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Ausrücken zur 50-Jahr-Feier: Bei ihrem Festzug 1927 erscheinen die Gmunder Feuerwehrmänner erstmals in Uniform und mit Messinghelm sowie ihrer neuen Standarte.

Ewige Debatte

Warum Gmund zwei Feuerwehren braucht

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Die Feuerwehr Gmund feiert ihr 140-jähriges Bestehen. Und auch die Feuerwehr Dürnbach bringt es schon auf 129 Jahre. Zwei Feuerwehren in einer Gemeinde – ist das nötig?

Gmund – Die zeitgemäße Ausstattung beider Feuerwehren verlangt der Gemeinde einiges ab. Gerade erst musste sich der Gemeinderat wieder mit der Anschaffung eines neuen LF 20 für die Feuerwehr Dürnbach befassen. Etwa 290 000 Euro sind zu stemmen, falls ein Staatszuschuss von 100 000 Euro fließt. Und auch die Feuerwehr Gmund muss ihr LF 8 ausrangieren und durch einen Geräte-Logistikwagen ersetzen. Kostenpunkt: 230 000 Euro. Die Ausschreibung läuft bereits. Überhaupt sind einige Anschaffungen in den nächsten 15 Jahren fällig, wie dem Feuerwehrkonzept für beide Wehren zu entnehmen ist.

Muss sich die Gemeinde Gmund tatsächlich zwei Feuerwehren leisten? Diese Frage ist ein heißes Eisen, das keiner gerne anpackt. Zuletzt kochte sie im Jahr 2008 bei einer Gemeinderatssitzung hoch, als die Planung für das neue Feuerwehrhaus in Dürnbach und damit eine richtungsweisende Entscheidung anstand. Der damalige CSU-Gemeinderat Johann Stückler sprach gar von einem „Wettrüsten“ der beiden Wehren. „Da ist tatsächlich noch einiges geboten in den nächsten Jahren“, sagt Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) mit Blick auf die Liste der Anschaffungen. „Aber beide Feuerwehren sind wichtig.“ Zudem handle es sich um gewachsene Strukturen, wie Johann Haslauer, Kommandant über 55 Aktive, angesichts der 140-jährigen Geschichte meint.

Das sagt Kreisbrandrat Anton Riblinger dazu:

Wie wichtig beide Wehren sind, erklärt Kreisbrandrat Anton Riblinger. Entscheidend für die Existenz beider Wehren sei die vorgeschriebene Einhaltung der Hilfsfrist von zehn Minuten. „Man geht von zwei Minuten Alarmierungszeit, drei Minuten Ausrück- und fünf Minuten Anfahrtszeit aus“, erklärt Riblinger. „Bei nur einer Feuerwehr, etwa in Dürnbach, ist das nicht zu schaffen, wenn es in Ostin brennt.“ Gmund habe ein großes Gemeindegebiet, daher seien beide Wehren nötig. Viele andere Gemeinden im Landkreis hätten ebenso mehrere Feuerwehren. „Kreuth etwa hat vier Löschzüge und vier Feuerwehrhäuser“, sagt Riblinger mit Bezug auf das Tegernseer Tal. Waakirchen müsse drei Feuerwehren unterhalten. 

Wann eine Anschaffung fällig ist, bestimme auch der TÜV: „Nach 25 Jahren sind die Fahrzeuge einfach fertig“, sagt der Kreisbrandrat. „Auch die Technik ist veraltet.“ Die Ausstattung der Feuerwehren sei eine Pflichtaufgabe der Gemeinden, wenn ein Fahrzeug mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat, gibt’s Zuschüsse vom Staat. Die ausgemusterten Fahrzeuge werden meist weiterverkauft. Und auch die Feuerwehren selbst zahlen mit. Meist sind sie in einen Verein eingebettet, der zugleich als Förderverein agiert und auch um Spenden in der Bevölkerung trommelt.

