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Die Gmunder Gebirgsschützenkompanie, hier unter anderem mit Hauptmann Robert Stumbaum (r.) an der Spitze beim Skapulierfest, braucht mehr junge Mitglieder.

Sie sehen sich als Beschützer vor "mutwilligem Einzug"

Gebirgsschützen werben mit viel Patriotismus um Nachwuchs

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Gmund - Die Gebirgsschützenkompanie Gmund hat eine lange Tradition, sieht sich als Wahrer hiesigen Kultur. Doch den Hauptmann plagen Sorgen: Die Mitgliederzahlen stagnieren. Deshalb gibt's jetzt eine Werbeoffensive.

Die 3600 Haushalte in Gmund, denen der Gemeindebote ins Haus flatterte, halten ihn schon in den Händen: den farbigen Flyer der Gmunder Gebirgsschützen. „Woher wir kommen und für was wir heute stehen“ lautet der Titel unter dem Bild, das die Kompanie beim Ausrücken anlässlich des Skapulierfestes in Gmund zeigt. Der Flyer wurde mit einer Auflage von 5000 Stück gedruckt, soll nach und nach verteilt werden und der Kompanie zu neuen Mitgliedern verhelfen.

Sorgen ausgerechnet in einer der traditionsreichsten Kompanien, die durchgehend seit 1623 existiert, so lange wie keine andere? Eine Kompanie mit derzeit 301 Mitgliedern, die nach Waakirchen und Tegernsee die drittstärkste Kompanie im acht Kompanien umfassenden Mangfall-Leitzach-Gau darstellt? „Der Altersdurchschnitt macht mir Sorgen“, sagt Hauptmann Robert Stumbaum (69) ganz offen. Er liegt bei 58 Jahren, auch 90-Jährige sind dabei. Das mache Probleme beim Ausrücken. Immerhin zwischen 110 und 120 Mann, inklusive Marketenderinnen, Musikern und Spielmannszug sind bei den größten Anlässen wie dem Patronatstag dabei. Zu den wichtigen Terminen zählen auch das Skapulierfest, der eigene Jahrtag und die Gedenkfeier an die Sendlinger Mordweihnacht 1705 an Heiligabend. Dazu kommen etwa 15 bis 20 kleinere Ausrücktermine, wie die Teilnahme an Jahrtagen anderer Kompanien und zu den Partnerkompanien nach Eppan in Südtirol oder Fritzens in Tirol. Doch die Reihen könnten sich lichten, wenn nicht mehr Nachwuchs kommt.

Stumbaum und seine Hauptmannschaft trauen sich ganz offen an das Thema heran, das vielen Vereinen zu schaffen macht. „Junge Leute können mit den traditionellen Werten, die wir Gebirgsschützen verkörpern, offenbar nichts mehr anfangen“, bedauert Stumbaum. „Werte wie Brauchtum, Kultur, unsere Sprache, unser Liedgut, die Treue zu Gott und der Kirche.“ Dabei sei es gerade in der heutigen Zeit mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik wichtig, das Bewusstsein für traditionelle Werte in der Bevölkerung zu schärfen, findet der Gmunder, der zugleich Gau-Hauptmann, Adjutant des Landeshauptmanns Karl Steininger und geschäftsführender Offizier im Bund Bayerischer Gebirgsschützen ist. „Denn nur wer die eigene Kultur kennt, kann sich auch mit anderen auseinandersetzen.“ Zu den Grundwerten gehöre auch, „sich an unsere Kultur und unsere Grundgesetze zu halten“, betont Stumbaum mit Blick auf aktuelle Asyl-Zwischenfälle. Und er nimmt kein Blatt vor den Mund: „Wenn wir uns nicht äußern, wer dann?“ Schließlich waren es Gebirgsschützen, die schon Ende des 15. Jahrhunderts das Land Bayern mit wehrhaften Bürgern und Bauern vor „mutwilligem Einzug und Beschädigungen“ beschirmten. 

Die Idee dieser Gebirgsschützen ist geblieben: nämlich die Verteidigung ihrer Heimat, ihrer Familien und ihres Besitzes – wenngleich natürlich nur symbolisch, friedlich und freundlich: Über Grenzen hinweg zelebrieren die Gebirgsschützen in Bayern, Tirol, Südtirol und Welschtirol alle zwei Jahre beim Alpenregionstreffen ihren Zusammenhalt – heuer in Waakirchen (vom 30. Juni bis 3. Juli).

Wer also Mitglied bei den Gebirgsschützen wird, den erwartet eine gesellige Gemeinschaft von Kameraden, die aus einem Holz geschnitzt ist und Zusammenhalt demonstriert. Weil früher das Schießen die Voraussetzung für den Einsatz in der Landesverteidigung war und noch heute sinnbildlich für die Wehrhaftigkeit steht, messen sich alle Gebirgsschützen bei freundschaftlichen Wettbewerben. Das regelmäßige Üben dafür steht ebenso im Programm.

Robert Stumbaum hofft, mit dem Flyer den ein oder anderen jungen Einheimischen neugierig zu machen. „Volljährig sollte man schon sein“, sagt Stumbaum. Bei der Ausstattung mit der Montur, die mit allem was dazugehört immerhin rund 800 bis 1000 Euro kostet, könne die Kompanie notfalls mit ihrer Kleiderkammer aushelfen. Dies gelte auch für die Waffe.

Kontakt: Robert Stumbaum, 08022/75744, per E-Mail an robert-stumbaum@live.de.

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