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Gmund um 1900: Diese alte Postkarte zeigt einen Blick vom Gasteig aus auf Gemeinde und See.

Früher hieß der Ort ganz anders

Wie Gmund vor 90 Jahren seinen Namen bekam

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Gmund – Gmund hat Geburtstag: Am 14. Juni 1926 bekam die Gemeinde ihren Namen. Schuld war damals der Brief eines Lehrers. Das Jubiläum wird am Samstag groß gefeiert.

Die nördlichste Gemeinde am Tegernsee ist eingebettet in die Geschichte des ehemaligen Klosters: Noch bevor im 8. Jahrhundert das Kloster Tegernsee gegründet wurde, bestand der Ort schon als Urpfarrei. Weil die Gemeinde mit ihren bäuerlichen Betrieben wohl sehr gesund war, wurde sie 1274 dem Kloster einverleibt. Der ursprüngliche Name „Gimunda“ oder „Gmündt“ weist auf die Mündung der Mangfall hin. Der Ort, der 1805 sein Marktrecht erhielt und sich Tor zum Tegernseer Tal nannte, entwickelte sich rasch weiter. Handwerker wie Sattler, Tapezierer, Schmiede, Zimmerer und Schreiner gab es hier zahlreich, dazu kam früh die Kleinindustrie – ein Kupferwalzwerk, eine Papierfabrik, eine Maschinenfabrik eine Drahtstiftfabrik und eine Baumwollspinnerei.

"Damals war Ostin der Mittelpunkt"

Und dennoch: Das Landgericht Miesbach, das die Flächen gemäß dem Bayerischen Gemeindeedit von 1808 unter Minister Monteglas aufteilte, gab der Gemeinde den Namen Ostin. „Die Orte waren früher in sogenannte Hauptmannschaften, also Ansammlungen von Höfen, eingeteilt“, weiß Heimatpfleger und Gemeinde-Archivar Beni Eisenburg. „Und damals war Ostin der Mittelpunkt.“

So bekam Gmund seinen Namen: Lehrer Müller schreibt einen Brief

Gmund 2016: Noch immer gibt es viel Grün, auch mitten im Ort, wie diese Perspektive am Gasteig zeigt.

Dass dieses Zentrum 1926 dann doch Gmund wurde, ist dem Lehrer Franz Xaver Müller zu verdanken. Er kam 1898 nach Gmund, war 50 Jahre alt, Lehrer, Kantor, Mesner und Gemeindeschreiber. Müller war der Überzeugung, dass Gmund viele Pluspunkte aufzuweisen habe: mehr Bevölkerung als Ostin, die Papierfabrik, mehr Gewerbe, Sitz der Pfarrei und die Post und seit 1883 auch die Bahn. Einen Kompromiss Gmund-Ostin lehnte Müller in einem schriftlichen Gesuch, das er 1925 verfasste und an das Bezirksamt Miesbach schickte, ab. Er sei „weder Fisch noch Fleisch“. 

„Es lebe, blühe und wachse die Gemeinde Gmund.“

Müllers Wunsch: „Es lebe, blühe und wachse die Gemeinde Gmund.“ Sein Gesuch wurde genau geprüft und tatsächlich angenommen. Das Staatsministerium des Inneren genehmigte schließlich am 14. Juni 1926, dass die Gemeinde Ostin sowie die Ortschaft Gmund künftig den Namen Gmund am Tegernsee führen. Eine Veröffentlichung im Amtsblatt am 2. Juli machte die Änderung publik. „Das war der Beginn des Namens Gmund für den gesamten Gemeindebereich“, weiß Eisenburg. Valentin Schlander, vorher Gemeindevorsteher, bekam den Titel des Bürgermeisters.

"Gmund hat sich komplett gewandelt"

Seit dem Jahr 2000 reiht sich Georg von Preysing in die Liste der Amts-Nachfolger ein. „Ostin war früher tatsächlich stärker als Gmund“, wisse er aus Erzählungen. Und: Auch Dürnbach sei wegen der vielen Firmen bedeutend gewesen. Die Gebietsreform von 1978 erlebte Preysing selbst mit. Und heute? „Gmund hat sich komplett gewandelt, ist für Familien, Gewerbe und Betriebe äußerst attraktiv und bietet viele Arbeitsplätze.“ Dabei sei die Zahl der Bewohner mit aktuell 6397 seit 40 Jahren ziemlich konstant.

Zurück zu Lehrer Müller: Der wurde Ehrenbürger und ist auf dem Kirchenfriedhof begraben. Seine und viele andere Geschichten und Anekdoten erzählt Beni Eisenburg beim Festabend.

Der Festabend

zum 90-jährigen Bestehen der Gemeinde Gmund findet am Samstag, 11. Juni, ab 19.30 Uhr im Neureuthersaal statt. Der Abend wird als Hoagascht gestaltet. Die Erzählungen von Beni Eisenburg und Georg von Preysing lockern die Gmunder Stubnmusi, die Neureuther Musi und Franz Mayr jun. sowie die Jugendgruppe des Trachtenvereins D’Neureuther unter Begleitung von Marini Holzer auf. Der Eintritt ist frei, die Bewirtung übernimmt Josef Filser.

gr

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