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Gmund plant Mehrfamilienhaus für Flüchtlinge

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Von: Gerti Reichl

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In der Nähe des Bauhofs in Gmund soll der Neubau für Flüchtlinge und bedürftige Einheimische entstehen. © Screenshot Google Maps

Gmund - Wohin mit den Flüchtlingen, die weiter in den Landkreis drängen? Die Gemeinde Gmund hat sich zum Handeln entschlossen: Sie plant offenbar den Neubau eines Mehrfamilienhauses.

Es ist der Tag der Infofahrt. Das Landratsamt Miesbach hat die Medien eingeladen, sich ein Bild von den Asylbewerberunterkünften zu machen. Und davon, was Behörden und Helfer leisten, um die Situation zu meistern. Es ist auch eine Reaktion auf die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Da sorgten Polizeieinsätze in Asylbewerberunterkünften immer wieder für Schlagzeilen.

Kurz vor Mittag macht der Tross – auch das Bayerische Fernsehen ist vertreten – Station in der Seeturnhalle in Gmund, wo seit 2014 Flüchtlinge leben. Knapp 30 insgesamt. Nigerianer, Senegalesen, Eritreer, Aserbaidschaner, Syrer und zwei Männer, deren Herkunft ungeklärt ist. In ganz Gmund sind es 50 Flüchtlinge, 81 sollen es bis Jahresende werden. Doch wohin mit ihnen? „Wir verhandeln mit 55 privaten Wohnungsbesitzern im Landkreis“, erklärt Pressesprecher Birger Nemitz. Auf die Frage, wo weitere Flüchtlinge in Gmund unterkommen sollen und wie lange die Seeturnhalle noch als Unterkunft zur Verfügung steht, zuckt Bürgermeister Georg von Preysing ratlos mit den Schultern. Dann verrät er, was Gmund vorhat: Neben dem Bauhof will die Gemeinde ein Mehrfamilienhaus errichten. Wie groß es wird, das soll eine Machbarkeitsstudie klären, mit der sich der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung befasst hat.

In dem Haus sollen nicht nur Flüchtlinge unterkommen, sondern auch bedürftige Einheimische: „Schließlich wollen wir dort kein Ghetto schaffen“, sagt Preysing. Fest steht, es muss schnell gehen. Derweilen lobt Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) das Gmunder Engagement in der Turnhalle, allen voran den Helferkreis mit Organisator Hajo Fritz und dem harten Kern von 20 Aktiven: „Es ist Euer Verdienst, dass es hier bisher keine Probleme und Polizeieinsätze gibt wie in anderen Turnhallen.“ Der Helferkreis hat Regeln für die Bewohner aufgestellt. Zum Beispiel zum Putzen: Diesmal ist der Senegalese Fallou dran. Er wischt langsam über die pinkfarbenen Plastiktischdecken auf den Biertischen inmitten der Halle. 1,05 Euro kriegt er pro Stunde vom Landkreis dafür, fünf Stunden putzt er täglich.

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Beim Impfen: Dr. Otmar Strassmüller gibt dem Senegalesen Jaju Famera in der Seeturnhalle eine Spritze. © al

Dann ist alles sauber und bereit für die Impf-Aktion, die der Landkreis für die Medien inszeniert hat. Dr. Otmar Strassmüller, Allgemeinarzt und zuständig für medizinische Fragen im Helferkreis, impft einige der Männer gegen Grippe. 15 sind es am Ende, die sich freiwillig eine Spritze verpassen lassen und anschließend einen Impfpass bekommen. In Absprache mit dem Gesundheitsamt soll die Aktion auf alle gängigen Impfungen ausgeweitet werden, „um Flüchtlinge und Bevölkerung vor Infektionskrankheiten zu schützen“, so Rzehak. Mit der Impfung aller neu ankommenden Flüchtlinge hat der Landkreis eine Vorreiterrolle übernommen. Inzwischen, so Rzehak, hätten weitere Landkreise das Modell kopiert.

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