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Dem Rost zu Leibe gerückt

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Von: Gabi Werner

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Die Malschicht hatte durch den Rost stark gelitten, die Farbe wurde teils abgesprengt.
Die Malschicht hatte durch den Rost stark gelitten, die Farbe wurde teils abgesprengt. © Landesamt

Die Kapelle St. Leonhard in Festenbach gilt als wirkliches Kleinod im Voralpenraum. Jetzt haben sich Restauratorinnen des Landesamts für Denkmalpflege einer Votivtafel aus dem Jahr 1622 angenommen.

Festenbach - Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat ein besonderes Augenmerk auf das kleine Gotteshaus St. Leonhard in Festenbach und seine Ausstattung. Restauratorinnen des Landesamtes haben sich nun einer Votivtafel aus dem Jahre 1622 angenommen – der Zustand des Bildes hatte aufgrund der ständigen Feuchtigkeit stark gelitten. Behutsam haben die Expertinnen die Tafel in den vergangenen Monaten restauriert. Kürzlich ist sie in die Kapelle zurückgekehrt.

Nach der Restaurierung ist das Motiv, die Heilige Kümmernis, wieder deutlicher zu erkennen.
Nach der Restaurierung ist das Motiv, die Heilige Kümmernis, wieder deutlicher zu erkennen. © Landesamt

Die Votivtafel zeigt eine Szene aus dem Leben der Heiligen Kümmernis, einer bärtigen Frau in langem Gewand am Kreuz. Das Motiv ist in einer dünnen Farbschicht direkt auf eine Eisentafel gemalt. „In Verbindung mit Feuchtigkeit bildete sich Rost, der die Malschicht durchdrang, sie in Schollen abhob und sie letztendlich absprengte“, teilt Julia Steinbach, Sprecherin des Landesamtes, mit. Der dadurch entstandene Schaden war und ist deutlich zu erkennen: Das Gemälde ist in großen Bereichen verfärbt, das korrodierte Eisen lag an zahlreichen Stellen frei. „Im Fokus der Restaurierung stand die Festigung der Malschicht“, berichtet Steinbach. Auch die Farbfassung des Rahmens wurde gereinigt, die entstandenen Lücken wurden in der entsprechenden Farbigkeit geschlossen. Nach der Festigung der abgelösten Farbschollen hätten die Restauratorinnen schließlich einige Stellen in der Malschicht retuschiert, „um das Motiv deutlicher hervortreten zu lassen“. Die bestehenden Verfärbungen können laut Landesamt nicht rückgängig gemacht werden, der nun aufgebrachte Schutzüberzug soll jedoch die weitere Korrosion des Eisens in Zukunft deutlich verlangsamen.

St. Leonhard in Festenbach: Letzter Leonhardi-Umritt fand 2019 statt

Die Kapelle St. Leonhard in Festenbach, so teilt das Landesamt mit, wurde um 1649 als Mariahilf-Kapelle erbaut und 1799 erweitert. Sie befindet sich im Besitz des daneben gelegenen Schusterbauernhofs. Für gewöhnlich finden an der Kapelle alljährlich Leonhardi-Umritte statt – wegen Corona zuletzt im November 2019.

„Im Landkreis Miesbach gibt es einen reichen Bestand an Kapellen und auch an Bildstöcken“, berichtet das Landesamt für Denkmalpflege. Nicht alle seien aber so aufwendig ausgestattet wie die stattliche Leonhardikapelle in Festenbach. Früher hätten gut situierte Bauern oder Handwerker solche Andachtsstätten gebaut, um ihren Glauben alltäglich zu praktizieren. „Der kultische Gebrauch und der kontinuierliche Erhalt gehörten über Generationen zum Selbstverständnis“, sagt Steinbach. Heute hingegen mangele es vielerorts an der notwendigen Pflege.

Die Votivtafel mit der Heiligen Kümmernis zu erhalten, sei den Restaurierungs-Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ein Anliegen gewesen. „Ziel war es auch, hierdurch ein fachlich hohes Ausführungsniveau sicher zu stellen“, heißt es.

Lesen Sie hier: Debatte über Feuerwerksverbot.

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