+
Noch im Rennen und quasi gleichauf: Alfons Besel (l.) und Franz von Preysing.

Am 11. März fällt die Entscheidung

Bürgermeisterwahl 2018: Was die Gmunder zur Stichwahl wissen müssen

  • schließen

Am 11. März wählt Gmund einen neuen Bürgermeister - und es wird richtig spannend. Gerade mal 25 Stimmen lagen zum ersten Wahlgang zwischen den beiden stärksten Kandidaten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Wahl.

Gmund - Gmund, liebevoll „das Tor zum Tal genannt“, ist die nördlichste Gemeinde am Tegernsee. Und Gmund ist schon immer ein bisschen anders als die anderen am See, eben etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil das Gemeindegebiet weit ins Land hineinreicht - von Waakirchen bis hinüber nach Miesbach.

In unserem Ticker berichten wir ab Sonntagnachmittag, 11. März 2018 live aus dem Rathaus über alle Ereignisse und Ergebnisse der Stichwahl

Und doch hat Gmund alles, was so eine Seegemeinde braucht: schöne Uferabschnitte am Tegernsee, richtige Strände sogar und zwei Strandbäder. Das Gut Kaltenbrunn ist frisch saniert. Der Gasthof Maximilian ist bald saniert.

Und auf der anderen Seite, weitab vom See viel Wald im Westen, viel Landwirtschaft im Osten und sogar einen Skilift, den nördlichsten im Alpenvorland übrigens. Wasser, Berg, Tal - und viele, viele Ortsteile. So liegt der Skilift ja gar nicht in Gmund, sondern in Ostin. Und das Strandbad, klar, das ist Seeglas, nicht Gmund. Und vielleicht gibt‘s gar nicht so viele Gmunder, sondern mehr Moosrainer, Dürnbacher, Festenbacher, Finsterwalder und so weiter. Vielleicht.

Sicher ist: Sie alle wählen einen neuen Bürgermeister. Und die Wahl hat‘s in sich. Denn Georg von Preysing (CSU), Gmunder Bürgermeister seit 18 Jahren, hat den Ort wie kaum einer vor ihm geprägt - und ein Stück weit auch gespalten.

Preysing senior - wie man ihn jetzt wohl nennen muss - hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine große Fangemeinde aufgebaut - und sich genauso Feinde gemacht. Preysing polarisierte. Und jetzt tritt er nicht mehr an. Zum Zeitpunkt der Wahl wäre er 64 Jahre alt. Er habe seine Arbeit lange und gerne gemacht, „aber irgendwann muss ich auch auf mich schauen“, sagt der noch amtierende Rathauschef.

Was den Weg frei macht für ein richtig spannendes Rennen um den Chefsessel im Rathaus. Drei Kandidaten wollten es werden. Alfons Besel, langjähriger Geschäftsleiter im Gmunder Rathaus, tritt für die Freie Wähler Gemeinschaft an. Und dann ist da noch Franz von Preysing, kein Geringerer als der Bürgermeistersohn selbst. Johann Schmid (SPD), seit 20 Jahren im Gemeinderat, wollte es ebenfalls wissen, ist aber nach dem ersten Wahlgang am 25. Februar raus aus dem Rennen.

Die beiden Verbliebenen sind quasi gleichauf. Selten hat es in Gmund ein so offenes Rennen um den Bürgermeisterposten gegeben. Ein Grund mehr für alle Gmunder Wahlberechtigten, sich richtig gut vorzubereiten. Den besten Termin dafür haben wir schon gefunden.

In unserer Podiumsdiskussion stellten sich die drei Kandidaten zum ersten Mal öffentlich auf einer Bühne dem Publikum. Hier das Video in voller Länge samt Interviews mit Wählern und Kandidaten zum Nachschauen.

Kurz vor der Bürgermeisterwahl in Gmund: Vier Fragen an die Kandidaten

Kurz vor der Wahl am Sonntag (25. Februar) haben sich die drei Kandidaten den exakt gleichen Fragen gestellt: 

  • Welche Maßnahmen könnte man kurzfristig ergreifen, um die Verkehrsbelastung in Gmund erträglicher zu machen?
  • In welchem Bereich hat Gmund noch Nachholbedarf?
  • Wie wollen Sie Ihr Versprechen umsetzen, die Bürger bei allen Themen besser zu beteiligen?
  • Was liegt Ihnen als Bürgermeister besonder am Herzen?