Die Feuerwehren seien ein Erbe der Gemeindezusammenlegung von 1978, weiß Franz Huber, Kommandant der Feuerwehr Dürnbach mit bis zu 110 Aktiven. Der Freistaat habe damals festgelegt, dass Einrichtungen wie Wasserversorgungsvereine, Jagdverbände oder Feuerwehren nicht fusionieren müssen. Müssen nicht, aber können – falls sich eine Gemeinde freiwillig dazu entscheidet. „In Gmund geht’s einfach nicht mit nur einer Wehr“, ist Huber überzeugt. Die unterschiedlichen Industriegebiete, die Ansiedlung der Brauerei an der Kreuzstraße, würden neben dem ganz normalen Brandschutz hohe Anforderungen an die Feuerwehren stellen, etwa beim Thema Atemschutz. Allerdings gibt’s für die Betriebe an der Mangfall eine eigene Werkfeuerwehr. Sie besteht aus Mitarbeitern und wird von der Papierfabrik Louisenthal finanziert.

„Wir sind Mädchen für alles geworden“, sagt Huber und berichtet von einem kuriosen Fall, der sich erst kürzlich ereignete: „Ein Greifvogel war an eine Autoscheibe geflogen und hatte sich wohl verletzt. Wir mussten dann den Greifvogel suchen.“ Für Preysing ist die Existenz beider Feuerwehren unverzichtbar. Er ist zugleich dankbar: „Man muss heutzutage froh sein, wenn sich jemand ehrenamtlich engagiert.“

Die Geschichte der Feuerwehr Gmund 

Vor 140 Jahren beginnt die Geschichte der Feuerwehr Gmund, als sich am 24. Mai 1877 ein paar Landwirte und Handwerker im damaligen Gasthof Herzog Maximilian zur Gründung treffen. Schon ein Jahr nach der Gründung wird die Wehr mit einer Handdruckspritze ausgestattet. Sie wird in der Remise des Gasthofs untergebracht, der damals Mittelpunkt des Ortes ist. 1902 entsteht das erste Feuerwehrhaus – gleich gegenüber vom Maximilian, dem heute als „Schlecker-Parkplatz“ bekannten Areal. 

Bis 1912 rückt die Mannschaft schon mit zwei Handdruckspritzen sowie zwei Leitern aus, die mit einer Steighöhe von 14 Metern ausgestattet sind. Zum 50-jährigen Bestehen bekommen die Männer dann eine ordentliche, zeitgemäße Ausstattung: Uniformen und Messinghelme sowie eine Standarte. Der Kauf einer Motorspritze steht für das Jahr 1932 in der Chronik, sogar ein eigener Motorspritzenzug wird dafür gegründet. 

Wie überall, trifft das NS-Regime auch die Gmunder: Weil sämtliche Vereinsfahnen verboten werden, lässt man sich eine List einfallen und tarnt die Feuerwehr-Standarte erfolgreich als Kirchenfahne. 1934 wird die Pflicht-Feuerwehr eingeführt, vier Jahre später heißt es für 120 bis 150 verpflichtete Männer: „Feuer-Lösch-Polizei marsch“. Die meisten Feuerwehrler sind eingezogen, alle anderen müssen mit ausrücken. Neun Mal muss sie nach Bombenangriffen nach München eilen, insgesamt verliert die Wehr elf Mitglieder. Gute Nachrichten stehen für die Jahre 1952 und 1958 in der Chronik: Zwei Motorspritzen werden angeschafft. 

Über einen kuriosen Einsatz im Jahr 1959 schmunzeln die Feuerwehrler noch lange: Weil kein Löschwasser zur Verfügung steht, muss auf dem Steinberghof mit Jauche gelöscht werden. Der intensive Geruch in den neuen Spritzen erinnerte lange daran. 

1961 wird das erste Tanklöschfahrzeug angeschafft, ein Jahr danach ein großer Mannschaftswagen (LF8) sowie 1964 ein kleiner Mannschaftswagen. 1978 erfolgt nach zweijähriger Bauzeit der Umzug ins neue Feuerwehrhaus an der Hirschbergstraße, wo die Feuerwehr Gmund seither zuhause ist.

Gefeiert wird das 140-jährige Bestehen im kleinen Kreis am Samstag, 18. November: Mit einem Gottesdienst und einer Feier im Gasthof am Gasteig.

gr

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