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Wird vermietet: der erste Stock im Gmunder Bahnhof. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.  

Gemeinde Gmund vermietet 95 Quadratmeter 

Freie Wohnung im Bahnhof - aber keiner will sie

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Gmund - Drei Zimmer mit Balkon, Berg- und Seeblick: Das Kommunalunternehmen Gmund vermietet eine neu renovierte Wohnung im Bahnhof – doch kaum einer hat Interesse. Auf Ursachensuche.

Wer hätte das gedacht: Da wird eine Drei-Zimmer-Wohnung im ersten Obergeschoss mit Balkon, Berg- und Seeblick zur Miete angeboten, doch kaum einer interessiert sich dafür. Auch das gibt’s am Tegernsee, wo Wohnungen normalerweise heiß begehrt sind. Noch dazu bei diesem Preis: Zehn Euro pro Quadratmeter kostet die Wohnung, zuzüglich Betriebs- und Heizkostenvorauszahlung von monatlich 150 Euro und zwei Monatsmieten Kaution vorab. 

Die Lage: im Zentrum, mit perfektem Anschluss an den Öffentlichen Personennahverkehr. Genauer gesagt: Die Wohnung befindet sich im Bahnhof, der dem Gmunder Kommunalunternehmen gehört. Das Haus ist ein Schmuckstück und steht unter Denkmalschutz. Laut Beschreibung in der offiziellen Denkmalschutzliste handelt es sich um einen „zweigeschossigen Flachsatteldachbau mit Neurenaissance-Putzgliederung und südseitigem Giebelrisalit, um 1883“.

Die Wohnung im ersten Stock wurde bereits im Gemeindeboten inseriert. „Doch es meldete sich niemand“, sagt Geschäftsleiter Florian Ruml. Also ließ die Gemeinde ein nicht zu übersehendes Inserat in der Zeitung platzieren. Doch wieder war die Resonanz dürftig. „Bis jetzt haben wir nur eine schriftliche Bewerbung vorliegen, vier oder fünf Leute haben sich telefonisch erkundigt“, berichtet der Gmunder Kämmerer Georg Glas, Ansprechpartner für das Objekt. Er habe sich auch schon Gedanken gemacht, warum sich kaum einer für die Wohnung interessiere, dabei sei sie top renoviert. 

Liegt es am Bahnhof selbst? An den Zügen, die teils halbstündlich unten vorbeifahren? An der Wartehalle im Erdgeschoss? Am geplanten Hotel, das südlich der Gleise entstehen soll? Oder an der Tourist-Info (TI), die sich im Haus befindet? Die TI hat ihre Räume ebenerdig, eine Wendeltreppe führt hinauf in den ersten Stock, wo sich ein weiterer kleiner Raum für die TI befindet. „Die bisherigen Interessenten akzeptieren die Situation“, sagt Glas.

Der Bahnhof war schon immer auch Wohnhaus. Früher hätten Mitarbeiter der Tegernsee Bahn darin gewohnt, so Glas. Zuletzt stand die Fläche im ersten Stock lange leer. Denn auch für eine Gewerbevermietung interessierte sich keiner.

Die Gemeinde, beziehungsweise ihre Kommunalunternehmen, ließ sich die Sanierung eine stattliche Summe kosten. Glas spricht von einem fünfstelligen Betrag, eine genaue Summe will er nicht nennen.

Ein Angebot, um Asylbewerber unterzubringen? Wohl kaum, findet Geschäftsleiter Ruml. Außerdem seien aktuell alle Flüchtlinge in der Gemeinde untergekommen,auch jene, die noch in der alten Seeturnhalle gewohnt haben. Was die Wohnung im Bahnhof betrifft, so habe man sie dem Landratsamt, das wegen der geplanten Schließung der Traglufthallen in Rottach-Egern und Holzkirchen eigentlich dringend Wohnraum bräuchte, nicht explizit angeboten. Das Landratsamt habe sich aber auch nicht von sich aus interessiert, meint Glas. Und das, obwohl das Landratsamt laut Sprecher Birger Nemitz „aufgrund der Auflösung der Traglufthallen grundsätzlich an sämtlichen Unterbringungsmöglichkeiten interessiert ist“.

Dennoch sucht die Gemeinde weiter nach Wohnraum – sowohl für Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch läuft, als auch für Familien oder sozial schwächere Bürger. In der jüngsten Ausgabe des Gemeindeboten bittet Bürgermeister Georg von Preysing sogar darum, sich im Rathaus zu melden, falls jemand eine Wohnung privat vermieten würde. Ihr eigenes Wohnhaus, das die Gemeinde gerade an der Hirschbergstraße baut, ist erst Ende 2017 fertig. 14 Wohnungen werden darin vermietet. Interessenten dafür sind schon da. Was den Bahnhof betrifft, so lassen geeignete Mieter offenbar auf sich warten.

gr

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