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An der Einmündung in die Mangfall soll eine Druckleitung installiert werden. Mit ihrer Hilfe kann der Seepegel abgesenkt werden, wenn ein Hochwasser zu erwarten ist.

Erstes Treffen von neuer Arbeitsgruppe

Gemeinsam für den Hochwasserschutz

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Gmund - Eine unterirdische Druckleitung in der Mangfall soll künftig den Hochwasserschutz am Tegernsee übernehmen. Nach der Präsentation des Projekts im Mai kommt nun die Planung in Gang

Im Neureuthersaal in Gmund, dort, wo das Wasserwirtschaftsamt mit einer Info-Veranstaltung zu den Hochwasserregulierungs-Plänen im Juli 2013 ziemlich baden gegangen war, fand jetzt ein neues Treffen statt. Diesmal saßen Personen an einem Tisch, die alle das gleiche Ziel verfolgen: Sie wollen, dass das im Mai vorgestellte neue Konzept zur Hochwasserregulierung des Tegernsees funktioniert und allen Belangen gerecht wird.

Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim hatte zur Teilnahme an diesem Arbeitskreis eingeladen, und nun machen unter anderem Vertreter aller Tal-Gemeinden, Fischerei-Fachberater beim Bezirk Oberbayern, Vertreter des Landratsamts aus den Abteilungen Naturschutz und Wasserrecht sowie die Büttenpapierfabrik und der Verein „Rettet den Tegernsee“ mit. „Die Teilnehmer sollen sich kennenlernen, sollen Themen benennen, die ihnen wichtig sind“, sagt Paul Geisenhofer, Leiter des WWA. Folge-Treffen sind vorgesehen, auch eine Bürgerbeteiligung und „zu gegebener Zeit“ eine Bürgerversammlung.

Inzwischen wurde ein Ingenieurbüro, das nach einer EU-weiten Ausschreibung ermittelt wurde, mit der Vorentwurfsplanung beauftragt. 2016, so hofft Geisenhofer, soll diese vorliegen. „Das geht nicht so schnell, schließlich handelt es sich um ein völlig neues, anspruchsvolles Konzept. Dieses sieht eine unterirdische Druckleitung vor, die vom Mangfallsteg in Gmund bis zum Schuhmacherwehr unter der Mangfallsohle verlegt werden soll.

Mit diesem „unterirdischen Staubsauger“ soll 24 Stunden vor einem prognostizierten Hochwasser zusätzlich Wasser abfließen. Damit wird der Seepegel reguliert. Ziel ist es, die Seeanlieger und im Endeffekt auch die Unteranlieger der Mangfall vor Überflutung zu schützen. Der Verein „Rettet den Tegernsee“, der seit 2013 für einen vernünftigen Hochwasserschutz kämpft, bezeichnet das neue Konzept als Erfolg.

Vorsitzender Andreas Scherzer ist fast ein wenig stolz: Seit der Gründung des Vereins nach dem Pfingsthochwasser waren er und seine Mitstreiter vom WWA noch als ewige Nörgler und Verhinderer der staatlichen Pläne betrachtet worden. Nun sitzen sie mit der Behörde in einem Boot. Die Mitglieder Peter Kathan, Sepp Grieblinger und Friedrich Joachim wurden vom WWA sogar zu einer Info-Fahrt eingeladen. Ziel war der Thunersee in der Schweiz, wo der See so reguliert wird, wie es die Behörde für den Tegernsee plant: mit einer Druckleitung. Am Thunersee funktioniert dieses Konzept schon seit 2009. „Der See im Berner Oberland ist allerdings fünfmal so groß wie der Tegernsee, hat aber fast identische Merkmale“, berichtet Scherzer.

Schneller Anstieg des Seepegels, hochwertige Bebauung des Seeufers, Flachwassergebiet am Auslauf des Sees. „Ähnlich wie bei uns trat der See bei längeren, starken Niederschlägen schnell über die Ufer, da die Abflusskapazität der Aare beschränkt war.“ Durch den Entlastungsstollen steigt der See seither weniger hoch an. „Die Druckleitung ist wahrscheinlich die beste Lösung für den Tegernsee“, ist Scherzer nun überzeugt. Protest erfolgreich, Ziele erreicht?

 „Noch nicht ganz“, sagt Scherzer, wenngleich der Verein jetzt nicht mehr ganz so laut trommeln muss. Die Überwachung der Pegelstände, ein Ausbaggern der Mangfall, die Beseitigung der Brückenreste, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Abflussbereich der Mangfall liegen und das Schaffen von Retentionsflächen in den Weißach-Auen seien bleibende Forderungen, „damit das Schadensausmaß durch kommende Hochwasser deutlich kleiner ausfällt“. Scherzer sieht es an der Zeit, sich bei allen Mitstreitern zu bedanken – deren Zahl inzwischen auf 140 angewachsen ist. Aber auch bei Paul Geisenhofer, dem Leiter des Wasserwirtschaftsamts. Er hat den Verein schließlich doch ins Boot geholt und jetzt an den Tisch des Arbeitskreises. 2018 soll der Bau der Leitung beginnen.

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