Die Familie Becker will in ihrem Bistro ab Montag wieder Gäste empfangen und verstößt damit bewusst gegen die Corona-Auflagen: (v.l.) Hans Becker und Marion Sander-Becker mit ihren Kindern Dominik und Sara.
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Die Familie Becker will in ihrem Bistro ab Montag wieder Gäste empfangen und verstößt damit bewusst gegen die Corona-Auflagen: (v.l.) Hans Becker und Marion Sander-Becker mit ihren Kindern Dominik und Sara.

Betreiber kann Maßnahmen nicht nachvollziehen

Protest gegen Corona-Lockdown: Bistro bleibt nun doch geschlossen - „niemals mit rechter Szene solidarisieren“

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Hans Becker wollte sich querstellen. Trotz Verlängerung des Lockdowns wollte er sein Bistro wieder öffnen. Von der rechten Szene bekam er dafür Zuspruch. Deshalb hat sich der Wirt nun doch umentschieden.

  • Wegen der Verlängerung des Corona-Lockdowns muss auch die Gastronomie weiter geschlossen bleiben.
  • Ein Wirt aus Gmund wollte das zunächst nicht akzeptieren - er kündigte für Montag die Öffnung seines Bistros an.
  • Wegen Zuspruch aus der rechten Szene soll das Restaurant nun doch geschlossen bleiben.

Update vom 10 Januar, 14.34 Uhr: Eigentlich wollte Gastronom Hans Becker sein Bistro aus Protest gegen den Corona-Lockdown am Montag öffnen - nun verzichtet der Wirt aus Gmund aber doch darauf. Der Grund: Die rechte Szene habe diese Aktion als Plattform nutzen wollen.

Becker will sich davon jedoch klar distanzieren. „Um Gotteswillen keine Reichsfahne vor unserem Café!“, so der Wirt am Sonntag.

Auch auf der Facebook-Seite des Restaurants hat sich Becker inzwischen zu den jüngsten Ereignissen geäußert. „Das Interesse war bundesweit riesig und wir erhielten eine große Anzahl positiver Rückmeldungen“, heißt es dem Post unter anderem. „Leider gab es in den letzten beiden Tagen eine Entwicklung, die unseren ursprünglichen Absichten zuwider läuft und wir deshalb unser Kaffee/Bistro nicht mit gutem Gewissen öffnen können“, schreibt der Wirt weiter.

Lockdown in Gmund: Wirt will sich nicht mit rechter Szene solidarisieren - Bistro bleibt doch geschlossen

Über die „unterschiedlichsten Kanäle“ habe er erfahren, dass die rechte Szene in Deutschland die Aktion als Plattform nutzen wolle. Deshalb bleibe das Bistro weiterhin geschlossen. „Niemals werden wir uns mit der rechten Szene und anderen unterirdischen Protestakteuren solidarisieren.“

Zuletzt hatte auch ein Sportartikelhändler angekündigt, seine Läden ab Montag zu öffnen. Nach Zuspruch aus der rechten Szene machte er ebenfalls einen Rückzieher.

Ursprünglicher Artikel vom 7. Januar

Gmund – Hans Becker macht aus seinen Plänen kein Geheimnis: Auf Facebook und Co. hat er kund getan, dass sich in seinem „Das Becker’s“ in Gmund die Kunden nicht länger mit „To Go“ zufrieden geben müssen. Ab Montag sei das Lokal, das im Frühjahr in der neuen Ladenzeile an der Tegernseer Straße aufgemacht hat, wieder geöffnet. „Wir freuen uns auf Euch. Kommt zahlreich und zeigt der Politik, dass auch Ihr keine Lust mehr dazu habt, Euch permanent vorschreiben zu lassen, wann Ihr was machen dürft“, so die plakative Aufforderung an die Gäste in den sozialen Netzwerken.

