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Georg von Preysing, Bürgermeister von Gmund.

Landrat setzt Flüchtlinge vor Kanzleramt ab

Bus nach Berlin: Bürgermeister drohte damit schon vor Monaten

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Gmund - Was der Landshuter Landrat am Donnerstag in die Tat umsetzte, hat sich Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing schon vor Monaten überlegt. Warum er dann doch keine Flüchtlinge zum Kanzleramt schickte:

Erst war es nur eine Drohung, dann machte er ernst: Peter Dreier, Freie Wähler-Landrat in Landshut, setzte am Donnerstag 31 syrische Flüchtlinge in Busse und schickte sie Richtung Berlin. Das Ziel: das Kanzleramt, besser gesagt Angela Merkel. Er könne den anerkannten Asylbewerbern keine Unterkunft mehr zur Verfügung stellen, begründet Dreier die Aktion. Eine Form des Protest gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die Georg von Preysing gut verstehen kann. Schließlich hat der Bürgermeister von Gmund mit einer solchen Aktion schon vor Monaten gedroht. Warum es dabei blieb, erzählt er im Interview.

Herr Preysing, empfinden Sie Sympathie für den Landshuter Landrat?

Die Aktion ist zwar ungewöhnlich, aber ich kann's verstehen. Wenn unsere liebe Bundeskanzlerin immer sagt, "kommt nur alle", dann soll sie auch die Konsequenzen tragen.

Im November haben Sie bei einem Asyl-Infoabend gesagt, dass sie überlegen, einen Bus zu organisieren, der die Flüchtlinge direkt zum Kanzleramt fährt. Landrat Dreier hat's gemacht. Warum Sie nicht?

Ja, das habe ich gesagt, da stehe ich dazu. Und ich habe auch mit dem Gedanken gespielt, es zu machen. Eine solche Aktion tatsächlich umzusetzen, ist aber noch einmal etwas anderes.

Dreier hat das Ganze eine "Verzweiflungsaktion" genannt. Waren Sie angesichts der Flüchtlingssituation auch schon mal verzweifelt?

Bei uns ist es noch nicht so weit, dass man verzweifeln muss. Bei uns in Gmund ist die Situation gerade noch erträglich.

Bei dem Infoabend haben Sie auch die Problematik angesprochen, dass sie als Gemeinde anerkannten Asylbewerbern eine Wohnung bieten müssen. "Die stehen dann in Gmund vor dem Rathaus", waren ihre Worte. Ist das schon mal vorgekommen?

Nein. Aber es ist so, dass ein anerkannter Asylbewerber das Recht hätte, als Obdachloser von der Gemeinde eine Wohnung zu bekommen.

Und könnten Sie etwas anbieten?

Nein, unsere Obdachlosenunterkunft ist belegt. Und die Gemeinde hat keine freie Wohnung.

Wenn sich die Situation verschärft, denken Sie dann wieder über Protest nach?

Wissen Sie, die Situation ist ja nicht ganz neu. Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir uns vorbereiten können. Gmund will ein Haus sanieren oder bauen, dass sozial schwachen Einheimischen und anerkannten Flüchtlingen zur Verfügung steht. Wobei man bedenken muss, dass diese Flüchtlinge laut Experten eher in die Städte ziehen. Das kann ich momentan einfach nicht abschätzen.

Das bedeutet aber auch, dass sie hoffen, das der Zustrom an neuen Flüchtlingen heuer nachlässt.

Natürlich, das wäre Voraussetzung. Wenn die Flut nicht abklingt, werden die Sammelunterkünfte für neue Flüchtlinge benötigt, die anerkannten, die sogenannten Fehlbeleger müssen raus und die Gemeinde ist wieder in der Pflicht.

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