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Mann erfüllt schwerkranker Freundin großen Wunsch - Nach ihrem Tod will er anderen eine Freude machen

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Glück auf einem Rad: Felix Gatzka hat die Joelette, einen Wanderrollstuhl, an den Tegernsee geholt, um seiner an ALS erkrankten Freundin Sarah Wanderungen in die Berge zu ermöglichen. Nun verleiht er die Joelette an andere Pflegebedürftige. Das Foto links zeigt Sarah und Felix (h.r.) beim ersten Joelette-Test mit Freunden in den Dolomiten.
Glück auf einem Rad: Felix Gatzka hat die Joelette, einen Wanderrollstuhl, an den Tegernsee geholt, um seiner an ALS erkrankten Freundin Sarah Wanderungen in die Berge zu ermöglichen. Nun verleiht er die Joelette an andere Pflegebedürftige. Das Foto links zeigt Sarah und Felix (h.r.) beim ersten Joelette-Test mit Freunden in den Dolomiten. © Markus Frühmann

Felix Gatzka hat einen Wanderrollstuhl an den Tegernsee geholt, um seiner an ALS erkrankten Freundin Sarah Wanderungen zu ermöglichen. Nun verleiht er die Joelette an andere Pflegebedürftige.

Gmund – Einmal direkt am Seeufer entlang gehen, einem Flusslauf folgen oder zum Gipfel aufbrechen. Was für viele Menschen Normalität ist, ist für manche unerreichbar, weil sie ihre Beine nicht dorthin tragen. Es sei denn, sie können eine Joelette nutzen und damit ein Stück Lebensqualität zurückgewinnen. Für sich, und für pflegende Angehörige oder Freunde.

Freundin erkrankt an Nervenkrankheit ALS - Felix Gatzka bringt für sie Wanderrollstuhl an Tegernsee

Die Joelette ist ein Wanderrollstuhl, der durch Felix Gatzka aus Frankreich an den Tegernsee gekommen ist. Weil Felix’ Sandkasten-Freundin Sarah an ALS erkrankte, einer degenerativen Nervenkrankheit, konnte sie nicht mehr aus eigener Kraft in die geliebten Berge gehen. Mit der Joelette konnte sie wieder dabei sein, wenn Freunde und Familie draußen unterwegs waren. Inzwischen erfüllen Felix und eine stattliche Zahl freiwilliger Helfer diesen Traum auch anderen: Mit der Initiative Rolling Adventure laden sie Pflegebedürftige ein, eine Auszeit in der Natur zu genießen.

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„Der Rollstuhl eignet sich nicht nur für Menschen, die gar nicht mehr gehen können, sondern auch für Leute, die einfach nur schlecht auf den Beinen sind, wie etwa ältere Menschen“, erklärt Gatzka. Mit der Joelette können Gepflegte zu längeren Waldspaziergängen aufbrechen, ohne Angst, nicht mehr zurückzukommen. „Es geht gar nicht darum, wohin man geht, sondern um das gemeinsame Erlebnis in der Natur“, betont der Personal-Trainer aus Gmund.

Wanderrollstuhl Jolette: Er eignet sich auch für Senioren

Felix hat erlebt, wie die Joelette Barrieren abbaut. Sarahs Erkrankung sei für alle Beteiligten sehr anstrengend gewesen, erinnert er sich. Er habe mit ansehen müssen, wie ein geliebter Mensch immer mehr Fähigkeiten verliert. „Viele hat es aus Eigenschutz abgeschreckt, Kontakt zu Sarah zu halten.“

All das sei wie weggewischt gewesen, sobald sie sich zu Wanderungen verabredeten. Viele Hemmschwellen habe die gemeinsame Aktivität abgebaut. Plötzlich waren die Freunde wieder da. Die Familie konnte durchatmen. Und Sarah zumindest ansatzweise ihren Traum einer Alpenüberquerung umsetzen.

Felix Gatzka und die Joelette
Felix Gatzka und die Joelette © Thomas Plettenberg

Bei einem Amerikaaufenthalt hatte die promovierte Pädagogin am Strand erstmals einen geländetauglichen Rollstuhl gesehen. Ihr Bruder Alex recherchierte daraufhin eine Adresse, über die sie einen Wanderrollstuhl leihen konnten, um die Alltagstauglichkeit des rund 6000 Euro teuren Geräts zu testen. „Ein ziemlicher Act“, erinnert sich Gatzka. Doch der Ausflug in die Dolomiten überzeugte die Beteiligten.

