„Wir haben geschlossen“ prangt vor dem Gmunder Bistro. Inhaber Hans Becker (3. v. l.), für das Foto ohne Maske, hatte sich gegen die Öffnung entschieden.
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„Wir haben geschlossen“ prangt vor dem Gmunder Bistro. Inhaber Hans Becker (3. v. l.), für das Foto ohne Maske, hatte sich gegen die Öffnung entschieden.

Angst vor rechter Szene

Bistro-Betreiber am Tegernsee plant Öffnung trotz Corona - Dann schaltet sich Attila Hildmann ein

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Die Öffnung seines Bistros hatte Hans Becker kurzfristig abgesagt, die Sorge vor Demonstranten am Montagvormittag blieb. Von den Rechtsextremen zeigte sich allerdings niemand.

Gmund – „Es ist ein kleiner Schritt zurück, nicht das Ende meines Protests“, betont Hans Becker, Inhaber des gleichnamigen Bistros in Gmund. Die angekündigte Bewirtung von Gästen entgegen der Lockdown-Regeln ist zwar geplatzt (wir berichteten), nicht geändert hat sich aber seine grundsätzliche Haltung: „Die aktuellen Vorschriften sind rechtswidrig“, insistiert der Lokalinhaber am Montagmorgen vor seiner Ladentür.

Rechte Kreise bewarben Demo in Gmund

Auf die Öffnung habe er aus zwei Gründen verzichtetet: „Zum einen wegen der Aufrufe zu Demonstrationen vor meinem Lokal aus der rechten Szene.“ Beispielsweise hat der Brandenburger Kochbuchautor Attila Hildmann, der wegen rechtsextremer und antisemitischer Verschwörungsmythen in die Schlagzeilen geraten war, Becker zufolge auf dem Instagram-Account des Bistros zu Demonstrationen am Tegernsee aufgerufen. „Den Account habe ich gelöscht“, sagt Becker. Er wolle keine Randale, Sachschäden oder Verletzte und schon gar keine Verbindung zu Menschen „mit solch verwirrten Ansichten“.

Becker störte sich an „Hardcore-Corona-Jüngern“

Zum anderen – und das sei nicht minder ausschlaggebend für die Entscheidung gewesen, nicht zu öffnen – störte sich Becker am Gegenwind der „Hardcore-Corona-Jünger“. So bezeichnet der Bistro-Inhaber Bürger, die sich strikt an die geltenden Vorgaben halten und die aktuelle Linie der Regierung unterstützen. Gerade von diesen Menschen – „nicht von den Rechten“ – seien massive Drohungen ausgegangen, betont Becker. So sei ihm vorgeworfen worden, ein zweites Ischgl zu provozieren und Menschenleben zu riskieren. „Ein Anrufer hat mit verstellter Stimme angekündigt, dass auch meine Tochter noch Opfer der Pandemie wird“, sagt der Bistro-Chef. Ein anderer habe ihn gefragt, ob er die Leichenberge denn schon vergessen habe. Entsprechende Fernsehbilder aus Italien und den USA gab es bereits nach der ersten Welle im Frühjahr.

Bistro-Chef bestreitet Pandemie und widerspricht Wissenschaftlern

Becker selbst beantwortet diese Frage nicht, lässt stattdessen aber an seiner Haltung keinen Zweifel: „Inzidenzen weisen nicht auf Infektionen hin“, behauptet der Gastronom. Und: „Eine Pandemie gibt es aktuell nicht.“ Becker hält auch PCR-Tests für ungeeignet und den Virologen Christian Drosten für einen „Hochstapler“. Insgesamt erscheinen vor dem Bistro von Becker, der sich mit seinen Aussagen – auch das betont er – klar von Verschwörungstheorien und wirren Ansichten abgrenzen möchte, eine Handvoll Personen.

Besucher bezweifeln Übersterblichkeit

Das Besuchergrüppchen – darunter eine mit einer selbst getackerten Maske aus Klopapier gerüstete Dame – steigt auf dem Vorplatz des Cafés teilweise in die Diskussion ein. So tut beispielsweise ein Paar kund, dass es nicht damit einverstanden sei, „Angst zu schüren, obwohl es keine Übersterblichkeit gibt“. Statistiken der Corona Data Analysis Group (CoDAG) der LMU freilich widersprechen ganz klar dieser Aussage.

Polizei behielt Bistro im Auge

Abstände hält das Grüppchen, das sich in der ersten halben Stunde nach geplanter Öffnungszeit eingefunden hat, nur teilweise. Allein Becker selbst trägt eine Maske. Die Polizei Bad Wiessee steht mit einem Streifenwagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Bistros. Dienststellenleiter Thomas Heinrich verrät: „Wir haben den Einsatz früh genug begonnen, um situationsabhängig eingreifen zu können.“ Aktuell gehe es darum, das Geschehen zu beobachten. Zuvor hatte Becker die Polizei über eventuellen unerwünschten Besuch von rechtsextremen Demonstranten gewarnt. nap

Lesen Sie auch über die Ankündigung der Bistro-Öffnung mit anschließender Bekanntgabe des Rückziehers,

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