+
Marodes Wahrzeichen: Der Mangfallsteg musste wegen gravierender Schäden gesperrt werden. Nun hat der Gemeinderat beschlossen, eine neue Brücke aus Holz errichten zu lassen. 

Gemeinderat entscheidet sich für Holzkonstruktion

Nach überraschender Sperrung: Neuer Mangfallsteg soll schnell kommen

  • schließen

Anfang April musste die Gemeinde den Holzsteg über die Mangfall nach einer Routine-Kontrolle überraschend sperren. Jetzt hat der Gemeinderat entschieden, möglichst schnell eine neue Brücke zu bauen.

Gmund – Die Gemeinde hatte keine andere Wahl: Bei einer Routine-Kontrolle waren Anfang April gravierende Fäulnisschäden am Brückenaufbau im Bereich der Wasserwechselzone festgestellt worden. Die Stand- und Verkehrssicherheit war nicht mehr gegeben, Bürgermeister Alfons Besel (FWG) musste sofort die Sperrung anordnen. Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, die erneut im Neureuthersaal stattfand, zeigte der von der Gemeinde beauftragte Planer Sepp Schreder Möglichkeiten für einen Neubau auf. „Eine Sanierung ist nicht sinnvoll“, schickte Schreder seiner detaillierten Vorstellung voraus. Er empfahl die Erneuerung in gleicher Bauweise wie bisher – aus Holz.

Die Konstruktion könnte aus zwölf bis 14 Meter langen, 30 Zentimeter starken Lärchenholz-Pfählen bestehen, auf die im oberen Bereich Träger aus Stahl befestigt werden. Obendrauf der Bodenbelag, bestehend aus acht Zentimeter breiten Lärchenholzbrettern. Diese könnten auf Wunsch mit einem Verschleißbelag versehen werden.

Gründung wegen des schwierigen Untergrunds die größte Herausforderung

Schreder empfahl, die derzeit 56 Meter lange Brücke mit einer Längsneigung von sechs Prozent in einer begehbaren Breite von 2,50 statt wie bisher 1,50 Metern zu errichten. Damit wäre Begegnungsverkehr möglich. Die bis zu 1,5 Tonnen belastbare Brücke könnte so konstruiert werden, dass ein Austausch der Pfähle möglich wäre. Die Gründung sei wegen des schwierigen, aus Seeton-Schluff und Sand bestehenden Untergrunds, die größte Herausforderung, so der Planer. Das Brückengeländer, bestehend aus Längshölzern und einem Deckbrett, müsste wegen aktueller Vorschriften mindestens 1,30 Meter hoch werden. Bisher betrage die Höhe gerade mal 99 Zentimeter.

Nahe am Steg soll ein Einlaufwerk für den Hochwasserschutz entstehen

Als Alternative zur Holzkonstruktion brachte Schreder Rammpfähle aus Stahl ins Gespräch, die eine gut 70-jährige Lebensdauer hätten. „Die Optik ist eine andere Frage.“

Mit Kosten zwischen 250.000 und 350.000 Euro, inklusive Abbau der alten Brücke, muss die Gemeinde bei einer Holzkonstruktion rechnen. Die Stahlversion wäre um bis zu 50.000 Euro teurer. Dazu kommen etwa 20.000 Euro für das nötige Bodengutachten sowie weitere Planungskosten in Höhe von 70.000 Euro.

Georg Rabl (FWG) war für die Holzkonstruktion wie bisher. „Die Brücke hat einen Erkennungswert“, meinte Rabl. Seit 1954 gibt es an dieser Stelle einen Steg über die Mangfall. Eine größere Reparatur wurde 1985 durchgeführt, 2005 war der Belag erneuert worden.

Gemeinde Gmund hält Neubau trotz Corona für finanziell machbar

Zwar wurden angesichts der kürzeren Lebensdauer von Holz auch andere Möglichkeiten, wie etwa die Ummantelung von Stahlträgern mit Holz, diskutiert, doch eine Holzbrücke gefiel den Gemeinderäten am besten. „Die Brücke ist ein Wahrzeichen von Gmund. Wir sollten uns nicht verkünsteln, sondern den Neubau schnell auf den Weg bringen“, schlug Josef Stecher (FWG) vor.

Vize-Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU) war der gleichen Meinung, ebenso CSU-Sprecher Franz von Preysing, der nichts davon hielt, den Neubau weiter hinaus zu schieben. Allerdings hatte er angesichts der Finanz-Situation, die sich wegen der Corona-Krise wohl auch in Gmund verschlechtern werde, auch die Kosten im Blick. „Gibt das unser Haushalt her?“, fragte er den Kämmerer. Georg Dorn nickte: „Bis dato wäre es tragbar“. Und auch der Rathauschef hielt den Neubau für machbar, wenn an derer Stelle eine Investition eingespart würde.

Hier finden Sie alle aktuellen Informationen über die Corona-Krise im Landkreis Miesbach

Auch wenn sich Michael Huber (Grüne) angesichts von Kosten und Langlebigkeit noch weitere Informationen zu alternativen Baustoffen wie etwa Beton gewünscht hätte, so wollte der Rathauschef dennoch eine Entscheidung herbeiführen. Gegen vier Stimmen wurde beschlossen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. In einer zweiten Abstimmung waren letztlich alle für eine Holzkonstruktion. Die Ausschreibung des Projekts soll folgen. Möglichst bis Weihnachten soll ein neuer Mangfallsteg stehen. Eine vorübergehende Stabilisierung des Stegs, für die mindestens 20.000 Euro nötig wären, hielt keiner für sinnvoll.

gr

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unbekannte decken sich mit Ortsschildern in Waakirchen ein
Wer braucht den sowas? Unbekannte Langfinger haben mehrere Ortsschilder von Waakirchen geklaut. Und das ist noch nicht alles.
Unbekannte decken sich mit Ortsschildern in Waakirchen ein
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 95-Jähriger erliegt Covid-19
Die Corona-Pandemie hat den Landkreis Miesbach bayernweit anfangs mit am stärksten getroffen. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 95-Jähriger erliegt Covid-19
Gladbach verzichtet auf Sommer-Trainingslager am Tegernsee
Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach verzichtet in diesem Jahr auf die gewohnte Saisonvorbereitung am Tegernsee.
Gladbach verzichtet auf Sommer-Trainingslager am Tegernsee
Stadtrat wundert sich über Gabionen am August-Macke-Platz - Bürgermeister klärt auf
Eine Gabionen-Mauer trennt seit geraumer Zeit die Flaniermeile am August-Macke-Platz von der Bundesstraße. Wie kommt‘s?, wollte Neu-Stadtrat Marcus Staudacher (Grüne) im …
Stadtrat wundert sich über Gabionen am August-Macke-Platz - Bürgermeister klärt auf

Kommentare