Hier gibt's für Ehrenamtliche Hilfe

Immer mehr Asyl-Helfer sind ausgebrannt

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Gmund/Landkreis - Gut 700 ehrenamtliche Helfer kümmern sich aktuell um die rund 1100 Flüchtlinge im Landkreis Miesbach. Viele von ihnen fühlen sich ausgebrannt. Eine Initiative soll sie nun unterstützen.

Robbinson (25) aus Nigeria lebt seit März 2015 in der Seeturnhalle in Gmund. Ein Netz mit 50 Ehrenamtlichen um Helferkreis-Chef Hajo Fritz betreut ihn. Auch nach über einem Jahr wissen weder Robbinson noch die Helfer, wo die Reise hingeht, denn das Asylverfahren ist offen. „Die Hälfte aller 50 Gmunder Flüchtlinge wird wohl gehen müssen“, glaubt Fritz. Die Situation zehrt an den Nerven aller.

Ansprechpartner für die Flüchtlinge und Gründer einer neuen Initiative: Hajo Fritz, hier vor der Asylunterkunft in Gmund, setzt sich dafür ein, dass auch die freiwilligen Helfer Unterstützung bekommen. 

Seit die Flüchtlingswelle in den Landkreis schwappte, sind ehrenamtliche Helfer aktiv, viele davon von Anfang an. „Der permanente Umgang mit anderen Kulturkreisen, sprachliche Barrieren und religiöse Unterschiede belasten die Helfer“, weiß Fritz. Die Traumatisierung vieler Flüchtlinge durch Vertreibung und Flucht sei emotional belastend. „Hinzu kommt, dass die Asylthematik in der Gesellschaft sehr kontrovers diskutiert wird und sich Helfer dieser Diskussion stellen müssen.“ Nicht gerade motivierend wirke sich die Konfrontation mit Verordnungen und Vorschriften einer überlasteten Verwaltung aus. Die Helfer seien ausgebrannt, müde, das Engagement lasse nach.

Dabei werde sich die Situation im Jahr zwei der Flüchtlings-Misere noch verschärfen, prognostiziert Fritz: Abgelehnte Asylbewerber werden händeringend Beistand bei ihren Helfern suchen. Wer ein Bleiberecht bekommt, wird vor teils unlösbaren Wohnungs- und Ausbildungsproblemen stehen. Der Gmunder spricht Klartext: „Die Helfer vor Ort müssen die Unzulänglichkeiten der Politik ausbaden.“

Weil professionelle Hilfe für die Helfer von behördlicher Seite bisher nicht vorgesehen ist, hat Fritz eine Initiative organisiert: Der Lions Club am Tegernsee, dem Fritz als Mitglied angehört, der Rotary Club am Tegernsee, die Caritas Miesbach und der Integrationsbeauftragte des Landkreises, Max Niedermeier, bieten Helferkreisen und einzelnen Helfern jetzt professionelle Supervision an. „Dieses Nachdenken unter fachlicher Anleitung hilft dabei, Eindrücke zu verarbeiten und im Austausch mit anderen Lösungsstrategien zu entwickeln“, sagt er. Der Gmunder hat inzwischen einen finanziellen Grundstock gesammelt, um das Projekt starten zu können. Weitere Spenden sind dennoch nötig, um das Hilfsprojekt nachhaltig über drei Jahre anbieten zu können. Letztlich hofft Fritz, der sich bei allen Unterstützern für die bisher geschaffte Leistung bedankt, dass am Ende öffentliche Träger die Verantwortung übernehmen.

Am Dienstag wurde das Projekt bei einer Sitzung des Integrationsbeirats, dem auch Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) angehört, vorgestellt. Folgende Modelle stehen zur Verfügung:

Angebot 1: Supervision für Helferkreise. Besteht in Helferkreisen der Wunsch nach einer Beratung, melden sich deren Sprecher bei Franz Lutje, Ehrenamtskoordinator des Caritas-Zentrums Miesbach. Gemeinsam mit einem Supervisor wird besprochen, welches Verfahren angewandt wird. Anmeldung unter z 0 80 25 / 28 06 20 oder per E-Mail an franz.lutje@ caritasmuenchen.de.

Angebot 2: Offene Gruppen-Supervision. Hier können sich einzelne Helfer anmelden. Die Treffen sind thematisch ausgerichtet und auf die Bedürfnisse der Gruppe zugeschnitten. Die Treffen finden einmal im Monat mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Caritas-Zentrum Miesbach statt. Anmeldung (auf zwölf Personen begrenzt) und Details bei rosi@schnitzenbaumer-bayern.de.

Angebot 3: Selbsterfahrungsorientierte Reflexion in Kleingruppen. Hier werden aktuelle Fragestellungen bearbeitet. Unter dem Stichwort Prävention lernen Teilnehmer, Konflikte frühzeitig zu erkennen. Dies führt zu einem sichereren Umgang mit vielfältigen Belastungen. Die Treffen finden 14-tägig, donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr, im Heilzentrum Einheitskraft in Rottach-Egern, Kißlingerstraße 26, statt. Anmeldung (begrenzt auf sechs Personen) bei info@einheitskraft.de.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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