Absolviert eine Ausbildung zum Konditor: Elhadji Sow aus Mali. Er kam 2015 nach Gmund und fand damals in der früheren Seeturnhalle eine vorübergehende Bleibe.
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Absolviert eine Ausbildung zum Konditor: Elhadji Sow aus Mali. Er kam 2015 nach Gmund und fand damals in der früheren Seeturnhalle eine vorübergehende Bleibe.

Elhadji Sow absolviert Lehre zum Konditor

Junger Flüchtling hat in Gmund Fuß gefasst - ob er bleiben darf, ist unklar

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Elhadji Sow war einer von 31 Asylsuchenden, die 2015 in der Seeturnhalle in Gmund eine vorübergehende Bleibe fanden. Der junge Mann aus Mali hat in Gmund Fuß gefasst - dennoch führt er ein Leben zwischen Bangen und Hoffen.

  • Elhadji Sow aus Mali kam 2015 als Flüchtling nach Gmund
  • Heute absolviert der junge Mann in Dürnbach eine Ausbildung zum Konditor
  • Ob Elhadji Sow dauerhaft bleiben darf, ist nach wie vor unklar

Gmund – In diesen Tagen dreht sich in Weiler’s Patisserie in Dürnbach alles um Zwetschgendatschi. Elhadji steht an der Ausrollmaschine, einer Art überdimensionales Nudelholz, und streut pudriges Mehl auf die Teigstücke, ehe er auf den grünen Knopf rückt. Dann nimmt er die ausgerollten Teigstücke von der Maschine und legt sie in ein Blech. „Mürbteig rollen mach’ ich gerne“, sagt Elhadji, und seine Augen leuchten.

Dass er sich hier wohlfühlt – für den Moment – sieht man ihm an. Seit August 2019 absolviert der junge, schlacksige Mann bei Markus Weiler (52) eine Ausbildung zum Konditor. „Er ist ein super Azubi“, lobt ihn Weiler. „Er ist ehrgeizig und kann schon mehr wie manch anderer Geselle.“ Er habe sich schon früh dafür eingesetzt, dass Geflüchtete eine Chance bekommen, berichtet Markus Weiler und deutet hinüber zu Saleh aus Eritrea, der an der Maschine zum Entsteinen von Zwetschen steht. 400 Kilo müssen an einem Tag geschafft werden. Im Gegensatz zu Elhadji macht Saleh seinen Job nur als Aushilfe. „Er hat’s versucht, aber eine Lehre zu machen, war ihm doch zu schwer“, sagt Weiler.

Das Alter von Elhadji ist anfangs umstritten

Bei Elhadji ist das anders. Er ist zehn oder zwölf Jahre alt, als er die Heimat verlässt. Heimat, das war einmal Mali. Über Libyen sei er auf einem Schlauchboot geflüchtet, dann in Italien gestrandet. Mit dem Zug kam er nach Deutschland, blieb ein halbes Jahr in München, ehe er zu jenen 31 Personen zählt, die im März 2015 ein Stockbett in der damaligen und inzwischen abgerissenen Seeturnhalle beziehen. Weil seine Geburtsurkunde gestohlen wird, hat er Probleme sich auszuweisen.

Sein Alter ist anfangs umstritten. „Er lief erst als Erwachsener“, erinnert sich Dr. Otmar Straßmüller, der sich von Anfang an im Helferkreis um die Geflüchteten in Gmund kümmert und auch medizinische Aufgaben übernimmt. Erst später wird Elhadjis Alter mit 18 bestätigt. Sechs Monate lebt er in der Turnhalle, ehe er bei einer Familie unterkommt. Er macht verschiedene Praktika, unter anderem in Kfz-Werkstätten, und findet schließlich in der Patisserie bei Markus Weiler einen Beruf, der ihn begeistert. Dass er, der nur seine Muttersprache Fulfulde sprach und nie eine Schule besuchte, dank Helferkreis so schnell Deutsch sprechen und schreiben lernte, dass er hier seinen Hauptschulabschluss schaffte, kam ihm zugute.

Nach der Arbeit in der Konditorei geht Elhadji gerne kicken

Heute lebt der junge Mann aus Mali zusammen mit weiteren Geflüchteten in einem Haus in Dürnbach. Damit er auch die Berufsschule schafft, bekommt er einmal wöchentlich Nachhilfe von der Kolpingsfamilie. Die Berufsschule sei schwer, sagt Elhadji, der sich nach seiner täglichen Arbeit in der Konditorei nicht nur mit Lernen beschäftigt, sondern auch leidenschaftlich gerne Fußball spielt. Von der A-Jugend sei er nun zu den Herren der SF Gmund aufgerückt, erzählt er stolz, wo er mal in der Defensive und auch als Stürmer kickt.

„Ich möchte bleiben“, sagt Elhadji und weiß, dass das noch lange nicht sicher ist. Vorerst habe er eine Bleibeberechtigung, merkt Dr. Otmar Straßmüller an. Diese gelte nach Beendigung seiner Lehre 2022 noch zwei Jahre.

Helfer greifen den Geflüchteten noch immer unter die Arme

Was den Helferkreis betrifft, so greife der harte Kern von sechs bis acht Gmundern den Geflüchteten immer noch unter die Arme. „Wir arbeiten nicht gegen die Gesetze, sondern versuchen immer das Mögliche“, beschreibt Straßmüller die Arbeit. Von den Geflüchteten „der ersten Stunde“ seien einige in Gmund untergekommen. Über eine Art „Flüsterpost“ würden die Einsätze koordiniert. Die „Tee-Stunde“ in einem von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Raum an der Wiesseer Straße sei aber eine feste Einrichtung. Jeden Montag zwischen 16 und 18 Uhr sind die Türen dort geöffnet.

Elhadji hat Fuß gefasst, so scheint es. „Eine Abschiebung“, sagt sein Arbeitgeber Markus Weiler, „würde keinen Sinn ergeben.“

gr

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