des Bibers bei den am stärksten Betroffenen erhöht werden, da der Biber im Bereich der Land-, Forst- und Teichwirtschaft in die Existenzgrundlagen der Betroffenen eingreift“, führt das Ministerium aus. Ein allgemeiner „Schadensersatzanspruch“ zur Regulierung sämtlicher Biberschäden auch von Privatpersonen sei nicht beabsichtigt „und ist auch haushaltspolitisch wegen möglicher Bezugnahmen in anderen Fällen nicht realisierbar“, so das Ministerium.

„Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde bedauern sehr, dass die Obstbäume geschädigt wurden“, erklärt die stellvertretende Landratsamtssprecherin Sophie Stadler. Aber: „Obwohl keine Schadenszahlungen für Privatpersonen vorgesehen sind, stellt der Landkreis Miesbach betroffenen Bürgern zum Schutz der Bäume kostenlos Drahthosen zur Verfügung.“ Zusätzlich biete die Behörde bei Problemen eine Biberberatung vor Ort an. Man empfehle Bürgern, deren Grundstücke an Flüsse oder Seen angrenzen, dringend, Drahthosen zum Schutz der Bäume anzubringen – „gerade wenn schon bekannt ist, dass ein Biber in der Umgebung aktiv ist“.

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Auch Hafner hat das Landratsamt solche Drahtgitterhosen für seine Obstbäume kostenlos angeboten. Allerdings hat er noch am Sonntag selbst nachgerüstet und seinen Baum Biber-sicher gemacht.

Katrin Hager

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