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Elisabeth Winterholler präsentiert ein paar Exemplare der bairischen Fassung von "Schlaf gut, kleiner Wolf". 

Gmunderin hat Geschichte übersetzt

Kinderbuch gibt's jetzt auch auf Bairisch

Gmund - In insgesamt 50 Sprachkombinationen ist das Kinderbuch "Schlaf gut, kleiner Wolf" zu bekommen. Seit kurzem gibt es die Geschichte sogar auf Bairisch. Eine Gmunderin hat es übersetzt. 

Warum nicht auch auf Bairisch? Das fragte sich die Gmunderin Elisabeth Winterholler, als sie in einer Ausgabe der Heimatzeitung von einem zweisprachigen Kinderbuchprojekt las, das auf Wunsch mit insgesamt 50 Sprachen kombiniert werden kann.

„Schlaf gut, kleiner Wolf“ – so heißt das 26-seitige Buch des Lübecker Autors Ulrich Renz. Es ist für Kinder zwischen drei und fünf Jahren gedacht und handelt vom kleinen Tim, der sein Kuscheltier, einen kleinen Wolf, verloren hat. Tim macht sich in der Nacht auf die Suche und trifft andere Kinder, die ebenfalls nach ihren Lieblingsspielsachen Ausschau halten.

Soweit eine nette Geschichte, die obendrein liebevoll von der aus Bad Tölz stammenden und mittlerweile in München lebenden Künstlerin Barbara Brinkmann illustriert wurde. Das Besondere an dem Projekt aber ist, dass sich die Leser bei der Bestellung ihres Exemplars übers Internet ihre Wunsch-Sprachkombination aussuchen können. Wählen kann man aus Hochdeutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Latein, Isländisch, Ukrainisch, Persisch, Arabisch, Tigrinya, Hebräisch und vielen Sprachen mehr. Insgesamt 50 an der Zahl.

Somit ist die Geschichte in rund 2500 Sprachkombinationen verfügbar. Deutsch-Arabisch ist aktuell die meist bestellte Kombination. Gefragt ist sie vor allem, wenn es um die Integration von Asylbewerbern geht. „Das hat mich fasziniert“, erzählt Elisabeth Winterholler.

Die gelernte Bankkauffrau, deren Hobby es ist, Gedichte zu schreiben und auch für Familien- oder Betriebsfeiern das eine oder andere bairische Verserl zu reimen, dachte an die Asylbewerber im Tegernseer Tal, unter denen auch Familien mit Kleinkindern sind. Winterholler fragte sich, warum es von der Geschichte keine bairische Übersetzung gibt. Kurzerhand kontaktierte sie Autor Ulrich Renz und bot an, „Schlaf gut, kleiner Wolf“ ins Bairische zu übersetzen.

Der Autor war von der Idee, auch Dialekte in sein Projekt zu integrieren begeistert, und Winterholler machte sich ans Werk, übersetzte Geschichte und Klappentext: „Tim ko ned einschlaffa. Sei kloana Woif is fuad! Hod ea’n ebba draussn vagessn? Ganz aloa machd ea se auf in d’Nachd – und griagd auf amoi Gsejschafd…“ „Übersetzt war der Text in etwa einer halben Stunde“, erinnert sich Winterholler, „dann gingen aber noch einige E-Mails hin und her, weil die Illustratorin Barbara Brinkmann doch einige Worte anders schreiben wollte.“

So ist das mit Dialekten: Sie sind regional im Klangbild unterschiedlich eingefärbt und werden entsprechend anders geschrieben. Die Übergänge sind fließend und geradezu dynamisch. „Das war eine spannende Erfahrung“, sagt Winterholler.

Mit der Übersetzung ist für die 39-Jährige ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Denn seit sie „Asterix“ und „Max und Moritz“ auf Bairisch gelesen habe, habe sie so eine Übersetzungsarbeit „ogweicht“. Dass Winterholler das nun in Kombination mit 50 Sprachen umsetzen konnte, macht sie stolz und glücklich: „Das ist auch ein Beitrag zur Völkerverständigung.“

Details zum Buch

Ulrich Renz und Barbara Brinkmann: „Schlaf gut, kleiner Wolf“. Sefa, 26 Seiten; 6,99 Euro. Unter www.childens-books-bilingual.com können die Sprachkombinationen ausgewählt und die Bücher bestellt werden.

Alexandra Korimorth


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