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Bietet wenig Platz für Radfahrer: die Tegernseer Straße in Gmund.

Debatte um Neugestaltung der Tegernseer Straße

Zu wenig Platz für Radler

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Gmund will eine fahrradfreundliche Kommune sein. Doch bei der Umsetzung hat die Gemeinde Probleme, wie ein aktueller Fall zeigt.

Gmund– Die Großbaustellen an der Tegernseer Straße in Gmund haben inzwischen ein Gesicht und nähern sich in großen Schritten ihrer Fertigstellung. Jetzt sind noch die Straßen- und Gehwegflächen dran, doch die Gemeinde muss ihre Planung überarbeiten, wie sich jetzt im Ortsplanungsausschuss gezeigt hat.

Josef Harraßer vom Bauamt legte einen Plan vor und machte damit auch die größte Schwachstelle in der Ortsmitte sichtbar: zu wenig Platz. 

Vorgesehen waren drei Längsparker direkt vor dem neuen Gebäudekomplex „Vivace“ von Christian Werth. Wegen der Bushaltestelle, die künftig nicht mehr nur provisorisch, sondern dauerhaft beidseitig an der B 307 auf Höhe des Maximilian-Anwesens situiert ist, müssten die Parkplätze weiter Richtung Max-Obermayer-Straße rutschen. Doch dieseEinmündung hat sich zum neuralgischen Punkt entwickelt. Daher soll zum einen die Kreuzung aufgeweitet, zum anderen die Max-Obermayer-Straße bis zum Bahnübergang neu gestaltet werden: Der Gehsteig am Werth-Anwesen soll künftig ebenerdig mit der Fahrbahn verlaufen, ein Zeiler aus Granit soll in die Fahrbahn eingebracht werden, um optisch Sicherheit zu bieten. Hier sind zudem fünf Senkrecht-Parkplätze angesiedelt. Eine Haltelinie und ein Mittelstrich auf der Max-Obermayer-Straße sollen den Autofahrern eine bessere Orientierung beim Einbiegen auf die B 307 bieten.

Straßengestaltung in Gmund: Radlweg oder Parkplätze?

„Und wo ist der Radlweg?“, platzte es aus Christine Zierer (FWG) heraus. „Wir wollen uns radlfreundliche Kommune nennen und bauen alles nur für die Autofahrer? Diesen Weg kann ich nicht mitgehen“, protestierte sie. Die vorgelegte Planung sei nicht richtig, die Gemeinde müsse sich neue Gedanken machen, so Zierer, die den Bedarf der drei Längsparker anzweifelte. „Unten am Volksfestplatz haben wir genug Parkplätze. Es muss doch drin sein, ein paar Meter zu gehen, das ist auch in München machbar.“

So sieht das Gmunder Radlkonzept aus

Barbara von Miller (SPD) zeigt sich zudem verblüfft, was die Gestaltung der Platzsituation vor dem Werth-Komplex betrifft. „Wir wollten den Platz doch offen haben, jetzt gibt es da Absenkungen und Treppen. Haben wir kein Mitspracherecht?“ Bauamtsleiterin Christine Wild klärte auf: Im Bebauungsplan gebe es dazu keine Regelung. Auch seien die drei Längsparker lediglich ein Wunsch der Gemeinde, um Geschäftskunden das kurzzeitige Parken zu ermöglichen.

Franz von Preysing (CSU) sprang aufs Thema Radverkehr auf: „Radeln durch Gmund-City ist sowieso der Wahnsinn. Da muss man absteigen, etwas anderes werden wir nicht hinkriegen.“ Für die Geschäfte seien Parkplätze wichtig, „sonst haben wir wieder Leerstände und nichts gewonnen.“ 

Auf seine Nachfrage erklärte Bürgermeister Alfons Besel (FWG), dass die Tiefgarage im Werth-Bau zu den Geschäftszeiten öffentlich zugänglich sein müsse. 

Radweg durch Gmund: Woher den Platz nehmen?

Auch dem Rathauschef war klar, dass die Längsparker eine Gefahr für Radfahrer darstellen würden. Doch woher ein gemeinsames Pflaster für Radler und Fußgänger nehmen? Der Gehweg hier ist nur zwei Meter breit, für eine gemeinsame Nutzung muss er mindestens vier Meter haben. Besel plädierte für die Kurzzeitparkplätze und verwies auf das Dilemma der beengten Verhältnisse im Ort. Sein Vorschlag lautete: Entscheidung zurückstellen und den Plan unter dem Gesichtspunkt der Fahrradfreundlichkeit überarbeiten. Harraßer, der sich darüber nun den Kopf zerbrechen muss, zeigte sich skeptisch: „Die Flächen werden nicht mehr.“

Die ganze Problematik zeigt sich auch beim Anwesen Much, wo eine passable Lösung für Radfahrer und Fußgänger noch längst nicht in trockenen Tüchern ist. „Auch hier wird der Weg nicht breiter“, so Harraßer.

Einstimmig wurde dann beschlossen, dass schon zur Gemeinderatssitzung am 18. Februar eine überarbeitete Planung mit einer fahrradfreundlichen Wegeführung vorliegen soll.

gr

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