Mit Wanderrollstuhl: Erster Test in Dolomiten überzeugte Sarah, Felix und Freunde

Sie kauften in Frankreich eine Joelette mit Laufrad, Federung und Bremsen wie beim Mountainbike und einem Sitz, dessen Position unabhängig vom Gelände immer neutral bleibt. Vor allem bergab ist das eine große Erleichterung, weil Getragene nicht nach vorne wegrutschen, sagt Gatzka. So erwanderten er und Freunde mit Sarah Neureuth, Hirschberg und Taubenberg, erklommen den Peitlerkofel, Sarahs Lieblingsgipfel, und schnallten sich bei genügend Schnee auf verschneiten Forststraßen Rutscherl an. Entscheidend ist die Trittsicherheit der Belegschaft, sagt Gatzka. Zwei ziehen, einer schiebt, stabilisiert und bremst. Je mehr Leute unterwegs sind, desto entspannter läuft es, weil man sich abwechseln kann.

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Gepflegte aus ganz Deutschland nutzen die Joelette

Inzwischen hat sich die Joelette herumgesprochen. Aus ganz Deutschland kamen Interessierte nach Gmund. Meist sind es aber Einheimische oder Münchner, die sich den Rollstuhl ausleihen. „Oft sind es Wiederholungstäter, die alle paar Wochen kommen“, sagt Gatzka – Familien, die aus dem Alltag ausbrechen und Kraft tanken.

Sarah kann die Joelette nicht mehr nutzen. Sie ist im Frühling verstorben. Rolling Adventure lebt weiter. Pflegebedürftige Menschen können die Joelette bei Gatzka und seinen Helfern ohne festen Preis ausleihen. Jeder gibt, was er sich leisten kann. Die Spenden dienen zur Wartung des Rollstuhls. Gatzka organisiert bei Bedarf Helfer, die die Joelette ziehen. Für die Aktion „Leser helfen Lesern“ wird er im kommenden Jahr Gepflegten aus dem Landkreis Wanderungen anbieten.

Weitere Infos

zu Felix und Rollingadventure gibt es auf www.rolling-adventure.de oder per Mail an info rollingadventure@gmail.com.

Die Spendenaktion „Leser helfen Lesern“ im Überblick

Begünstigte

Begünstigte der Aktion „Leser helfen Lesern“ sind heuer pflegende Landkreisbürger und deren pflegebedürftige Angehörige. Sie sollen die Möglichkeit zu einer gemeinsamen Auszeit in einer geeigneten Unterkunft im Landkreis erhalten – bei Bedarf inklusive Betreuung. Die Auswahl der Begünstigten erfolgt nach strengen Kriterien unter Federführung des Fachbereichs Senioren am Landratsamt.

Spendenkonto 13 300

Spenden können auf das Konto 13 300 bei der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee (BLZ 711 525 70), IBAN DE04 7115 2570 0000 0133 00, eingezahlt werden – persönlich oder per Überweisung. Vorgedruckte Überweisungsträger liegen in den Sparkassen im Landkreis aus. Aus technischen Gründen können wir unseren Ausgaben heuer leider keine Überweisungsträger beilegen. Als Ersatz erleichtert der hier abgedruckte QR-Code die Überweisung per App auf dem Handy.

Spendenquittungen

Der Einzahlungsbeleg wird bei Spenden bis zu einem Betrag von 200 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 200 Euro stellt das Landratsamt die Spendenquittungen aus. Um Rückfragen zu vermeiden, werden die Spender gebeten, ihre vollständige Anschrift auf der Überweisung anzugeben.

Namensnennung

Wer „Leser helfen Lesern“ mit mindestens fünf Euro unterstützt, wird als Spender in der Zeitung genannt. Wer ungenannt bleiben möchte, möge dies auf der Überweisung vermerken.

Keine Aktionen

Weil coronabedingt alle Veranstaltungen ausfallen, bei denen traditionell für die Aktion gesammelt wird, kommt es auch in dieser Vorweihnachtszeit wieder auf jede einzelne Spende an. Wir danken allen Leserinnen und Lesern für ihre Unterstützung.

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