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Vernichtende Kritik an der EZB übte Hans-Werner Sinn (r.). G&D-Chef Walter Schlebusch hatte ihn zum „Tegernseer Dialog“ eingeladen.

Ex-Ifo-Chef Sinn beim "Tegernseer Dialog"

Warum die EZB den 500er wirklich abschaffen will

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Gmund – Ex-Ifo-Chef Hans Werner Sinn lieferte beim "Tegernseer Dialog" eine spannende Erklärung für die neue Bargeld-Politik der Europäischen Zentralbank.

Für Hans-Werner Sinn liegt die Antwort klar auf der Hand: Es gehe nicht um den Kampf gegen die Kleinkriminalität, sondern in Wahrheit allein um die Negativzinsen. „Die EZB“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler in Louisenthal, „wird durch die Existenz des Bargelds in ihrer Negativzinspolitik gestört.“

Die Zuhörer, die auf Einladung des Technologiekonzerns Giesecke & Devrient (G&D) nach Gmund gekommen waren, um mehr über die aktuelle Geldpolitik in der Euro-Zone und ihre Folgen zu erfahren, staunten nicht schlecht über Sinns Erklärungen. Die EZB unterbiete mit ihrer zügellosen Zinspolitik die Kapitalmärkte und ziehe das Zinsgefüge immer weiter nach unten, momentan auf minus 0,4 Prozent. Das lasse sich nicht beliebig fortsetzen, denn Bargeld biete Schutz vor negativen Zinsen. Es lasse sich physisch in Tresoren horten, wie es beispielsweise Unternehmen wie die Munich Re als weltweit größter Rückversicherer tun.

„Die Tresorkosten sind die Untergrenze für den Negativzins“, sagte Sinn – und stellte dann den rechnerischen Zusammenhang her: „Wird der 500-Euro-Schein abgeschafft, muss man auf 200-Euro-Scheine umsteigen und braucht damit zweieinhalb Mal so viel Platz für die Lagerung der gleichen Geldmenge.“ Die Tresorkosten erhöhen sich entsprechend, und der Negativzins könnte damit ebenfalls um das Zweieinhalbfache steigen. „Und wenn das nicht reicht“, sagte Sinn provokant, „schaffen wir halt auch noch die 200 Euro ab.“

Überhaupt ging er mit der EZB hart ins Gericht. Die Zentralbank sei völlig losgelöst und greife in die Hoheitsbefugnisse der Staaten ein. „Es wird immer absurder“, stellte er fest. „Die Politik muss die EZB endlich in die Schranken weisen.“

Bei der anschließenden Diskussion mit G&D-Geschäftsführungsmitglied Ralf Wintergerst, Oliver Flaskämper von Bitcoin Deutschland und Michael Ilg vom Sparkassenverlag gab es zwar keine Lösung für die europäische Schuldenkrise. In einem Punkt waren sich die Experten aber einig: Bargeld wird bis auf Weiteres seinen festen Platz im Zahlungsverkehr haben.

sh

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