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Die Schäffler zogen ihre Tänze am Faschingsdienstag durch.

"Das Leben geht weiter"

Fasching trotz Zugunglück: So sehen es Veranstalter im Tal

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Tegernseer Tal - In Miesbach sorgt das Faschingstreiben für Wirbel: Die Stadt hätte die Feier am Dienstag angesichts des Unglücks in Bad Aibling absagen müssen, finden viele. Auch am Tegernsee war einigen nicht nach Party zumute. 

"Ekelhaft" findet eine Leserin auf Facebook das bunte Treiben am Miesbacher Marktplatz am Faschingsdienstag. Während einige Kilometer weiter in Bad Aibling noch Verletzte und Tote aus den Trümmern der kollidierten Meridian-Züge geborgen wurde, vergnügten sich die Narren bei der von der Stadt veranstalteten Faschingsfeier - und lösen damit eine Welle der Entrüstung aus.

Auch am Tegernsee hat man sich wegen der Katastrophe und der anstehenden Partys Gedanken gemacht. Abgesagt wurde aber nichts. Auffällig war allerdings: Überall ging es ruhiger zu als sonst. Im Vergleich zu den Vortagen war der Andrang zum Beispiel bei der Bräustüberl-Faschingsparty ab 12 Uhr überschaubar. Freie Tische, kaum Gedränge, gemütliche Stimmung. Und ja: Bräustüberl-Wirt Peter Hubert hat sich am Dienstagmorgen überlegt, die Feier ganz abzusagen. „Wir haben dann geschaut: Was machen die anderen?“ Und die feierten, zumindest was München anging. Also hat sich auch das Bräustüberl-Team gegen den Abbruch entschieden. „Das ist ja auch mein Geschäft“, sagt Hubert: „Letztendlich muss dann jeder für sich selbst entscheiden, ob er unter den Umständen noch Fasching feiern möchte.“

Auch die Gmunder Schäffler haben ihre nur alle sechs Jahre stattfindenden Tänze durchgezogen. Die Tänzer hätten sich schon Gedanken gemacht, ob eine Absage angebracht wäre. "Wir wollten den Leuten aber trotzdem unseren traditionellen Tanz zeigen", sagt Schäffler Peter Huber. Dafür habe es auch viel Zuspruch von den Zuschauern gegeben, so der Gmunder. Den Auftritt im Krankenhaus Agatharied haben die Schäffler allerdings ins Absprache mit der Klinik abgesagt. Schließlich wurden dort Verletzte des Zugunglücks behandelt.

Genau diese Grenze würde auch Bernd Ettenreich, Chef der Gmunder Seegeister, ziehen. Mit "viel Feingefühl" hätten die Seegeister über ihre Feiern nachgedacht - und sich letztlich dafür entschieden."Wäre das bei uns im Landkreis passiert, hätten wir auch alles abgesagt." So gingen aber der Seegeister-Kehraus im Neureuthersaal und die verschiedenen Auftritte über die Bühne. "Das Leben geht weiter." Man habe es aber an den Besuchern gemerkt. "Das waren so wenig wie noch nie."

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