Die Antworten von Alfons Besel (51, FWG), Franz von Preysing (39, CSU) und Johann Schmid (60, SPD) lesen Sie hier.

Die Bürgermeisterwahl in Gmund 2018

Wer ist wahlberechtigt?

Alle Bürger der Europäischen Union, die seit mindestens zwei Monaten ihren Erstwohnsitz in Gmund haben. Bei der Wahl 2012 machte das insgesamt 4693 Wahlberechtigte aus. Inzwischen ist die Einwohnerzahl in Gmund von 5800 auf weit über 6000 gestiegen. Es dürften also auch ein paar mehr Gmunder mit Wahlrecht sein.

Der Wahltag zur Stichwahl

Am Sonntag, 11. März, ist es wieder soweit: Die Gmunder Wahlbevölkerung marschiert in die Wahllokale, nachdem ihre Abstimmung am 25. Februar kein eindeutiges Ergebnis ergeben hat. Die haben von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Wahllokal ist im Rathaus selbst. Die Gmunder werden wieder an die Wahlurne gebeten und können sich nur noch zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Und dann ist eigentlich alles ganz einfach: Wer die meisten Stimmen hat, wird neuer Gmunder Bürgermeister.

Alle Infos zur Stichwahl haben wir hier nochmals zusammengefasst.

Wann gibt‘s ein Ergebnis?

Die Wahllokale haben bis 18 Uhr geöffnet. Danach beginnt die Auszählung. Die ersten Ergebnisse (damit kann man wohl ab 18.30 Uhr rechnen), alle Stimmen, Ereignisse und Entwicklungen bis hin zum finalen Ergebnis finden Sie natürlich live bei uns. 

Was passiert bei Gleichstand?

Dieser besondere Fall ist auch vom Gesetz geregelt. Wenn es zwei Erstplatzierte mit genau der selben Stimmenanzahl gibt, wird die Wahl wiederholt. Gibt es zwei Zweitplatzierte, die jeweils gleich viel Stimmen für sich vereinen können, entscheidet das Los, wer von beiden in die Stichwahl geht.

Gibt es eine Mindestwahlbeteiligung?

Bei der letzten Bürgermeisterwahl in Gmund lag die Wahlbeteiligung bei traurigen 36,4 Prozent, was damit zu tun haben mag, dass Georg von Preysing damals ohne Gegenkandidat angetreten ist. Preysing wurde mit 92,4 Prozent im Amt bestätigt. Trotzdem wirft das eine Frage auf: Gibt es eine Mindestwahlbeteiligung für eine gültige Bürgermeisterwahl? Das Gesetz schreibt hier tatsächlich kein Quorum vor. Nur, wenn mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen ungültig sind, wird die Wahl wiederholt. Davon ist aber bei dieser spannenden Wahl kaum auszugehen. Denn das Rennen ist völlig offen. Sehen wir uns die Kandidaten einmal genauer an.

Lesen Sie dazu auchunseren Lagebericht auf den letzten Metern mit der entscheidenden Frage an beide Bürgermeisterkandidaten: Wo unterscheiden Sie sich eigentlich?

Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl in Gmund im Überblick

Alfons Besel (FWG)

Er warf seinen Hut schon in den Ring, da war noch nicht mal klar, ob Georg von Preysing (CSU) nicht doch nochmal antreten würde. Sich dem Über-Preysing wissentlich zu stellen - und sich Chancen dabei auszurechnen - das zeugt von gesundem Selbstbewusstsein. Dann wiederum könnte man Alfons Besel unterstellen, dass er vielleicht schon länger auf jenen Chefsessel schielt, unter dem er 30 Jahre gedient hat. Denn Besel ist quasi im Gmunder Rathaus aufgewachsen, er hat dort gelernt, war 15 Jahre Bauamtsleiter und 14 Jahre Geschäftsleiter, um dann relativ überraschend 2014 ins Landratsamt zu wechseln. 

Alfons Besel ist quasi beruflich im Rathaus aufgewachsen: Jetzt will er für die FWG in den Chefsessel.

Klar, nach 14 Jahren Geschäftsleiter in einem Rathaus macht so ein Karrieresprung schon Sinn. Ein weitsichtiger Mann hätte sich mit dem Wechsel freilich auch frühzeitig den Weg für eine mögliche Bürgermeisterkandidatur freigemacht. Aber das ist freilich wilde Spekulation. Ob da was dran ist, kann uns Alfons Besel bei unserer Podiumsdiskussion am 1. Februar ja näher erläutern.

