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In seiner Paraderolle angekommen: Schauspieler Werner Rom aus Gmund, der am Neujahrstag seinen 70. Geburtstag feiert, entwickelt die Figur des Landrat Lorenz Schattenhofer in „Dahoam is Dahoam“ ständig weiter.

Zum 70. Geburtstag

"Dahoam is Dahoam"-Star Werner Rom im großen Interview

Gmund – Er ist der beliebteste Landrat Bayerns: Seit acht Jahren spielt der Gmunder Schauspieler Werner Rom den Lorenz Schattenhofer in „Dahoam is Dahoam“. Mit uns blickt er auf 50 Bühnenjahre zurück.

Die Rolle seines Lebens, die er selbst mitentwickeln darf ist freilich Lorenz Schattenhofer. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. Zum 50. Bühnenjubiläum dreht der Schauspieler richtig auf. Im Gespräch blickt Rom, der am Neujahrstag seinen 70. Geburtstag feiert, auf die Höhen und Tiefen seiner Karriere zurück und verrät, warum er gerne eine Landkreisbühne aufgebaut hätte. 

Herr Rom, wann standen Sie das erste Mal auf der Bühne? 

Auf der Bühne stand ich schon als Kind. Ich hatte sehr früh Interesse am Theaterspielen und kam so zur Jugend-Theatergruppe der katholischen Kirche in meinem Heimatort Lenggries. Die Gruppe habe ich dann auch ziemlich schnell geleitet. Denn bei mir war schon früh der Wunsch da, Volksschauspieler zu werden. Aber zuvor musste ich eine Lehre als Werkzeugmacher durchlaufen. Als Eleve stand ich dann 1965 auf der Sigfried Lindner Bühne in Gmund. Das war aber eher ein Versehen: Ich hatte mich für das Tegernseer Volkstheater beworben, aber mein Brief landete im Briefkasten der Lindner-Bühne, der direkt daneben hing. 

Sie sind als Schauspieler in einer Zeit bekannt geworden, als das Volkstheater einen regelrechten Boom erlebte: Wie war das für Sie? 

Damals hatten wir beim Tegernseer Volkstheater zwei Vorstellungen pro Woche im Stammhaus in Tegernsee und sind mehrere Wochen im Jahr auf Tournee gegangen. Im Jahr hatte ich durchschnittlich 280 bis 310 Vorstellungen in einem rollierenden Spielplan und mit bis zu fünf, sechs verschiedenen Stücken. Das hat großen Spaß gemacht, war aber auch anstrengend. Dabei darf man nicht vergessen, dass wir Schauspieler zudem den Bühnen-Auf- und Abbau gemacht haben. Sogar plakatiert haben wir. Darüber hinaus bin ich eine Zeit auf Permission gegangen. 

Das bedeutet? 

Dass ich die Tourneen zusammengestellt habe, indem ich die Säle gebucht und die Verträge ausgearbeitet habe, mich um die Unterkunft für die Truppe gekümmert habe, und so weiter. 

Sie waren also nicht nur Schauspieler, sondern auch Theatermacher? 

Mein Traum war es, mit all den hervorragenden Schauspielern und Regisseuren, die es im Tegernseer Tal und im ganzen Landkreis Miesbach gab, ein Landkreistheater aufzuziehen. Ich wollte alle hiesigen Profi-, Amateur- und Laien-Schauspieler auf eine gemeinsame Bühne zu bringen und zwar im schönen Schlierseer Bauerntheater. Aber das war alles sehr schwierig… 

Inwiefern? 

Das Problem war, dass die Gemeinden in Sachen Theater nicht kooperieren wollten. Es lief ja auch so alles bestens. Wir hatten drei Bühnen im Tal, die gut besucht waren. Eng wurde es, als die Säle zunehmend anderweitig gebraucht oder gar abgerissen wurden. Wie im Maximilian in Gmund, wo die Lindner Bühne ansässig war. Oder die in der Überfahrt und der Saal im Rottacher Rathaus, wo die Ludwig-Thoma-Bühne ihre Heimat hatte. 

Sie selbst haben sich in der Blütezeit des Volkstheaters, wo es mit dem Komödienstadl ein Millionenpublikum erreichte, mehr dem Fernsehen zugewandt. Warum? 

Ich war alleinerziehender Vater und konnte ich nicht jeden Abend auf der Bühne stehen oder gar auf Tournee gehen. Dass ich mir einen Job als Versicherungsvertreter gesucht habe, war auch eine Existenzfrage. Das habe ich 32 Jahre gemacht und anfänglich nur nebenher kleine Rollen beim Fernsehen angenommen. Das war machbar, aber es waren harte Zeiten. Letztlich hat mir das aber die Freiheit gegeben, Rollen abzulehnen, die mir nicht gefielen. Während ich auf der Bühne immer nur den naiven, komischen Liebhaber gespielt habe, bin ich durch den Wechsel zum Film in Charakterrollen reingekommen. Dabei habe ich auch den Unterschied zwischen dem Spiel auf der Bühne und vor der Kamera begriffen. 

Und der liegt wo? 

Auf der Bühne transportiert man die Geschichte zum Publikum. Beim Film nimmt die Kamera die Szene ab. Es ist ein anderes Spiel. Ich bin Autodidakt, habe viel bei erfahrenen Schauspielern zu- und abgeschaut und es dann umgesetzt. Und ich hatte das Glück, mit guten aber auch schwierigen Regisseuren zusammenzuarbeiten, die mir was zugetraut und mich gefordert haben. Der Weg zum Erfolg führt über Selbstzweifel. Das habe ich vom Theater fürs Fernsehen gelernt: Die Grundeinstellung zum Spiel ist wichtig, die Bereitschaft immer weiter zu lernen. Wir nennen das Ensemblegeist! 

Die bayerische Sprache war und ist Ihnen wichtig, nicht wahr? 

Sehr. Sie war für mich ein Integrationsmittel. Ich war ein so genannter lediger Bua. Als meine Mutter, eine Kölnerin, meinen Stiefvater kennenlernte, zogen wir nach Lenggries. Das war nicht einfach. Ich war ein Fremder, ein Zugereister! Ich habe damals alles getan, dass ich ein ,Doaiger‘ werd’ und als einheimisch anerkannt werde. Das ist der Grund, warum ich diese Sprache nicht ablegen wollte. Ich habe mich entschieden, dafür zu spielen: ein originales oder gewähltes Bairisch. Ich bin ein Menschendarsteller und spiele, wie ich die Menschen kenne und erlebe. 

Als Landrat in „Dahoam is Dahoam“ sind Sie sehr authentisch: Parteilos, aber nicht unpolitisch. Wie viel Rom steckt im Schattenhofer? 

Vom privaten Rom eigentlich nichts, obwohl ich meine Figur gestalten und entwickeln darf. Aber es gibt genügend Vorbilder in meinem Umfeld, die ich in die Rolle des Lorenz Schattenhofer einbringe. Übrigens hatte dieser Karriereschritt auch den Grund, dass ich mit meinen 70 Jahren nicht mehr so viel und lange arbeiten will. Ein Landrat muss eben nicht ganz so oft vor Ort sein wie ein Bürgermeister. Kurz gesagt: Weil ich ihn seit 2007 täglich spiele und weiterentwickle, gehört er mehr zu meinem Leben dazu, als ich in seines.

Das Gespräch führte Alexandra Korimorth

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