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Mit den grünen Kronentanz-Bögen führen die Gmunder Schäffler alle sechs Jahre in der Faschingszeit ihren Tanz auf. Heuer ist es wieder soweit.

Warum Bürgermeister Preysing nicht mehr dabei ist

Gmunder Schäffler tanzen heuer wieder

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Gmund - Nur alle sechs Jahre tanzen die Gmunder Schäffler in ihren typischen Gewändern den Kronentanz. Heuer ist es wieder soweit. Doch in diesem Jahr gibt es auch einen Wertmutstropfen.

Hoch das Bein, die Hände fassen, zum Kreis schließen und zur Melodie „Aba heit is koit, aba heit is koit“ rhythmisch im Kreis tanzen. Eine große Herausforderung stellt so ein Schäfflertanz, der rund 20 Minuten dauert, nicht dar. Schließlich sind die meisten der 25 Männer, die den Gmunder Schäfflern angehören, fast so etwas wie Profis. Viele sind auch im Trachtenverein Neureuther und beherrschen das Platteln. Der Schäfflertanz ist also ein Kinderspiel. Noch dazu sind die Tanzschritte seit der Gründung der Gruppe vor exakt 60 Jahren immer die gleichen. Ebenso die Figuren, zu denen sich die Männer mit den grünen Kronentanz-Bögen formieren. „Da brauch ma ned lang üben“, meint Peter Huber (58), der 36 Jahre lang Vortänzer war, den Posten aber an Hans Schwarzenböck (35) abgegeben hat. 

Als Reifenschwinger war Georg von Preysing aktiv.

Also wird vor der ersten Aufführung nur zweimal kurz trainiert, „dann passt’s scho’“, meint Huber. Wer die Gmunder Schäffler live erleben möchte, hat am Faschingsdienstag, 9. Februar, Gelegenheit dazu. Dem Gmunder Rathauschef Georg von Preysing kam bei den Auftritten bisher eine tragende Rolle zu. Er war über Jahrzehnte hinweg der Reifenschwinger der Gmunder Schäffler und damit unverzichtbar. Heuer ist Preysing zum Bedauern der Truppe erstmals nicht mehr mit dabei (siehe unten). 

Seine Nachfolge tritt Franz Huber, Kommandant der Dürnbacher Feuerwehr, an. Er ist es nun, der einen Reifen, an dem zwei gefüllte Schnapsgläser befestigt sind, so geschickt jonglieren muss, dass nichts verschüttet wird. „Und dann“, so Peter Huber, „muss natürlich mit den Zuschauern getrunken werden.“ Franz und Beni Eisenburg, Max Seestaller und Hiasl Manhart waren bei den Schäfflern die Männer der ersten Stunde. Gmunder und Dürnbacher Burschen, die bei Faschingszügen als „damische Rittersleut“ mitmachten, lieferten die Vorlage. Die Gewänder, bestehend aus Bund-Lederhosen, roten Westen, weißen Hemden und weißen Strümpfen sowie Hüten mit Federn, schauten sie sich von den Münchner Schäfflern ab. Auch ein Kasperl gehört zu der Gruppe: Er bringt die Zuschauer zum Lachen und sammelt nebenbei Geld beim Publikum ein. Die Gmunder Mesner-Familie Latein übernimmt seit langem diesen Part. 

Anfangs trat die Gruppe jedes Jahr im Fasching auf, dann einigte man sich auf einen sechsjährigen Rhythmus, „so wie der Faschingszug, der nur alle sechs Jahre in Gmund stattfindet“, erklärt Huber. Dass das Gmunder Schäfflerjahr inzwischen immer ausgerechnet mit dem Kreuther Faschingszug zusammenfällt, „is halt so“, die Mitglieder wollen diesen Rhythmus auch nicht mehr ändern. Während die Aufführung heute reine Faschingsgaudi ist, so hat der Tanz eigentlich einen ernsten Hintergrund: Der Schäfflertanz geht auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges und die Pest zurück. Damals lockten die Tänzer so die Menschen zum Feiern aus ihren Häusern. Nur wenige Gruppen im Oberland und im Umland von München halten die Tradition der Schäfflertänze aufrecht. „Neben uns Gmundern gibt es auch Gruppen in Kolbermoor, Murnau und in Ismaning“, weiß der ehemalige Vortänzer. Die Auftritte der Gmunder Schäffler finden nur am Faschingsdienstag, 9. Februar, statt. 9 Uhr Lindenplatz Bad Wiessee; 9.45 Uhr Rathaus Gmund; 10.45 Uhr Rathaus Tegernsee; 11.45 Uhr Rathaus Rottach-Egern; 12.30 Uhr Gasthaus Göttfried Kreuth; 14.30 Uhr Marktplatz Miesbach; 15.15 Uhr Krankenhaus Agatharied, 16.15 Uhr Dorfplatz Dürnbach.

Darum ist Bürgermeister Preysing heuer nicht mehr dabei:

Dass Georg von Preysing seit 1980 aktiv bei den Gmunder Schäfflern mit dabei war, verwundert nicht weiter. Als Reifenschwinger war er dafür zuständig, seine Späße mit den Zuschauern zu treiben – „sie ein bisserl zu derbleckn“, wie er selbst sagt. Und dass der Gmunder Bürgermeister eine lose Zunge hat, ist ja hinlänglich bekannt.

Umso mehr bedauert Preysing, dass er heuer erstmals nicht mehr mit dabei sein kann. Er musste sich am Donnerstag im Krankenhaus Agatharied („hier fühle ich mich in sehr guten Händen“) einer Knie-Operation unterziehen. Nichts Tragisches, wie der Rathaus-Chef sagt. Trotzdem sei er derzeit nicht mobil und könne schon deshalb nicht aktiv bei den Schäfflern mitmischen. „Auch vom Alter her war’s allmählich an der Zeit aufzuhören, jetzt sollen die Jungen ran“, meint Preysing. Ein bisserl wehmütig ist er trotzdem. Das Reifenschwingen, das Derbleckn und nicht zuletzt das Schnapseln haben ihm immer Spaß gemacht. Auch wenn bei manchmal zehn bis zwölf Auftritten schon Kondition gefragt war. Gern erinnert sich Preysing auch an die Sitte, die Schnapsgläser nach der Rede nach hinten über die Schulter zu werfen. Zum Auffangen stand stets der Kasperl alias Hans Latein bereit.

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