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Seit vergangenen Herbst ist die Filialkirche St. Quirin eingerüstet. Nach der Winterpause können die Sanierungsarbeiten jetzt wieder beginnen. 

Sanierung der Filialkirche St. Quirin kann nach Winterpause weitergehen

Segensreicher Zuschuss

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Ein Bruchteil ist schon geschafft. Jetzt gehen die Sanierungsarbeiten der katholischen Filialkirche St. Quirin in die nächste Runde. Ein Zuschuss aus Gmund ist für die Bauherrn ein Segen.

St. Quirin – „Ich freue mich wirklich sehr über diese Entscheidung“. Die dankbare Reaktion von Monsignore Walter Waldschütz folgt prompt, als er vom einstimmigen Beschluss des Gmunder Gemeinderats erfährt. Mit stattlichen 42 500 Euro, also fünf Prozent der Baukosten, wird sich Gmund an der Sanierung der Tegernseer Filialkirche St. Quirin beteiligen. Das kleine Gotteshaus gehört politisch zu Gmund, kirchlich aber zum Pfarrsprengel Tegernsee-Egern-Kreuth. Es sei üblich, dass sich die politische Gemeinde mit fünf Prozent der Kosten beteiligt, erklärte Georg von Preysing (CSU) dem Gemeinderat bei seiner letzten Sitzung. Bei der Sanierung der Kirche in Georgenried habe man auch mitbezahlt und Waakirchen unterstützt. Die fünf Prozent bestreiten dann aber Gmund und Tegernsee je zur Hälfte. Ob Tegernsee tatsächlich so mitzieht, will die Stadt erst im April bekannt geben.

Sanierung kostet 1,7 Millionen Euro

Nach bisherigen Berechnungen wird die Sanierung nicht wie geplant 1,3 Millionen Euro, sondern 1,7 Millionen Euro verschlingen. „Die Kirche wurde lange vernachlässigt, weil die Pfarrkirche Tegernsee Vorrang hatte“, erklärt Pfarrer Waldschütz. Die Arbeiten sind ein gemeinsamer Kraftakt des ökumenischen Kirchbauvereins Tegernsee, Rottach und Kreuth mit etwa 150 Mitgliedern. Seine Kostenzusage über 50 000 Euro war die Initialzündung für das Erzbischöfliche Ordinariat, den Segen zu erteilen und 85 Prozent der Kosten zu tragen.

Im September 2017 wurde mit den Arbeiten begonnen und das kleine Gotteshaus eingerüstet. „Die Denkmalschützer verlangten, dass wir jeden Balken am Dach einzeln umdrehen und nicht den Dachstuhl komplett erneuern“, berichtet Fidel Niggl, Mitglied der Kirchenverwaltung Tegernsee und zuständig für Bauangelegenheiten. Weil der Winter aber früh kam, schafften die Zimmerer nur das halbe Dach. Jetzt aber geht’s weiter. Fest steht auch, dass der marode Turm nicht mit einem Kran herunter gehoben, sondern vor Ort saniert wird.

Kirche ist eines der bedeutendsten Denkmäler im Tegernseer Tal

Viel Arbeit wartet heuer noch. Die Lage an der Straße, Grundwasser, Hochwasser und überhaupt die Feuchtigkeit vom See haben der Kirche arg zugesetzt. Zwischen 1962 und 1968 wurde sie zuletzt innen renoviert. Äußerlich eigentlich unauffällig, zählt sie religiös wie künstlerisch zu den bedeutendsten Denkmälern im Tegernseer Tal. Sie markiert die Stelle, wo um das Jahr 800 die Reliquien des Heiligen Quirinus bei ihrer Übertragung aus Rom ins Kloster Tegernsee zum letzten Mal Halt machten und wo der Legende nach damals eine heilsame Quelle entsprang. Um 1170 ist erstmals eine hölzerne Kapelle in den Kirchenchroniken erwähnt, gegen 1460 entstand die bis heute bestehende Steinkirche, 1676 wurde sie im barocken Stil mit viel Stuck gestaltet, in ihrem Zentrum steht bis heute ein Rotmarmor-Brunnen als Fassung der Quirinus-Quelle. Kinder mit Namen Quirinus werden hier gerne getauft, für Trauungen ist sie ein beliebter Ort, noch im vergangenen Sommer fanden immer dienstags Gottesdienste statt. „Und zwar sehr gut besuchte“, wie Waldschütz bemerkt.

Birgt der Boden ein Geheimnis?

In diesem Jahr bleibt das Gotteshaus den Handwerkern vorbehalten. „Derzeit läuft die Ausschreibung für die Arbeiten zur Trockenlegung und Entsalzung des Sockels“, weiß Fidel Niggl. Wegen des anhaltenden Baubooms hofft er, im Sommer die richtigen Fachleute für die nächsten Arbeiten zu finden: Der Putz am Fundament muss innen erneuert werden, die Bänke müssen raus. Überhaupt müssen alle Holzteile und Türen abgelaugt, gereinigt und neu behandelt werden, der Marmorbelag am Brunnen bedarf ebenfalls einer Erneuerung. Die Kirche braucht neue Fenster und eine Lüftungsanlage, um Temperaturen und Feuchtigkeit auszugleichen. „Beim Boden wird’s spannend“, prophezeit Niggl. Der einfache Ziegel-Klinker muss raus, dann werden wir sehen, was darunter zum Vorschein kommt.“

Es sind vermutlich noch viele Kleinigkeiten, die das Kirchlein preisgeben wird. „Für Kunstexperten ist die Kirche ein Kleinod. Es wäre schade, wenn wir den Zustand schleifen lassen“, sagt Niggl. Die Schaffung von zwei bis drei Parkplätzen, die Verschönerung des Außenbereichs und vielleicht sogar die Verlegung des Eingangs auf die Nordseite werden von den Bauherrn allerdings noch viel Verhandlungsgeschick mit den Grundbesitzern abverlangen.

Für die Gmunder bestand kein Zweifel, Finanzhilfe zu befürworten. „Die Kirche trägt zum positiven Image der Gemeinde bei“, war Preysing überzeugt. Er selbst und seine Kinder seien da getauft worden. Wenn die Kirche einmal fertig ist, werden es wohl wieder einige sein.

Weitere Spenden

Spenden für die Kirchensanierung werden gerne entgegen genommen. Infos im Pfarrbüro unter der Rufnummer 0 80 22/ 46 40. Die Gmunder Dorfmusikanten werden Einnahmen ihres Jubiläumskonzerts gemeinsam mit dem Bundespolizeiorchester am 12. Juni auf Gut Kaltenbrunn anlässlich des 25-jährigen Bestehens zur Verfügung stellen. 

gr

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