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Am Mangfallsteg (Bildmitte) bei Gmund soll das Einlaufwerk entstehen, Teil eines umfassenden Projekts zum Hochwassera usgleich am Tegernsee. 

Megaprojekt Hochwasserausgleich Tegernsee

Warten auf den Staubsauger im See

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Lange Zeit hat das Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee hohe Wellen geschlagen. Ist es jetzt etwa abgetaucht? Hier der aktuelle Sachstand.

Gmund – „Warum tut sich da nichts? Wir haben seit einem Jahr nichts mehr gehört?“ Das fragen sich derzeit der Rottacher Andreas Scherzer und seine Freunde vom Aktionsbündnis „Rettet den Tegernsee“. Deren Ziel war und ist ein Hochwasserschutz-Gesamtkonzept für das Tegernseer Tal, das Zuläufe, Quellen, das Grundwasser, die Berge, Polderflächen und Rückhaltemaßnahmen einbezieht. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Tegernsee-Auslauf zur Mangfall endlich wieder ausgebaggert und unser See kein Rückhaltebecken mit einem Stauziel wird“, schreibt der Verein auf seiner Homepage.

Was das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim im Mai 2015 verkündete, stellte den Verein im Großen und Ganzen zufrieden: Nördlich des Mangfallstegs bei Gmund soll ein Einlaufwerk entstehen – eine Art Staubsauger im Wasser – das immer dann eingeschaltet wird, wenn extreme Regenfälle im Anmarsch sind. Daran schließt sich eine unterirdische, etwa 600 Meter lange, 4,50 mal 2,30 Meter dicke Druckleitung an, die einen halben Meter unter der Mangfallsohle zunächst nördlich, dann südlich am Mangfallufer entlang läuft. Das Schuhmacherwehr, das der Büttenpapierfabrik Gmund gehört und zur Stromerzeugung genutzt wird, soll erneuert und für die bessere Steuerung bei Hochwasser ertüchtigt werden. Was so funktionieren soll: Etwa 24 Stunden vor Eintritt eines Extremhochwassers soll der Wasserstand des Sees auf Basis einer Vorhersage mit Hilfe der Druckleitung abgesenkt werden. Die anlaufende Hochwasserwelle kann dann durch den zusätzlich gewonnenen Rückhalt im See verzögert ins untere Mangfalltal abgegeben werden. Um maximal 20 Zentimeter könnte der Tegernsee-Pegel in der Spitze reduziert werden.

„Uns wär’ recht, wenn endlich was passiert“, sagt Scherzer und spekuliert: „Ist da etwa was liegen geblieben im Amt?“

WWA-Chef Paul Geisenhofer muss zwar einräumen, dass es zu einer Versetzung der Projektleiterin gekommen sei, „doch dadurch hat sich nichts verzögert.“ Derzeit, so Geisenhofer, liege der Bauentwurf bei der Regierung von Oberbayern zur Prüfung, „und wir sind immer noch im geplanten Ablauf.“ Demnächst soll es ein Gespräch geben mit Regierungsvertretern, „dann können wir Näheres zur zeitlichen Planung sagen.“ Nach Abschluss der Entwurfsprüfung mache es Sinn, auch den Arbeitskreis zu informieren. Dieser Arbeitskreis, dem das Aktionsbündnis, Fischer, Anwohner der Mangfall, Vertreter der Gemeinden, der Schifffahrt, des Landratsamts und weitere interessierte Bürger angehören, hatte sich bereits viermal in der Vergangenheit getroffen, zuletzt im Frühjahr 2017. Schließlich setzt das WWA inzwischen auf Transparenz, hat das Projekt im Internet längst veröffentlicht.

Lesen Sie, wie weit die Pläne im November 2017 waren

Und wie geht’s weiter? Nach der verwaltungsinternen Prüfung durch die Regierung sei dann ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren nötig. „Wenn die interne Prüfung abgeschlossen ist, müssen die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren vorbereitet werden“, erklärt Geisenhofer, der keine Prognosen zum Zeitplan wagen möchte. „Es handelt sich um ein schwieriges Großprojekt. Und alles hängt davon ab, wie viele Einwände noch kommen.“

Seit 2004 wird am Hochwasserschutzprojekt gearbeitet. Ein langwieriger Prozess. Könnte alles am Ende scheitern? „Das kann ich mir nicht vorstellen“, sagt der WWA-Chef. Schließlich handle es sich nicht um eine politische Fragestellung, sondern um ein rechtsstaatliches Verfahren.

Es wird also noch viel Wasser über die Mangfall abfließen, bis der Staubsauger zum Einsatz kommt. „Ich habe immer betont, dass hier Qualität vor Geschwindigkeit geht“, sagt der WWA-Chef. „Mir ist deshalb ganz wichtig, dass wir eine fundierte, qualifizierte Planung haben und es keine Überraschungen gibt. Und diesen Weg gehen wir konsequent voran.“

Einheimische und Gäste können also vorerst weiter ganz entspannt den Uferweg an der Mangfall nutzen. „Fest steht“, so Geisenhofer, „dass das Projekt einen Rieseneingriff für Gmund bedeutet. Und das muss gut mit der Gemeinde abgestimmt werden.“

Lesen Sie, was an der Rottach passiert und wie die Anwohner reagierten.

Und lesen Sie auch, übers Hochwasser 2017 beim Seefest.

gr

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