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Nach Jahrzehnten des Stillstands wird der Gmunder Gasthof Maximilian endlich saniert. Der Umbau ist aufwendig - das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Interview mit Fachmann Burkhard Körner

Wichtige Antworten zum Thema Denkmalschutz

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Gmund - In Gmund gibt es 110 Baudenkmäler, mehr als in jeder anderen Gemeinde des Tegernseer Tals. Im Interview erklärt Experte Burkhard Körner, was es mit dem Denkmalschutz auf sich hat.

Der lange Weg zur Sanierung des ehemaligen Gasthofs Maximilian zeigt: Der Denkmalschutz legt einem Gebäude einerseits enge Fesseln an. Andererseits sind es gerade die wertvollen Häuser, die unsere Landschaft auch prägen. Gerade hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die bayernweite Nachqualifizierung der Denkmalliste abgeschlossen – auch für Gmund. Hier sind 110 Baudenkmäler verzeichnet. Burkhard Körner, Referent für die Gmunder Denkmalliste beim bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, stand dazu unserer Zeitung Rede und Antwort.

Herr Körner, in welchen Abständen wird die Denkmalschutzliste aktualisiert?

Burkhard Körner: Sie ist eine Momentaufnahme und wird laufend aktualisiert. Die Liste ist tagesaktuell im Internet einsehbar unter www.denkmal.bayern.de. Sie umfasst aktuell rund 110.000 Bau- und etwa 55.000 Bodendenkmäler.

Wie gehen Sie vor? Wer macht Sie auf in Frage kommende Häuser aufmerksam?

Körner: Die Heimatpfleger beraten und unterstützen die Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt sowie das Landesamt. Sie können Vorschläge machen. Grundsätzlich ist es so: Ein Denkmal ist, so definiert es Artikel 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes, eine vom Menschen geschaffene Sache aus vergangener Zeit, deren Erhaltung aufgrund ihrer besonderen geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichern und volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt.

Wer nimmt an der Begehung teil?

Körner: Vertreter des Landesamtes, der Denkmalschutzbehörde, der Eigentümer und der zuständige Heimatpfleger.

Wie erfährt ein Besitzer, dass sein Haus unter Denkmalschutz gestellt wurde?

Körner: Das Landesamt informiert zunächst die Gemeinde. Die wiederum informiert den Eigentümer, dass sein Gebäude in die Denkmalliste eingetragen wurde.

Kann man Einspruch erheben?

Körner: Der Eigentümer eines Denkmals kann nicht selbst beantragen, dass sein Gebäude in die Liste aufgenommen oder gestrichen wird. Vielmehr ist es so, dass ein Gebäude, das die Kriterien von Artikel 1 des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes erfüllt, ,automatisch‘ ein Denkmal ist. Ein Baudenkmal wird erst dann aus der Liste ausgetragen, wenn das Denkmal nicht mehr vorhanden ist, weil es zum Beispiel abgebrannt oder eingestürzt ist, oder wenn es keine Denkmal-Eigenschaft mehr hat, etwa aufgrund gravierender baulicher Veränderungen. Ein schlechter baulicher Zustand ist kein Grund, ein Denkmal aus der Liste zu streichen.

Gibt es Zuschüsse, wenn man sein Haus renovieren möchte, das unter Denkmalschutz steht?

Körner: Es gibt verschiedene Förderprogramme. Finanzhilfen und Steuererleichterungen gibt es in der Regel dann, wenn die Maßnahme vorher mit dem Landesamt abgestimmt ist. Voraussetzung ist ein denkmalpflegerisch bedingter Mehraufwand.

Hat Gmund im Vergleich zu anderen Talgemeinden besonders viele Denkmäler?

Körner: In der Liste sind 110 Baudenkmäler und fünf Bodendenkmäler verzeichnet. Bad Wiessee hat im Vergleich dazu derzeit 39 Baudenkmäler.

Welche sind denn besonders bedeutend in Gmund?

Körner: Das Denkmalschutzgesetz kennt keine Wertigkeiten für Denkmäler. Wohl aber lassen sich Objekte benennen, die beispielhaft, vorbildlich oder einmalig sein können. Dazu zählen etwa die drei Bungalowbauten auf dem Ackerberg, die nach Entwurf des Architekten Sep Ruf im Wesentlichen in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre errichtet worden sind. Schon zeitgenössisch, haben die Bungalows internationale Aufmerksamkeit erhalten. Die Pfarrkirche St. Ägidius ist nicht nur als sehr alter Kirchenstandort herausragend. Der Neubau von 1688 als Wandpfeilerkirche mit geräumiger Apsis war für die Entwicklung der Barockarchitektur in Oberbayern prägend. Und beim Gmunder Bahnhof mit seiner Gestaltung in Neu-Renaissance-Formen und dem Zierfachwerk an den Giebeln ist außergewöhnlich viel historische Substanz erhalten.

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