Der Tweet des Gmundner Realschul-Leiters Tobias Schreiner wurde auf Twitter tausende Male geliked.
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Der private Tweet des Gmundner Realschul-Leiters Tobias Schreiner wurde auf Twitter tausende Male geliked.

Schulöffnungen in Bayern

Corona-Lockerung: Schulleiter lässt eigene Kinder von Präsenzpflicht befreien - „Risiko ist zu hoch“

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Tobias Schreiner will seine Kinder trotz Schulöffnungen in Bayern von der Präsenzpflicht befreien lassen. Denn er selbst ist Schulleiter - und sieht die Corona-Lockerungen kritisch.

  • In Bayern sollen, überall wo die Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 liegt, Schulen nun zum Präsenzunterricht zurückkehren.
  • Wem das zu unsicher ist, der kann seine Kinder jedoch von der Präsenzpflicht befreien lassen.
  • Ein Schulleiter vom Tegernsee macht nun genau das - seine Begründung ist auf Twitter nachzulesen.

Gmund am Tegernsee - Es soll ein Schritt in Richtung Normalität sein. Am Montag (15. März) dürfen bayerische Schulen offiziell wieder für den regulären Präsenzunterricht öffnen. Zumindest in allen Städten und Landkreisen, die am Freitag (12. März) eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 vorweisen konnten. Dazu gehörte auch der Landkreis Miesbach mit einer Corona-Inzidenz von 65. Mit diesem Wert liegt der Landkreis im Mittelfeld der drei definierten Inzidenzstufen für Schulen der bayerischen Staatsregierung. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 öffnen Schulen im Präsenzbetrieb, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann, andernfalls wird Wechselunterricht angeboten. Jedoch werden Eltern nicht gezwungen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Denn in Bayern gibt es die Möglichkeit, diese vom Präsenzunterricht befreien zu lassen, wenn man auch das Lernen der Kinder von zu Hause aus gut ermöglichen kann und einem das Risiko zu hoch erscheint.

Schulöffnungen trotz steigender Corona-Zahlen: Nicht alle Lehrer und Eltern sind einverstanden

Genau diesen Schritt geht nun auch Tobias Schreiner. Er ist seit 2017 Schulleiter der Realschule Tegernseer Tal in Gmund. Auf seinem privaten Twitter-Account und auch auf einem privaten Blog, den er im März 2020 als „Corona-Tagebuch“ begonnen hat, äußert er sich häufig zur aktuellen Pandemie-Situation. In einem Post vom Samstag, 14. März, schreibt er: „Als Schulleiter werde ich alles tun, um den Unterricht in der angeordneten Form so angenehm und sicher zu gestalten wie möglich. Als Vater habe ich heute für meine eigenen Kinder einen Antrag auf Unterrichtsbefreiung gestellt, weil ich im Schulbesuch ein zu hohes Risiko sehe.“ Mit dieser Aussage - die offenbart, dass Schreiner als Schulleiter selbst nicht zu 100 Prozent hinter der Entscheidung zur Schulöffnung steht - traf der Familienvater offenbar einen Nerv. Innerhalb weniger Stunden wurde der Post tausende Male geliked, bis zum Montagmorgen knapp 1800 Mal retweetet.

Der private Tweet des Gmundner Realschul-Leiters Tobias Schreiner wurde auf Twitter tausende Male geliked.

Privater Twitter-Post: Schulleiter lässt Kinder von Präsenzpflicht befreien - seine Erklärung ist einleuchtend

Nachdem unter dem Post eine teils heftige Diskussion entbrannt war, äußerte Schreiner sich in der Kommentarspalte noch einmal selbst. Er könne, so schreibt er, das Bedürfnis nach Schulöffnungen verstehen. Viele Kinder freuten sich, wieder in den Unterricht zurückkehren zu dürfen, zudem gebe es auch Kinder, die die Schulpräsenz bräuchten um besser und erfolgreicher lernen zu können. Er selbst, so Schreiner, sei überzeugt, dass mit einem gut entwickelten Hygienekonzept, das Lüftungsanlagen, ausreichende Mengen an FFP2-Masken und Schnelltests sowie rasche Impfungen beinhalte, eine Rückkehr zum Präsenzunterricht möglich sei.

Jedoch habe man an vielen Orten all dies nicht, es gebe kaum Lüftungsanlagen und zu wenig FFP2-Masken. Auch geimpft werde noch nicht. Die schleppend verlaufende Impfkampagne der Bundesregierung sieht zwar vor, dass bayerische Lehrer priorisiert geimpft werden sollen, bislang gilt diese Regelung jedoch nur für Grundschullehrer.

„Kipppunkt zur dritten Corona-Welle“: Schulleiter aus Tegernsee sieht Schulöffnungen als Privatperson kritisch

Dabei, so Schreiner mit dem Verweis auf die Prognose des Robert-Koch-Instituts, stehe man am Kipppunkt zur dritten Corona-Welle in Deutschland. Deshalb begrüße er die Möglichkeit, seine Kinder weiter im Homeschooling belassen zu können. Dies sei „mehr als ein Notnagel für überängstliche Eltern“, so Schreiner.

Unter seinem Post sammeln sich Kommentare von Eltern und Lehrern, die Schreiner in seiner Haltung unterstützen. „Als Lehrerin unterrichte ich im Wechselmodell. Meine eigenen Kinder werden zu Hause beschult. Drei meiner Kollegen handhaben es ebenso“, schreibt eine Kommentatorin und eine weitere Frau, meint: „Mein Mann ist Arzt auf einer Covid ITS, ich Pädagogin. Die Kinder unserer Familie sind seit letzten März zu Hause und werden dort beschult erfolgreich und wir haben all unseren Freunden geraten, die Kinder zur Zeit nicht in die Schule zu schicken. Viele werden den Rat befolgen.“ Ob noch weitere Eltern in Bayern nach dem Post von Schreiner dem Beispiel folgen und ihre Kinder von der Präsenzpflicht befreien lassen werden, bleibt abzuwarten.

Schulöffnungen in Bayern: Corona-Zahlen steigen wieder - wird der Unterricht bald wieder ausgesetzt

Letztlich hängt es auch immer mit dem sozialen Umfeld der Kinder zusammen und ob sie tatsächlich adäquate Möglichkeiten haben, den versäumten Unterricht im Homeschooling aufzuarbeiten. Dennoch könnte sich die Situation schon bald von ganz alleine klären - denn nahezu überall in Bayern steigen die Infektionszahlen in den vergangenen Tagen wieder verstärkt an. Für den Landkreis Miesbach wurde am Montag vom RKI eine Sieben-Tage-Inzidenz von 69 ausgegeben. Dies sind bereits 4 Punkte mehr, als noch am Freitag. Sollte die Inzidenz wieder über 100 steigen, müsste der Präsenzunterricht an den Schulen nach Vorgaben der Staatsregierung ohnehin wieder ausgesetzt werden. Schreiner selbst erklärte im Gespräch, er werde sich als Privatperson nicht mehr öffentlich zu seinem Post äußern. Als Schulleiter könne er nur sagen, dass er die Vorgaben der Staatsregierung vor Ort bestmöglich umsetzen werde. kah

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