Kiter am Tegernsee.
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Kiter am Tegernsee.

Wassersport am Tegernsee sorgt für Diskussionen

Kite-Surfer ärgern die Naturschützer

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Früh morgens flitzen sie dieser Tage mit dem Südwind über den See: Surfer, Kite- und neuerdings auch Foil-Surfer. „Gibt’s denn keine Seeruhe im Winter?“, fragen sich Naturschützer, die sich um die sensiblen Uferbereiche sorgen.

  • Wassersportler auch im Winter auf dem Tegernsee.
  • Naturschützer sorgen sich um sensible Bereiche.
  • Landratsamt will ein Konzept erarbeiten und noch heuer vorlegen.

Gmund – Wassersport nur im Sommer? Diese Zeiten sind längst vorbei. Sobald frühmorgens der Südwind am Tegernsee einsetzt, wird das Ufer bei St. Quirin zum Hot-Spot für Surfer, Kite-Surfer und neuerdings auch Foil-Surfer. Dazu kommen rund um den Tegernsee im weiteren Tagesverlauf etliche Stand-Up-Paddler, die sich in dicke Neopren-Anzüge packen, um auch im Winter ihren Spaß auf dem Tegernsee zu haben. Dass sie dabei auch in Schutzzonen eindringen, ist vielen Freizeitsportler nicht bewusst. Schon im vergangenen Herbst hatte Kristina Roedel (ÖDP) im Umweltausschuss des Kreistags angesichts der weiter zunehmenden Sportaktivitäten gefordert, die bestehende Schutzverordnung auszudehnen. Das Thema wurde damals nicht weiter diskutiert. Was ist aus ihrer Forderung geworden?

Schutzverordnung für den Tegernsee: Sie stammt aus dem Jahr 1995

Die Tegernseeschutzverordnung stammt aus dem Jahr 1995. Ihr zufolge ist es zwischen 1. April und 30. September untersagt, bestimmte Sperrgebiete zu befahren – sei es mit Surfgeräten, Segel-, Ruder- und Schlauchbooten, mit Luftmatratzen oder anderen Schwimmgeräten. Auch baden, tauchen oder schwimmen sind dort verboten. Zu diesen Sperrgebieten gehören der Bereich der Ringseeinsel sowie Schilfzonen in den Uferbereichen westlich der Insel auf Bad Wiesseer und Kreuther Flur, die Schilf- und Röhrichtzone an der Finner Bucht, beim Grundner Hof, westlich des Mangfallausflusses sowie im nördlichen Seebereich bei Kaltenbrunn. Aber auch zwischen Seeglas und nördlich von St. Quirin (bis zur Kreuzung der Bundesstraße 307 und den Bahngleisen) befindet sich ein geschützter Bereich, der durch Schilder an Land und Bojen im Wasser gekennzeichnet ist. Doch was ist in den Wintermonaten, die immer milder werden und Wassersportler geradezu anlocken?

Schutz vor sensiblen Uferbereichen am Tegernsee: Gelbe Bojen schützen - aber nur im Sommer

Im Sommer markieren gelbe Bojen die geschützten Uferbereiche. 2020 war von diesen Bojen nichts zu sehen. Sie seien wegen der Corona-Pandemie nicht ausgebracht worden, heißt es. Nun müssen die Ketten der Bojen wegen starkem Verschleiß ersetzt werden. „Die Untere Naturschutzbehörde hatte bei der Umweltausschuss-Sitzung 2020 schon darauf hingewiesen“, sagt Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamts. Geplant seien diesmal Edelstahlketten mit deutlich längerer Haltbarkeit. „Es wurden schon Angebote für die Ketten sowie neue Ankergewichte eingeholt und die Bereitstellung der erforderlichen Mittel beantragt“, so Stadler. Sobald die Mittel genehmigt und freigegeben seien, könnten die Bestellung erfolgen und nach Lieferung die Bojen gesetzt werden. Da dieses Mal das ganze Anker-Ketten-System neu im See verlegt werden müsse, seien mehrere Tage Arbeitszeit zu veranschlagen. „Wir hoffen, dass die Bojen bis Ende Mai im Wasser sind“, sagt Stadler. Von einem Bojen-System, das ganzjährig im See verbleibt, hält die Behörde wenig – zu teuer, zu aufwendig. Stadler: „Für ein Schutzkonzept im Winter wäre die erforderliche Abgrenzung ohnehin keine geeignete Lösung.“ Auch die alte Schutzverordnung müsste geändert werden.

Wasservögel am Tegernsee: Die meisten Tiere werden im Winter gezählt

Naturschützern sind der zunehmende Freizeitsport und die Missachtung der Schutzzonen längst ein Dorn im Auge. „Man müsste öfter kontrollieren und ein stimmiges Konzept mit Vollzug und empfindlichen Bußgeldern aufstellen“, fordert etwa der Gmunder Vogelexperte Wolfgang Hiller, der seit Jahrzehnten die Wasservögel am Tegernsee beobachtet. Gerade jetzt im Februar zählen er und seine Kollegen die meisten Wasservögel, „drei- bis fünfmal so viel wie im Sommer“, sagt Hiller. 1656 Wasservögel waren es im Februar 2020. Die aktuelle Zählung zwischen 13. und 17. Februar ergab einen Bestand von 1486 Tieren. „Darunter waren Besonderheiten wie Zwergsäger, Silberreiher, Brautenten, eine total weiße Stockente, Schellenten und Tafelenten“, berichtet Hiller. Er plädiert für ein neues Naturschutzkonzept für den Tegernsee und hat dem Landratsamt bereits Vorschläge unterbreitet. Die betreffen auch die Kiter, die sich mit den Einstiegsstellen in St. Quirin und im Strandbad Seeglas in unmittelbarer Nähe zu den Schutzzonen befinden. „Wenn sie mit ihren plakativen Segeln in der Luft sind, flüchten die Vögel und suchen Schutz, zum Teil auf der Südseite des Sees“, weiß Hiller. Im Norden sei dann kein Vogel mehr zu sehen. Seine Forderung: „Ein kleiner See wie der Tegernsee sollte für Kiter gesperrt werden, da keine störungsfreien Flächen wie auf dem Ammersee oder Starnberger See ausgewiesen werden können.“

Wassersport im Winter am Tegernsee: Landratsamt will Konzept erarbeiten

„Die Problematik der Winternutzung speziell durch Kite-Surfer und vermehrt Stand-Up-Paddlern ist der Unteren Naturschutzbehörde bekannt“, räumt Stadler ein. Die Forderung nach deutlich größeren Winterruhezonen sei also fachlich „absolut begründbar“. Konkrete Wünsche für Winterruhezonen mit einer ersten kartographischen Abgrenzung seien bereits an die Behörde herangetragen worden.

Noch in diesem Jahr soll ein entsprechendes Konzept hausintern diskutiert und – sofern ausgereift – den Kreisgremien zur Entscheidung vorgelegt werden, berichtet die Landratsamts-Sprecherin. Eine sichtbare Abgrenzung von großen Schutzzonen mittels Bojen quer über den See mache aus Sicht der Naturschutzbehörde aber keinen Sinn und sei technisch auch nicht leistbar. „Eine Verordnung müsste eher markante Landmarken heranziehen, die dann in der Natur nachvollziehbare Linien bilden“, erklärt Stadler.

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gr

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