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Am gemieteten Schreibtisch in der Dürnbacher Coworkerei fühlt sich Tanja Brunnhuber wohl. Sie ist selbstständig, will aber nicht allein daheim am Küchentisch arbeiten.

Neues Konzept für Selbstständige ist sehr gefragt

So erfolgreich ist die erste Coworkerei am Tegernsee

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Gmund - Einfach mal spontan einen Schreibtisch anmieten – das geht seit Oktober bei der Coworkerei in Dürnbach. Aber wer braucht so etwas am Tegernsee? Viele, wie sich jetzt herausstellt.

Tanja Brunnhuber fährt wieder gerne zur Arbeit. Allein das Ins-Büro-Fahren war für die 41-Jährige Grund genug, sich bei der Coworkerei anzumelden. Morgens ins Auto steigen, woanders hinfahren, sich an einen Schreibtisch setzen und den Laptop aufklappen. Der Schritt trennt die Arbeitswelt vom Privatleben. „Es ist eine Form von Selbstorganisation“, sagt die Otterfingerin. 

Die Coworkerei ist das erste Angebot seiner Art im Landkreis. Flowmotion-Chef Florian Hornsteiner und seiner Partnerin Anja Freitag haben es aufgezogen. Die Räume befinden sich in dem neuen Flowmotion-Gebäude am Hoffeld in Dürnbach, also im Baugebiet Landbaderfeld (wir berichteten). Im Oktober war Eröffnung. Inzwischen sind acht von elf Arbeitsplätzen fest vergeben. 

Hornsteiner und Freitag scheinen den Nerv einer ganz neuen Unternehmer-Generation getroffen zu haben. Tanja Brunnhuber ist eine der acht festen Schreibtischmieter. Vor drei Jahren hat sie sich selbstständig gemacht. Brunnhuber betreut Kunden in Finnland und Australien, erstellt Tourismuskonzepte für ganze Regionen. Das kann sie am besten vor Ort – oder vom Laptop aus. Ein Büro braucht sie nicht. Telefonnummer und E-Mail-Adresse reichen. Bis Oktober arbeitete sie daher viel zu Hause oder pendelte nach München. Aber eine richtige Arbeitsatmosphäre wollte am Küchentisch nie aufkommen. Es fehlte die Struktur. „Ich habe oft zehn Stunden durchgearbeitet.“ An anderen Tagen das Gegenteil: Der Fernseher, das gute Buch, abzuspülendes Geschirr – das Privatleben war immer nur einen Handgriff entfernt. Und dann ist da noch die Einsamkeit. Ganz allein in der Wohnung am Laptop sitzen, kann auf Dauer ganz schön runterziehen. „In der Coworkerei habe ich Gleichgesinnte.“ 

Die Brüder Florian und Christopher Flach managen von dort aus ihre PR-Agentur. Karin Seidler ist selbstständige Immobilienmaklerin. In den Kaffeepausen sitzen sie eben nicht alleine am Küchentisch, sondern reden miteinander, tauschen sich aus, kooperieren. Und es kommen täglich neue Gesichter dazu, denn einige Arbeitsplätze werden noch tageweise vergeben. 

Diese neue Art Selbstständiger nennt Florian Brunner, Regionalmanager der Standort Marketing Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG), „Kleinstunternehmer der Kultur- und Kreativwirtschaft“. Darunter fällt so ziemlich jeder, der allein am PC sein Geld verdient – von Buchautor über Grafiker bis App-Erfinder. Ihr Vorteil: Sie sind intelligent, gut vernetzt und brauchen richtig wenig Platz, um ihr Geld zu machen. „Dafür gibt es auch an Tegernsee und Schliersee noch Wachstumspotenzial“, sagt Brunner. 

Bisher dachte man, dass die kreativen Mini-Unternehmer in Großstädten zu Hause sind. Weit gefehlt: „Ich will da arbeiten, wo ich zu Hause bin“, sagt Tanja Brunnhuber. „Alle Welt pendelt nach München, dabei ist es bei uns doch viel schöner.“ Auch SMG-Manager Brunner liegen Zahlen vor, die den Trend bestätigen: „Viele der jüngeren Generation studieren etwas in dem Bereich, wollen sich selbstständig machen und in ihre Heimat zurückkehren.“ Für weitere Coworkereien könne es durchaus einen Markt geben. Aber: „Das hängt auch stark vom Betreiber ab.“ Einfach nur ein paar Räume zur Verfügung stellen, das reicht nicht. „Unternehmer gehen dahin, wo es Betriebe gibt, wo es lebendig und kommunikativ zugeht.“ Das sei Hornsteiner und Freitag geglückt, auch weil die Coworkerei einen Stock über der Eventagentur Flowmotion liegt. Das lockt, schafft Vertrauen. Nur dann trauen sich die Jungunternehmer aus ihren Wohnungen. Das allein ist für Brunner schon ein Erfolg: „Das eigene Büro ist ein wahnsinniger Schritt Richtung Professionalisierung.“

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