Schuhmacherwehr Gmund Mangfall Hochwasserschutz
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Das Schuhmacherwehr  bei Gmu nd.

Hochwasserschutz am Tegernsee

Debatte ums Schuhmacherwehr: Deutliche Worte des Betreibers

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Immer wieder wird Kritik am Schuhmacherwehr geübt. Jetzt beziehen das Landratsamt und Florian Kohler, Inhaber der Büttenpapierfabrik und damit auch des Wehrs, Stellung.

Gmund „Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser“, sagt Hans-Ulrich Werner und hält es nicht für ausgeschlossen, dass nach einer siebenjährigen Ruhephase die Anrainer des Tegernsees und der Mangfall in sehr naher Zukunft wieder einem Extrem-Hochwasser ausgesetzt sein könnten. Kleine „Kostproben“ gibt’s laufend – jüngst nach der Überflutung des Zeiselbachs. Der promovierte Münchner Bauingenieur hat den jüngsten Bericht in der Tegernseer Zeitung mit großem Interesse verfolgt. Noch ehe das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim 2015 für die Regulierung des Tegernsees eine Druckleitung bis unterhalb des Schuhmacherwehrs ins Spiel brachte, hatte Werner eine solche Lösung dem WWA schon 2013 präsentiert, allerdings in kleinerem Ausmaß wie aktuell im Gespräch. 

Werner ist Mitglied des Arbeitskreises, der im Januar 2017 zuletzt getagt hat. Auch er wartet gespannt darauf, wie es mit den Plänen weitergeht. Für ihn sei es höchst bedauerlich, dass 15 Jahre nach Planungsbeginn noch immer über den Vorentwurf diskutiert werde. „Das mag an der Komplexität des Vorhabens liegen“, so Werner, „aber vielleicht auch daran, dass nicht frühzeitig eine offizielle Zweitmeinung eingeholt worden ist, wie dies im medizinischen Bereich üblich ist.“

So könnte das Wehr umgebaut werden. 

Was das Wehr betrifft, so hält er die vom Verein Rettet den Tegernsee angemeldeten Bedenken, wonach etwa ausgebaute Zuflüsse jetzt noch mehr Wasser in den See bringen, für berechtigt. Die Problematik, so Werner, habe er er zuletzt in der Gemeinde Bad Wiessee vorgetragen. „Daher erscheint es erst recht unabdingbar, sofort die alten Vorgaben zur Regulierung des Abflusses beim Schuhmacherwehr so zu verändern, dass bis zur Fertigstellung der Hochwasser-Entlastungs-Anlage während der Periode, in der Hochwassers auftreten können, wenigstens eine Minderung der potenziellen Hochwasserschäden erreicht wird.“ Sprich: Der Wasserbescheid, der seit 50 Jahren gilt, müsste auf den Prüfstand.

Das Landratsamt Miesbach liefert nun auf Nachfrage, Fakten zum viel diskutierten Vertrag: So stammen die ursprünglichen Wasserrechte aus dem frühen 20. Jahrhundert. Der jüngste Bescheid, so Sprecherin Sophie Stadler, datiere vom Dezember 1974 und wurde 2003 verlängert. „Diese Wasserrechte legitimieren ein Staubrett in der Mangfall, welches einen geringen Aufstau des Flusses bewirkt und dort die Wasserkraftanlage positiv beeinflusst“, erklärt Stadler. Darin steht auch: Die Büttenpapierfabrik als Betreiberin des Wehrs muss das Staubrett umlegen, wenn der Tegernsee in St. Quirin einen Pegel von 725,65 mNN erreicht hat. „2015 entsprach unser Wasseramt der Forderung des Vereins und prüfte den Bescheid ausführlich“, so Sophie Stadler. Sie kündigt zugleich an, dass Landrat Olaf von Löwis das Thema bei seinen nächsten Treffen mit Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn und Umweltminister Thorsten Glauber ansprechen und den aktuellen Sachstand sowie das weitere geplante Vorgehen auf allen Seiten erfragen wolle. Eine erneute Prüfung des Bescheids stehe nicht im Raum. „Wesentlich für die letzte Prüfung 2015 war die Einschätzung des Wasserwirtschaftsamts, wonach die Seespiegelhöhe durch eine frühere Öffnung nur im Bereich weniger Zentimeter beeinflusst werden würde.“ Man sei bei der Prüfung zu dem Schluss gekommen, so Stadler, dass eine Änderung nicht durchsetzbar wäre.

Betreiber spricht Klartext: „Schuhmacherwehr ist nicht das Wehr vom Tegernsee“

„Und auch nicht sinnvoll“, ergänzt Florian Kohler, den Berichte über das Wehr „immer wieder ärgern“. Das Umlegen des Bretts mache in Rottach-Egern bestenfalls einen Zentimeter aus, ist der Inhaber der Büttenpapierfabrik, die das Schuhmacherwehr und zwei weitere Wehre im Verlauf der Mangfall zur Stromerzeugung nutzt, überzeugt. Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass durch das schnellere Abfließen des Wassers Hochwasser verhindert werden könnte. Mit einem weiteren Fehleinschätzung will Kohler aufräumen: „Das Schuhmacherwehr ist nicht das Wehr vom Tegernsee. Der Scheitelpunkt liegt bei der Holzbrücke.“ Kohler stellt klar: „Der Tegernsee ist kein Stausee.“

Ja, die Büttenpapierfabrik habe einen Ertrag durch die Produktion von ökologischem Strom und speise diesen auch ins Netz ein, sagt Florian Kohler. Die Behauptung, die Firma profitiere vom Hochwasser, sei jedoch falsch. „Tatsächlich wird bei Hochwasser weniger Strom produziert als bei Normalwasser.“ Mit 30 bis 50 Prozent werde die Fabrik mit Strom aus Wasserkraft versorgt, was auch den Fortbestand der Firma sichere. „Wir kümmern uns wie die Haftelmacher um die Anlage“, versichert Kohler und betont, dass ein Wehrwächter permanent die Anlage im Blick habe und notfalls eingreife.

Der Umbau des Schuhmacherwehrs ist Bestandteil der Hochwasserschutz-Pläne des WWA. „Wir werden auf dem Laufenden gehalten“, sagt Kohler. „Gestaltender Partner sind wir noch nicht.“ Es sei richtig, dass das Wehr alt ist, „aber es funktioniert einwandfrei.“ Eine Sanierung sei solange nicht gerechtfertigt, ehe man sich im Klaren über die Pläne ist.

Doch so weit ist es noch lange nicht.

Lesen Sie hier: Beliebter Weg zur Aueralm gesperrt.

gr

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