Gmund: Gastronom will trotz Lockdown-Verlängerung öffnen - „Politik läuft in die falsche Richtung“

Auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung untermauert Becker, der das Café gemeinsam mit seinem Sohn betreibt, seine Haltung. Die Corona-Maßnahmen der Regierung – ab Montag nunmehr verschärft – seien weder hilfreich noch nachvollziehbar, sagt Becker und fügt mit Blick auf die Gastronomie hinzu: „Wir sind nicht für das, was die Regierung eine Pandemie nennt, verantwortlich.“

Er stehe weder politisch rechts, noch leugne er die Existenz des Virus’, stellt der 70-Jährige klar. Für die aktuellen Maßnahmen aber fehle ihm aus Sicht der Gastronomie, die alle Hygiene-Maßnahmen umgesetzt habe, und auch ganz persönlich das Verständnis. „Kreuz- und querdenken“, findet Becker, sei in diesen Zeiten angebracht. „Ich will ein Zeichen setzen, dass die Politik in die falsche Richtung läuft.“

Corona-Lockdown in Gmund: Wirt freut sich auf Bußgeldbescheid - und will ihn anfechten

Der Ärger des Geschäftsmannes ist so groß, dass er auch die zweifellos drohenden Bußgelder in Kauf nimmt. Bis zu 5.000 Euro Strafe blühen dem Betreiber laut Bußgeldkatalog, wenn er sein Lokal am Montag tatsächlich aufsperrt und Gäste bewirtet. „Ich würde mich sogar über einen entsprechenden Bußgeldbescheid freuen“, sagt Becker und kündigt schon jetzt an, sich gegen einen solchen Bescheid zur Wehr zu setzen und den Streit – falls nötig – bis hin zum Europäischen Gerichtshof ausfechten zu wollen.

„Ich würde es drauf ankommen lassen“, erklärt der Wirt, der die Corona-Verordnungen ohnehin für gesetzeswidrig hält und auch dabei war, als vor einigen Wochen in Berlin gegen die Verabschiedung des neuen Infektionsschutzgesetzes demonstriert wurde.

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Gmund: Wirt will trotz Corona öffnen - seine Gäste will er jedoch nicht gefährden

Becker betont aber auch: Er wolle seine Gäste weder gefährden, noch riskieren, dass diese ebenfalls – unwissentlich – eine Geldstrafe kassieren. Er werde daher die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln in seinem Bistro einhalten und darüber hinaus seine Besucher explizit auf die Gefahr einer Kontrolle und eines Bußgeldes aufmerksam machen.

Corona in Gmund: Gastronom Becker rechnet mit 10 bis 15 Gästen - „mehr kommen eh nicht“

Den großen Ansturm erwartet Becker im Übrigen nicht: „10 bis 15 Leute – mehr kommen eh nicht“, schätzt der Gastronom, der weiterhin auch eine To-Go-Karte anbieten möchte. Auf seine Protest-Aktion habe er bisher nach eigenen Worten überwiegend positive Reaktionen erhalten, aber auch einige negative.

Becker stellt klar: Mit der Öffnung gehe es ihm nicht darum, Umsatz zu machen („ich verdiene damit keinen Cent“), sondern darum, wach zu rütteln. „Wir selbst haben noch ein paar Rücklagen und können noch ein paar Wochen überleben“, sagt der Geschäftsmann. Er habe aber auch viele Freunde und Bekannte in der Branche, die bereits pleite seien.

Öffnung trotz Lockdown: Bistro in Gmund muss mit baldiger Kontrolle rechnen

Wie lange die Protest-Aktion des „Becker’s“ anhalten wird, ist unklar. Vermutlich wird der Bistro-Betreiber schon zeitnah mit einer Kontrolle rechnen müssen. Wenn die Polizei – aus welcher Quelle auch immer – von einem solchen Verstoß Wind bekomme, „werden wir selbstverständlich dort vorbei schauen“, kündigt Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, an.

Bistro in Gmund: Polizei stellt klar: „Sind gezwungen, die Öffnung zu unterbinden

Die Polizei werde zudem Kontakt mit dem Landratsamt Miesbach als zuständiger Behörde aufnehmen, um das weitere Vorgehen in dem Fall zu besprechen. Es gehe dabei nicht nur um das Verhängen eines Bußgeldes. „Wir sind ja auch gezwungen, die Öffnung zu unterbinden“, sagt Sonntag.

Das bestätigt auch Sophie Stadler, Sprecherin des Landratsamtes: Eine Kontrolle sei in solchen Fällen unabdingbar. „Es gibt viele, die unter den Einschränkungen leiden“, sagt Stadler. Es sei daher ein Gebot der Fairness, dass wirklich alle die Regeln einhalten müssten.

Eltern hingegen kritisieren die Ferien-Absage, die mit der Verlängerung des Corona-Lockdowns einhergeht. Ihre Aussage: Der digitale Unterricht läuft „recht gut“. Alle aktuellen Entwicklungen der Corona-Krise im Landkreis Miesbach finden Sie in unserem News-Ticker

(gab)

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