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Im Gastgeberverzeichnis der TTT sind alle Vermieter des Tals gebündelt aufgeführt. Doch was die Gäste-Zahlen betrifft, hinkt Gmund den anderen Gemeinden am Tegernsee hinterher.

Gmund hadert mit schlechter Tourismus-Bilanz

Kommt es zur Abspaltung von der TTT?

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Gmund - Mit dem Tourismus in Gmund läuft's nicht so rund, wie sich das mancher Vermieter vorstellt. Sogar von einer Abspaltung von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) war schon die Rede. 

Am Himmel über Gmund, den die Gäste am liebsten strahlend blau sehen, hängen offenbar ein paar dunkle Wolken. Bei einer gut besuchten Vermieterversammlung, die vor kurzem im Jagerhaus stattfand, musste sich Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) harte Worte anhören. Er habe den Tourismus „an die Wand gefahren“ und solle zurücktreten, platzte es aus einem Gastgeber heraus.

Preysing griff das Thema dann sogar bei der Bürgerversammlung auf und räumte ein, dass der Tourismus für ihn nicht höchste Priorität habe. Die Förderung der Kinder sei ihm wichtiger.

Der Gmunder Vermieter hatte sich bei der Versammlung, die einmal pro Quartal von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) einberufen wird, um sich möglichst offen auszutauschen und zu diskutieren, besorgt über die Tourismuszahlen in der Gemeinde gezeigt. Im Gegensatz zu allen anderen Talgemeinden musste Gmund als einzige Kommune 2015 einen Rückgang bei den Übernachtungen um 6,6 Prozent hinnehmen (gesamt: 55.544), die Zahl der Gäste sank um 5,89 Prozent (gesamt: 19.629). Insgesamt legte das Tegernseer Tal jedoch zu und verbuchte ein Plus von 2,10 Prozent bei den Gästen und ein Plus von 6,12 Prozent bei den Übernachtungen.

Preysing hatte sich bereits im Januar zu den Gründen für die Negativbilanz geäußert. Gmund würden einfach die Betten fehlen, daher könne die nördlichste Talgemeinde nicht mit den anderen mithalten.

Auch die Zahlungen an die TTT stehen in der Kritik. Preysing hofft, dass sich der Verteilungsschlüssel 2017 ändert. 260.000 Euro musste Gmund 2015 an die TTT überweisen. Eine vergleichsweise niedrige Zahl: Wiessee musste zuletzt 1,2 Millionen Euro aufbringen.

Preysing fordert, dass sich die Zahlung stärker an den Übernachtungen orientiert und nicht an der Wirtschaftskraft einer Gemeinde. Weil Gmund wirtschaftlich aber gut dasteht, bezahlt sie einen Satz von sechs bis acht Euro pro Übernachtung an die TTT, während dieser in anderen Gemeinden bei zwei Euro pro Übernachtung liegt.

TTT-Chef Stephan Köhl appellierte an die Gmunder, in der TTT zu verbleiben.

Gerüchten, wonach Preysing den Gemeinderat in geheimer Sitzung bereits über einen Austritt aus der TTT und einen Anschluss an die Tourismusorganisation Tegernsee-Schliersee (ATS) abstimmen ließ – letztlich mit einem Votum für den Verbleib in der TTT – dementiert der Rathauschef: „Es gab keine Abstimmung“, stellt Preysing klar. Um jedoch darzulegen, was Gmund in den vergangenen zehn Jahren alles für den Tourismus getan habe, werde er eine Aufstellung vorbereiten. „Das dauert allerdings noch ein bisserl, denn schließlich gibt’s noch andere Dinge zu tun.“

Preysing habe eben ein eher „aufgeräumtes Verhältnis zum Tourismus“, glaubt Petra Berger von der TTT. Sie war neben Köhl bei der Vermieterversammlung dabei und bezeichnet die Stimmung dennoch als gut. „Die Gmunder Gastgeber fühlen sich bei der TTT gut aufgehoben“, glaubt Berger. Schließlich sei die TTT ein Organ mit viel Kernkompetenz und einem hohen Serviceangebot für Gäste und Gastgeber.

Kritik könne sie in einigen Punkten nachvollziehen. So müsse die TTT daran arbeiten, ihre Kommunikations-Strukturen zu verbessern. Die Vermieter wollen Preysing und den Gemeinderat dennoch wissen lassen, wo sie der Schuh drückt. Sie haben deshalb einen Brief verfasst.

Bei seinem ersten Auftritt im Gemeinderat kam Köhl auch auf das Budget für 2016 zu sprechen. So müsse Gmund 2016 weniger zahlen: insgesamt 207.000 Euro. Diese Summe setze sich zusammen aus dem Grundbetrag, gemessen an der Kreisumlage (58.900 Euro), der Marketingumlage nach Übernachtungen (54.500 Euro) und der Umlage für die Tourist-Info (93.500 Euro).

Der TTT-Chef machte Mut: Gmund sei das Tor zum Tegernsee, mit Kaltenbrunn und dem Maximilian würden sich Riesenchancen eröffnen. „Machen Sie weiter mit bei der TTT“, lautete sein Appell an die Gemeinderäte. Ja, 207.000 Euro seien eine stattliche Summe, aber die TTT biete auch viel. „Die TTT braucht Gmund, und Gmund braucht die TTT“, sagte Köhl.

Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) wollte schließlich wissen, wo Köhl die größten Entwicklungschancen für Gmund sehe. „Bei den Themen Radfahren, Familien und Urlaub auf dem Bauernhof“, lautete Köhls Antwort. Alles im Umfeld von Kaltenbrunn sei wichtig. Er hoffe auf neue Hotel-Betten im Feichtner Hof, auch ein Sporthotel wäre sinnvoll. Die Vorschläge der Vermieter, so Preysing, sollen im April diskutiert werden.

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