Mit seiner Kandidatur hat er jedenfalls durchaus das Interesse der Gmunder geweckt. Rund 45 Zuhörer waren bei seiner Nominierung dabei und hörten andächtig zu, als der Verwaltungsexperte zum ersten Mal seine Ideen für Gmund vorstellte. „Gmund gemeinsam mit Erfahrung gestalten“, lautet Besels Wahlkampfmotto. Klingt jetzt nicht wahnsinnig hip und jung, muss es vielleicht auch nicht. Auch wenn Besel mit Fünftagesbart und Anzug im Vergleich zum Lederhosen-Preysing deutlich frischer wirken mag - der Mann ist immerhin schon 51.

Sein ambitioniertes Programm wirkt dagegen gar nicht altersmüde. Im Gegenteil. Nicht weniger als acht Leitthemen hat er sich vorgenommen. Von Mitmachgemeinde über generationsübergreifende Ortsentwicklung, Kulturlandschaft bewahren (wenn sich das mal nicht beißt) bis hin zu „Gmund smart“, wo Besel Gigabyte statt Megabyte fordert. Digital ist Besel auch schon selbst ganz fleißig unterwegs. Der FWG-Kandidat twittert begeistert:

Und das immerhin schon mit 55 Followern und fast 800 Tweets, stand Mitte Januar. Das detaillierte Programm und alle seine Wahlkampftermine sind auf der Homepage der Freien Wählergemeinschaft Gmund-Dürnbach nachzulesen.

Franz von Preysing (CSU)

Die CSU schickt den Junior ins Rennen, sein Vater war 18 Jahre Gmunds Bürgermeister: Franz von Preysing.

Er ist mit 39 Jahren der Jungspund unter den Kandidaten - und tritt doch ein altes Erbe an. Der Name „von Preysing“ kommt nicht von ungefähr. Franz ist der Sohn des bisherigen Bürgermeisters Georg von Preysing. Ob ihm seine Abstammung nun Plus- oder Minuspunkte bringt, sei dahingestellt. Wahrscheinlich beides, je nach Lager. Spannend wird auch sein, wie er selbst dazu steht. Sieht er sich offensiv als Sohn seines Vaters, der dessen Erbe fortführen will? Oder findet Preysing junior vielleicht nicht alles gut, was sein Vater in den letzten 18 Jahren gemacht hat? Bei unserer Podiumsdiskussion am 1. Februar im Neureuthersaal werden wir auch das erfahren.

Abgesehen davon kennt man ihn in Gmund mitnichten nur als Sohn. Preysing war lange Jahre JU-Vorsitzender im Landkreis. Er sitzt seit 2008 im Gmunder Gemeinderat und ist Wasserwachtler mit Leib und Seele. Preysing ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist beruflich Leiter der Sparkassenfilialen im Tegernseer Tal. 

„Gutes Bewahren und für Neues offen sein“ lautet sein Motto für den Wahlkampf. Klingt jetzt auch so ein bisschen nach Wahlkampf-Mottenkiste, um mal ganz ehrlich zu sein. Aber das scheinen Wahlkampf-Mottos wohl so an sich zu haben. Im Detail scheinen Preysing und Besel einiges gemeinsam zu haben. Die Digitalisierung steht da weit oben, ganz oben steht die Förderung der heimischen Wirtschaft zur Erhaltung wohnortnaher Arbeitsplätze - ein Grundsatz, den man oft auch von Preysing senior gehört hat, beispielsweise in Zusammenhang mit dem Landbaderfeld.

Gleichzeitig will auch Preysing die Landwirte unterstützen - ebenfalls zur Erhaltung der Kulturlandschaft. Bei Verkehr wird Preysing richtig konkret. Einen Kreisel will er in Kaltenbrunn und die Radwege ausbauen. Bleibt ihm zu wünschen, dass ihm Letzteres besser gelingt als seinem Vater - Stichwort: Lückenradweg. Aber immerhin wird da Preysing deutlich konkreter als sein FWG-Konkurrent, der vor allem ganzheitliche Lösungen fordert. Dafür will Preysing genauso wie Besel Bürger beteiligen, Familien und Senioren fördern. Überhaupt sind da auffällig wenig Unterschiede im Programm, außer vielleicht in der Wertung der einzelnen Punkte. 

Entweder da hat einer vom anderen abgeschrieben - oder die beiden sind sich einfach sehr einig. Bleibt uns die Podiumsdiskussion am 1. Februar, wo Preysing und Besel ihre Unterschiede deutlich machen können.

