Dr. Christian Pawlak Betriebsarzt aus Gmund
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Dr. Christian Pawlak: Betriebsarzt aus Gmund.

Dr. Christian Pawlak im Interview

Firmen brauchen Geduld: Betriebsarzt aus Gmund erklärt schleppenden Impfstart

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Seit Montag impfen auch die Betriebsärzte im Landkreis. Doch mal wieder verläuft der Start deutlich schleppender als von der Politik angekündigt. Das sind die Gründe.

Gmund/Landkreis – Impfen zwischen Kopierer und Kaffeeküche: Seit Montag ziehen auch die Betriebsärzte die schützenden Spritzen auf. Doch mal wieder verläuft der Start deutlich schleppender als von der Politik angekündigt. Der Grund – wie eigentlich immer: zu wenig Impfstoff. Auch der Gmunder Allgemeinmediziner Dr. Christian Pawlak, der für 30 Firmen von einem bis 800 Mitarbeitern im Landkreis und darüber hinaus zuständig ist, muss sich in Geduld üben. Wie er diesen Mangel verwaltet und wie die Betriebe mit der Unsicherheit umgehen, erklärt Pawlak im Interview.

Herr Dr. Pawlak, wann haben Sie die ersten Mitarbeiter geimpft?

Dr. Christian Pawlak: Am Mittwoch. Früher wäre es rein logistisch gar nicht möglich gewesen, da wir immer erst am Montag mit Impfstoff beliefert werden. Am Dienstag haben wir einen kleinen Impfmarathon in der Praxis hingelegt, dann ging’s zusammen mit einer Kollegin zum ersten Unternehmen.

Sind Sie da schon komplett durchgekommen?

Dr. Christian Pawlak: Nein. Weil es eine größere Firma ist, hat die Menge an Impfstoff nicht für alle angemeldeten Mitarbeiter ausgereicht.

Wie groß war die Enttäuschung bei denen, die leer ausgegangen sind?

Dr. Christian Pawlak: Da haben wir natürlich schon vorgebaut und versucht, möglichst früh die Realitäten darzulegen. Es ist ganz einfach so, dass wir nach wie vor eine Impfstoffknappheit haben. Und da wir immer nur pro Arzt, aber nicht pro Betrieb bestellen können, ist es nur logisch, dass wir bei größeren Firmen nicht alle auf einmal impfen können. Das wäre ohnehin strategisch nicht besonders günstig.

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Warum?

Dr. Christian Pawlak: Obwohl wir in den Unternehmen bislang nur Biontech verwenden, kann man Impfreaktionen bei den Mitarbeitern nicht ausschließen. Deshalb sollte man sich da besser aufteilen und die Termine staffeln. Nicht, dass am Ende ganze Abteilungen flachliegen.

Apropos Organisation: Wer entscheidet denn, wer wann dran kommt?

Dr. Christian Pawlak: Die Reihenfolge der Besuche in den Unternehmen legen wir als Praxis fest, um die interne Organisation kümmern sich die Firmen. Das hat bislang auch wirklich reibungslos geklappt. Auch daran merkt man, dass die Impfbereitschaft groß ist.

Können Sie das an Zahlen festmachen?

Dr. Christian Pawlak: Aus Datenschutzgründen nicht. Wir erfahren ja nicht, wie viel Prozent der Belegschaft beispielsweise schon beim Hausarzt oder im Impfzentrum versorgt wurden. Die Nachfrage seitens der Firmen ist aber schon hoch.

Wie priorisieren Sie selbst?

Dr. Christian Pawlak: Wir versuchen, pragmatisch vorzugehen. Natürlich sollen die, die sich schon früh mit einem guten Konzept gemeldet haben, schnell dran kommen. Wir müssen aber auch darauf achten, die verfügbare Menge an Impfstoff möglichst effektiv und ressourcenschonend einzusetzen. Deshalb raten wir kleinen Betrieben mit nur einigen wenigen Mitarbeitern, diese am besten zu uns in die Praxis zu schicken. Weil wir aus einer Flasche Biontech nur eine sehr begrenzte Zahl an Impfdosen ziehen können, besteht sonst die Gefahr, dass uns etwas übrig bleibt, was wir nicht mehr anderweitig verwenden können.

Der Transport selbst ist aber mittlerweile kein Problem mehr, oder?

Dr. Christian Pawlak: Zum Glück nicht. Wir verwenden einfach die Kühlcontainer, mit denen uns die Apotheken beliefern. Damit kommen wir bei den meist kurzen Anfahrtswegen gut zurecht.

sg

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