Preysing ist nicht auf Twitter, dafür hat er sich im guten alten Facebook sogar eine eigene Kandidaten-Seite gebaut:

In aller Ausführlichkeit beschrieb Franz von Preysing sein Programm bei seiner Nominierung. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der CSU Gmund.

Johann Schmid (SPD)

Der Mann für die SPD: Johann Schmid.

Er ist der alte Hase unter den Kandidaten. Schmid bringt als Bürgermeisterkandidat für die SPD 20 Jahre Erfahrung aus dem Gmunder Gemeinderat mit, davon seit 18 Jahren als Fraktionssprecher. Noch länger als in der Kommunalpolitik ist Schmid nur in der Musik engagiert. Seit 50 Jahren spielt er Blasmusik und ist seit Gründung der Gmunder Dorfmusikanten deren Vorsitzender. Auch im katholischen Pfarrgemeinderat St. Ägidius sitzt Schmid seit 20 Jahren.

In der Doppelfunktion als Gemeinderat und aktives Mitglied der Kirchengemeinde hat Schmid d as Projekt „Gmunder Pilgerwege“ vorangetrieben und schließlich verwirklicht. Schmid hat den AGMUNDA 12-Prozess mit initiiert, aus dem unter anderem die Nachbarschaftshilfe, die Gmunder Tafel und der gescheiterte Dorfladen hervorgingen. Der selbstständige Versicherungsfachmann ist 60 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern mit 26 und 24 Jahren. 

Schmid steht für eine „am Gemeinwohl orientierte und zukunftsorientierte Kommunalpolitik mit Umweltschutz“, und da wird ihm wohl keiner widersprechen. Doch seine Ideen unterscheiden sich immerhin von den doch sehr austauschbaren Stichpunkten von Preysing und Besel. Schmid will ein solidarisches und lebendiges Gemeinwesen und ein ethisches Finanzierungsmanagement. Das steht bei ihm ganz oben. Er möchte zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen und das Ganze aber so, dass die Kommune gleichzeitig zum Vorbild in Sachen sorgsamer Umgang mit Ressourcen und Erhalt einer intakten Umwelt bleibt. 

Wie seine beiden Konkurrenten will Schmid eine verstärkte Bürgerbeteiligung. Hier muss wohl auch unsere Podiumsdiskussion am 1. Februar zeigen, ob sich die drei Ansätze da nicht doch auch irgendwo unterscheiden. Alle drei wollen außerdem das Ehrenamt mehr wertschätzen - wo ihnen sicher auch keiner widersprechen wird. Und auch eine familienfreundliche Wohnungspolitik will Schmid ebenso wie die anderen beiden. Das ausführliche Programm lesen Sie auf der Seite der Gmunder SPD. Johann Schmid ist auf Facebook, allerdings - zumindest öffentlich - schon seit 2015 nicht mehr aktiv.

kmm

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Seesauna Tegernsee feiert zehnten Geburtstag - mit 150 Partygästen
Zehn Jahre Tegernseer Seesauna: Am Mittwoch gab‘s die große Geburtstagsparty. Für die Gäste gab’s Überraschungsaufgüsse in den Saunen, dazu Sekt und Kuchen. Das kam an: …
Seesauna Tegernsee feiert zehnten Geburtstag - mit 150 Partygästen
St. Quirin: Anwohner fordern Querungshilfe über B307 - Behörden skeptisch
Mehr Querungshilfen für Fußgänger – was im Frühjahr Thema im Bürgermeister-Wahlkampf war, soll jetzt angepackt werden. Aber so einfach ist das alles nicht - trotz …
St. Quirin: Anwohner fordern Querungshilfe über B307 - Behörden skeptisch
Gmunderin (79) auf dem Tölzer Friedhof bestohlen
Das ist wirklich dreist: Erst klaute ein Unbekannter auf dem Tölzer Friedhof den Geldbeutel einer Gmunderin, dann hob er mit ihrer Karte auch noch Geld ab.
Gmunderin (79) auf dem Tölzer Friedhof bestohlen
Hagleitner setzt sich bei Dorfmitte durch 
Hans Hagleitners Büro  hat die EU-weite Ausschreibung zur Waakirchner Dorfmitte gewonnen. Die Pläne werden bei einer Bürgerversammlung präsentiert. Das entspricht einem …
Hagleitner setzt sich bei Dorfmitte durch 

Kommentare